Mister Market

Vifor Pharma könnte eine grössere Akquisition planen

Die Pharmagruppe hat sich von Standard & Poor's ein Kreditrating erstellen lassen. Das kann ein Hinweis sein, dass sie einen Zukauf plant, der die Emission von Anleihen in Dollar nötig macht.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Auf den ersten Blick klingt die Nachricht nach keiner grossen Sache: Vifor Pharma hat sich von Standard & Poor's ein Kreditrating erstellen lassen und die Bonitätsnote BBB– mit stabilem Ausblick erhalten.

Der in Glattbrugg beheimatete Hersteller von Eisenpräparaten und Medikamenten gegen Nierenleiden wertet das Rating als «signifikanten Schritt in der Umsetzung der Strategie, globaler Marktführer in den Bereichen Eisenmangel sowie Herz- und Nierentherapien zu werden». Vifor bekräftigt zudem, das «Investment Grade»-Rating behalten zu wollen.

Ich frage mich: Was bezweckt Vifor Pharma damit, zumal ein Rating von S&P für ein Unternehmen mit der Bilanzstruktur von Vifor mehr als 250'000 Fr. kostet – laufende Monitoring-Kosten nicht eingerechnet – und die Gruppe bereits von Credit Suisse («Low BBB») und der Schweizer Agentur Fedafin (Baa, das Äquivalent von BBB) ein Kreditrating erhalten hat?

Zukauf in den USA?

Eine mögliche Antwort: Vifor Pharma plant eine Transaktion, die die Ausgabe von Anleihen in Fremdwährungen benötigt. Für eine Bondemission in Franken hätte das Rating von Credit Suisse und Fedafin nämlich gereicht. Seit September 2018 hat Vifor bereits eine Frankenanleihe über 465 Mio. Fr. ausstehend. Der Bond mit einem Coupon von 0,75% hat eine Laufzeit bis September 2022.

«Abgesehen vom Plan, Fremdwährungs-Anleihen auszugeben, gibt es keinen rationalen Grund für Vifor, sich ein Rating von S&P zu leisten», sagt ein erfahrener Kreditanalyst im Gespräch mit The Market.

Auf Anfrage sagt eine Sprecherin, Vifor Pharma habe zur Zeit keine Pläne, weitere Anleihen zu emittieren. Auch stehe der Kreditrating-Prozess nicht im Zusammenhang mit einer Akquisition.

Etienne Jornod, exekutiver Verwaltungsratspräsident von Vifor Pharma, hat allerdings nie einen Hehl daraus gemacht, dass er an weiteren Akquisitionen interessiert ist. «Unsere finanziellen Möglichkeiten für Akquisitionen erstrecken sich bis auf 2 Mrd. $», sagte er im Juli im Interview mit The Market.

Angesprochen auf die Frage, ob ein Zukauf in der Grössenordnung des US-Pharmaunternehmens Relypsa denkbar sei, für das Vifor vor drei Jahren 1,5 Mrd. $ bezahlt hatte, sagte Jornod damals: «Wir planen im Moment keine Akquisition im Umfang von Relypsa. Wir werden keine Akquisition angehen, die unsere Gewinne verwässern würde (...) Immer möglich ist eine Akquisition, die unseren Gewinn nicht verwässert und die uns attraktive Synergien mit unserer Verkaufsmannschaft in den USA bietet. Das Problem ist, dass es kaum vernünftig bewertete Übernahmeobjekte gibt. Wenn wir eines finden, dann schlagen wir zu.»

Die Aktien haben weiterhin Potenzial

Akquisitionen und Einlizenzierungen sind fester Teil der Geschäftsstrategie von Vifor Pharma. Mit dem Kauf von Relypsa hat das Unternehmen im Jahr 2016 das Medikament Veltassa erlangt, ein Präparat zur Behandlung von Patienten, die zu viel Kalium im Blut haben und an Nierenkrankheiten und Herzinsuffizienz leiden.

Für den Vertrieb von Veltassa in den USA hat Vifor Pharma eine Verkaufsmannschaft von rund 200 Personen aufgebaut, die sich spezifisch an Nieren- und Herzspezialisten richtet. Diese Organisation könnte genutzt werden, um weitere Medikamente im Therapiegebiet der Nephrologie und Kardiologie zu vertreiben. Ein Zukauf in diesem Bereich könnte Synergien im Verkauf bieten.

Mich würde also nicht erstaunen, wenn von Vifor Pharma noch vor Ende Jahr eine grössere oder mehrere kleinere Akquisitionen bekanntgeben wird.

Als Investor unterstütze ich grundsätzlich die Wachstumsstrategie von Jornod und seinem Team, mit einer wichtigen Bedingung: Er muss sein Versprechen halten, dass er keine Transaktion gutheisst, die den Gewinn des Unternehmens verwässern würde.

Seit der Publikation des Interviews mit Jornod im Juli hat der Aktienkurs von Vifor Pharma gut 11% gewonnen. Die längerfristigen Wachstumsaussichten sind intakt, die Titel haben weiterhin Potenzial.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli