Mister Market

Schlechte Nachrichten belasten Zur Rose

Die Versandapotheken-Gruppe kämpft in Deutschland mit Gegenwind; der Aktienkurs ist seit Anfang Juli um gut 10% eingebrochen. Das eröffnet eine attraktive Kaufchance.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Zur Rose steht im Gegenwind. Gestern Mittwoch liefen gleich zwei schlechte Nachrichten für die Versandapotheke über den Ticker:

  • Das Bundeskabinett in Berlin hat dem «Apothekenstärkungsgesetz» zugestimmt, das es ausländischen Versandapotheken verbieten soll, in Deutschland Rabatte zu gewähren.
  • Zudem hat das Landgericht Düsseldorf eine Schadenersatzklage über 14 Mio. € von Zur Rose gegen die Apothekenkammer Nordrhein abgewiesen.

Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Markt für Zur Rose: Mit ihrer Tochter DocMorris erwirtschaftete die Gruppe im vergangenen Jahr dort etwas mehr als die Hälfte ihres Umsatzes. Der Aktienkurs reagierte entsprechend: Am Donnerstagmorgen handeln die Titel um 91 Fr. Im Vergleich zum Niveau von Anfang Juli haben die Aktien knapp 11% verloren und sind auf den niedrigsten Stand seit Ende April gefallen.

Zur Rose unter Abgabedruck

Zur Rose Na., in Fr., von Juli 2018 bis Juli 2019

Das freut die Leerverkäufer, denn Zur Rose zählt seit Monaten zu den beliebtesten Aktien unter Hedge Funds, die mit «Short»-Positionen auf weitere Kursverluste setzen.

Wie sind die Nachrichten einzuschätzen?

Die Bedeutung des Landgerichtsentscheides in Düsseldorf ist gering. Zur Rose klagte gegen eine einstweilige Verfügung der Apothekenkammer, die es DocMorris verbot, Werbung zu machen. Mit einem Sieg für Zur Rose war kaum zu rechnen; der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig und kann weitergezogen werden. «Wir warten jetzt die schriftliche Urteilsbegründung des Landgerichts ab und entscheiden dann, wie und in welcher Form wir weitere juristische Schritte in diesem Verfahren unternehmen», lässt dazu Zur Rose verlauten.

Wichtiger ist der Entscheid des Bundeskabinetts zum Apothekenstärkungsgesetz. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Vorlage eingebracht hatte, benutzte reichlich Pathos, um das offensichtlich marktverzerrende Schutzgesetz für die heimischen Apotheken zu rechtfertigen: «Als jemand, der selbst aus einem kleinen Dorf im Münsterland kommt, weiss ich, wie wichtig der Arzt und der Apotheker vor Ort für die Versorgung in der Fläche für die Bürgerinnen und Bürger sind. Die Apotheke ist ein gutes Stück Heimat», sagte er vor den Medien.

Damit ist das Apothekenstärkungsgesetz allerdings noch längst nicht Tatsache. In einem nächsten Schritt wird die Bundesregierung mit der EU-Kommission über die Vorlage beraten. Erst wenn die Kommission grünes Licht geben sollte, würde das Gesetz zuerst in den Bundesrat und dann in den Bundestag zur Vernehmlassung gehen.

Die Krux dabei: Das von Spahn eingebrachte Gesetz mit dem kompletten Rabattverbot verstösst gegen einen Entscheid des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) aus dem Jahr 2016, der es ausländischen Versandapotheken explizit erlaubte, Rabatte in Deutschland anzubieten. Auf diesen Entscheid beruft sich DocMorris, die aus einem Verteilzentrum in den Niederlanden den deutschen Markt beliefert.

Es besteht daher eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die EU-Kommission das Gesetz in dieser Form nicht gutheissen wird, weil es den Markt verzerrt und im Widerspruch zum Entscheid des EuGH steht. Eher wahrscheinlich ist aus heutiger Perspektive eine Kompromisslösung, die den Rabatt auf 2.50 € pro Sendung limitiert – eine Einschränkung, mit der DocMorris wohl gut leben könnte.

Denkbar ist auch, dass Jens Spahn seinen Gesetzesvorschlag mit Absicht so radikal formuliert hat, im Wissen, dass er von der EU-Kommission ausgebremst wird. Dann kann er gegenüber der mächtigen deutschen Apothekerlobby argumentieren, dass er alles versucht hat. Mit dem elektronischen Rezept (e-Rezept), das Spahn im Juni im Rahmen des «Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung» gegen den Willen der Lobby durch beide Parlamentskammern gebracht hat, hat der Gesundheitsminister durchaus gezeigt, dass er bereit ist, den geschützten Apothekenmarkt aufzubrechen.

Alles in allem bin ich daher der Meinung, dass die Reaktion der Börse auf die Nachrichten aus Deutschland zu harsch war. Auf dem aktuellen Niveau bietet sich für risikofähige Investoren eine attraktive Kaufgelegenheit in Zur Rose.

Freundlich grüsst in Namen von Mister Market,

Mark Dittli