Mr Market

Rückschlag für Zur Rose

Es kommen Unsicherheiten und zum Teil widersprüchliche Informationen um die Einführung des E-Rezepts in Deutschland auf. Das drückt den Aktienkurs der Schweizer Versandapotheke bis Handelsschluss um 7%.

Ruedi Keller
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Geschätzte Leserin, geschätzte Leser

Die bundesweite Einführung des in Deutschland geplanten E-Rezepts könnte sich verzögern. Dies schreibt zumindest das Branchenmagazin Apotheke Adhoc.

Was eine Randnotiz sein könnte, trifft die Schweizer Versandapotheke Zur Rose in einem Kernpunkt ihrer Wachstumsstrategie.

Das Management hat beim letzten Geschäftsabschluss angekündigt, den Umsatz in den nächsten drei Jahren auf 4 Mrd. Fr. steigern zu wollen. 2020 lagen die Einnahmen bei 1,75 Mrd. Fr.

Die Hoffnung auf Wachstum basiert auf der Annahme, dass Online-Apotheken laut Zur Rose in drei bis fünf Jahren im Markt für verschreibungspflichtige Medikamente einen Marktanteil von rund 10% erreichen würden. Heute sind es etwa 1,4%.

Zentraler Wachstumstreiber

Ein Haupttreiber der Zuversicht des Managements ist die Aussicht, dass Ärzte in Deutschland ab Anfang 2022 gesetzlich verpflichtet würden, E-Rezepte auszustellen. Mit der Einführung des elektronischen Rezepts, müssten Papierrezepte für den Online-Kauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten damit nicht mehr per Post eingesendet werden. Geplant war der Start der bundesweiten Einführung diesen Juli.

Nun schreibt Apotheke Adhoc jedoch, dass die geplante Testphase auf einen Bruchteil der Bevölkerung eingeschränkt worden sei. Statt in ganz Deutschland mit 82 Mio. Einwohnern würde jetzt ein Modellversuch in der Region Berlin-Brandenburg gestartet, wo nur 6 Mio. Menschen leben.

Derzeit sei nach wie vor rund ein Viertel der Apotheken noch nicht an das Netz angeschlossen, über welches das System laufen soll. Zudem würde sich in der Ärzteschaft Widerstand formieren. Denn diese erachte den Aufwand, jedes Rezept mit einer «Qualifizierten Elektronischen Unterschrift» (QES) zu signieren, gemäss dem Branchenmagazin angesichts der hohen Volumen in diesem Massengeschäft als zu gross.

Die technischen sowie organisatorischen Hürden zur Einführung des E-Rezepts wären damit grösser als angenommen.

In einem am späten Nachmittag veröffentlichten Bericht von «Pharmazeutische Zeitung» erklärte Gematik-Geschäftsführer Markus Leyck-Dieken allerdings: «Meldungen, nach denen sich die Einführung des E-Rezeptes verzögert, sind falsch. Richtig ist, dass wir das E-Rezept ab dem 1. Juli zunächst in der Region Berlin-Brandenburg testen werden.» Im vierten Quartal soll der der Test gemäss Leyck-Dieken jedoch auf alle Bundesländer ausgeweitet werden, um ab dem 1. Januar 2022 das E-Rezept – wie gesetzlich vorgegeben – bundesweit zur Anwendung zu bringen. Gematik ist die vom Bundesgesundheitsministerium kontrollierte Gesellschaft, die an der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens arbeitet.

Ob und wie gross eine allfällige Verzögerung bei der Einführung des E-Rezepts tatsächlich sein wird und was sie für das von Zur Rose in ihrem wichtigsten Absatzmarkt angestrebte Wachstum bedeutet, lässt sich derzeit kaum abschätzen.

Nachdem die Aktie dieses Jahr von einem Höchststand von 509 Fr. bereits auf 350 Fr. zurückgekommen war, hat sie nach der heutigen Meldung zunächst weitere 7% auf 322 Fr. eingebüsst.

Freundlich grüsst im Namen von Mr Market

Ruedi Keller