Mister Market

Schmolz + Bickenbach – Quo vadis?

Der Stahlhersteller plant eine Kapitalerhöhung. Zu fragen ist, ob das zur Rettung reicht und warum sich ein Hauptaktionär so grosszügig zeigt.

Andreas Kälin

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Die Nachricht überrascht nicht – und irgendwie doch. Der tief in der Krise steckende Spezialstahlhersteller Schmolz + Bickenbach plant eine Kapitalerhöhung, die einen Umfang bis zu 350 Mio. Fr. erreichen soll.

Die heutigen Gewinner der Absichtserklärung sind die Anleihenseigner. Der Kurs der im Juli 2022 auslaufenden Papiere ist von knapp 68 auf über 85 gestiegen. Der Aktienkurs ist dagegen weiter gesunken, um 16% auf 0.20 Fr.

Börsenwert unter 200 Mio. Fr.

Der Börsenwert von Schmolz + Bickenbach macht nun noch 191 Mio. Fr. aus – und ist damit viel tiefer als der von der Konzernführung angestrebte Umfang der Kapitalerhöhung.

Dennoch bleibt die Frage, ob mit der geplanten Transaktion Schmolz + Bickenbach zu retten ist. Die Kapitalerhöhung reicht, selbst wenn der Höchstbetrag von 350 Mio. Fr. erreicht wird, bei Weitem nicht aus, um die Schulden zu decken.

Dritte Gewinnwarnung 

Per Mitte Jahr hatte der Stahlhersteller eine Nettoverschuldung von 709 Mio. € oder umgerechnet über 770 Mio. Fr. Zum Vergleich: Im besten der letzten fünf Jahre erzielte er einen bereinigten Ebitda von 257 Mio. €.

Aber die Zeiten sind inzwischen alles andere als gut. Die Stahlindustrie insgesamt steckt tief in der Krise. Schmolz + Bickenbach erwartet nach der heutigen Gewinnwarnung – der dritten in wenigen Monaten – für das laufende Jahr noch einen bereinigten Ebitda von weniger als 70 Mio. €.

Reicht Kapitalerhöhung?

Meine Überschlagsrechnung: Selbst wenn die Mittel aus der avisierten Kapitalerhöhung voll zur Schuldentilgung eingesetzt werden, machen die Nettoschulden Ende Jahr geschätzt immer noch weit mehr als das 5-Fache des aktuellen bereinigten Ebitda aus – was zu hoch ist.

Angesichts der Diskussionen um einen globalen Wirtschaftsabschwung ist zudem nicht zu erwarten, dass sich die operative Situation von Schmolz + Bickenbach nächstes Jahr bessern wird.

Grosszügiger Grossaktionär

Darum wundere ich mich, warum sich der nach der Liwet Holding zweitgrösste Aktionär von S+B so grosszügig zeigt. Martin Haefner, der aktuell 17,5% am Unternehmen hält, will über seine Gesellschaft BigPoint an der Kapitalerhöhung mit bis zu 325 Mio. Fr. mitmachen.

Allerdings stellt Haefner Bedingungen. Eine davon ist «eine ausreichende Sicherheit für die Fremdfinanzierung». Das bedeutet, dass auch die kreditgebenden Banken Schmolz + Bickenbach entgegenkommen müssen.

Banken müssen mithelfen

Bezüglich der Fremdfinanzierung hat sich S+B mit den Konsortialbanken jetzt darauf geeinigt, die vertraglich vereinbarten Kreditbedingungen (Covenants) für das dritte und vierte Quartal auszusetzen. Es laufen Verhandlungen, um «eine langfristige Finanzierung der Gruppe abzusichern».

Meine Meinung: Schmolz + Bickenbach ist mit der heute angekündigten Sanierungsmassnahme allein noch nicht gerettet.

Sofern die angekündigte Kapitalerhöhung an der ausserordentlichen Generalversammlung am 2. Dezember durchgewinkt wird, erhalten die Aktionäre Bezugsrechte, die allerdings nicht handelbar und nicht übertragbar sind. Ehrlich gesagt, ich würde mein gutes Geld schlechtem nicht hinterherwerfen.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Andreas Kälin