Mister Market

Roche wird weiter zukaufen

Der Pharmakonzern hat kaum mehr Schulden. Ohne weitere Akquisitionen dürfte er Ende 2020 netto Cash halten. Auch nach dem Kursanstieg der letzten Monate ist die Aktie attraktiv.

Michael Griesdorf

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Letzte Woche hat Roche die Zahlen für 2019 präsentiert. Ich kann es nicht anders sagen: Sie waren hervorragend. Der Umsatz stieg währungsbereinigt 9% auf 61,5 Mrd. Fr. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn auf Stufe Ebit legte 11% auf 22,5 Mrd. Fr. zu. Dies im Vergleich zu einem Pharma-Markt, der letztes Jahr nicht mehr als 2 bis 4% gewachsen sein dürfte.

Aufgefallen ist mir, dass Roche mittlerweile fast keine Nettoschulden mehr hat. Ende letzten Jahres waren es noch 2,5 Mrd. Fr. gewesen. Roche selbst gab sich einst das Ziel, die Nettoschulden in einem Korridor von 0 bis 15% der Bilanzsumme zu halten. Der Cashflow nach Dividenden und vor Akquisitionen betrug letztes Jahr rund 6 Mrd. Fr.

Unter der Annahme, dass Roche in diesem Jahr vor Akquisitionen ähnlich viel Bares löst, würde sie Ende dieses Jahres somit komplett schuldenfrei dastehen. Wie ich gehört habe, ist es aber gar nicht im Sinn von Roche, einen Nettobarmittelbestand aufzubauen.

Das heisst, die Basler müssen das Geld anderweitig ausgeben, was ohne satte Dividendenerhöhung fast nur über Akquisitionen möglich ist. Man darf also gespannt sein, mit welchen Transaktionen der Konzern in diesem Jahr aufwarten wird. 2019 hatte Roche für 4,3 Mrd. Fr. den US-Gentech-Spezialisten Spark Therapeutics gekauft.

Ertragsbasis wird immer breiter abgestützt

Für mich sind Roche trotz des kräftigen Kursanstiegs der letzten Monate ein Kauf. Der Konzern hat eindrücklich dargelegt, warum er in der Lage ist, den Umsatz auch in den nächsten Jahren zu steigern, trotz heftiger Konkurrenz von Nachahmer-Medikamenten.

Roche: Starker Kursanstieg in den letzten Monaten

Die jüngeren, bereits zugelassenen Medikamente sowie die Pipeline bieten klar mehr Potenzial, als durch die Nachahmer-Konkurrenz an Umsatz wegzufallen droht. Unterstützung bietet die Diagnostik-Sparte, die dank mehr als 100'000 installierten Diagnostik-Grossgeräten auf eine treue Abnehmerschaft ihrer Tests zählen kann.

Überdies ist der Erlös mittlerweile besser abgestützt: Die Bedeutung von Krebsmedikamenten im Konzern bleibt zwar gross, nimmt jedoch ab. Wirkstoffe gegen neurologische Leiden oder Blutkrankheiten wie Hämophilie gewinnen an Bedeutung.

Letztlich kommen die Forschungs- und Entwicklungserfolge heute auch nicht mehr nur aus den USA. Auch der Standort Schweiz und die Tochter Chugai aus Japan tragen stark dazu bei. Konkurrenz belebt das Geschäft – das gilt in diesem Fall auch innerhalb des Konzerns – und sie fördert den langfristigen Erfolg der Pipeline.

Akquisitionen würden somit klar aus einer Position der Stärke gemacht und zusätzlich zur Vergrösserung des bereits bestehenden Potenzials beitragen.

Aus Bewertungssicht sind die Aktien von Roche nicht zu teuer. Basierend auf dem geschätzten Gewinn für 2020 notieren sie zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16. Das Verhältnis von Unternehmenswert zu Ebitda liegt bei 12. Das KGV und das Verhältnis von Unternehmenswert zu Ebitda des Vergleichsindex MSCI World Pharma Biotech & Life Sciences liegen bei 17 resp. 13. Die Dividendenrendite von Roche beträgt 2,8%.

Kurzum: Roche sind für mich weiterhin erste Wahl.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market

Michael Griesdorf