Mr Market

SoftwareOne: Der Aufschwung ist abgesagt

Das Management enttäuscht die Investoren wiederholt mit einer klaren Zielverfehlung. Das Vertrauen in das Unternehmen nimmt weiteren Schaden und die Aktie bricht erneut ein.

Ruedi Keller
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Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Das Jahresergebnis von SoftwareOne enttäuscht und der Kurs knickt fast 20% ein. Erneut! – muss man feststellen: Bereits vor einem Jahr hatte die Vorlage des Jahresergebnisses den Kurs um rund 20% einbrechen lassen – damals allerdings noch von einem Niveau von 30 Fr. aus.

Der Grund für die Börsenreaktion ist derselbe: Im Vorjahr hatte das Management um CEO Dieter Schlosser noch bis kurz vor der Jahrespräsentation ein starkes zweites Halbjahr in Aussicht gestellt. Faktisch lag die Ebitda-Marge dann jedoch 4 Prozentpunkte unter dem zur Jahresmitte erreichten Wert von 33%.

Die Ansage vom Börsengang, die Marge mittelfristig auf 35% zu steigern, war Makulatur. Neu galt das Ziel, 2021 eine Marge von 30% zu erreichen. Dieses Ziel wurde das ganze Jahr aufrechterhalten und zuletzt am Kapitalmarkttag Ende Oktober nochmals bestätigt.

Heute ist allerdings klar: Die bereinigte Ebitda-Marge für 2021 liegt bei 25,7% – klar unter der Ansage des Managements und unter der vom Unternehmen selbst erhobenen Konsenserwartung der Analysten, die einen Wert von 28,8% erwartet hatten.

Ziel verfehlt und erneut gesenkt

Hinfällig ist auch die Aussicht auf eine Margenerholung. Neu wird für das nun laufende Jahr eine bereinigte Ebitda-Marge von mehr als 25% versprochen. Dasselbe Ziel gilt nun auch mittelfristig.

Die Erklärung von CEO Schlosser dazu lautet: «Während wir uns bewusst sind, dass die Margen unterhalb der Erwartungen liegen, vertrauen wir darauf, dass unsere strategischen Investitionen unser starkes Wachstum untermauern und den langfristigen Aktionärswert unterstützen.»

Diese Aussage zeugt meiner Meinung nach von einer Geringschätzung gegenüber den Investoren: Das Management hat offensichtlich nur Wachstum und Grösse im Blick. Die Eigner der Aktien warten jedoch sehnlichst darauf, dass das bisher rasante Wachstum von SoftwareOne sich endlich auch in einem ihnen zurechenbaren Gewinn niederschlägt.

Das war auch 2021 nicht der Fall: Der Bruttogewinn – er entspricht in der Erfolgsrechnung von SoftwareOne dem Umsatz abzüglich der Kosten für die ein- und dann wiederverkaufte Software – stieg im Jahresvergleich um 17,6% auf 855 Mio. Fr. und hatte sich im zweiten Halbjahr gar auf ein Wachstum von 23% beschleunigt.

Noch rascher stieg allerdings mit einem Plus um 25,8% der bereinigte Aufwand, so dass ein bereinigter Gewinn von 110 Mio. Fr. resultierte, der 12,5% unter dem Vorjahr liegt – obwohl die Bereinigungen sich von im Vorjahr 35 Mio. Fr. auf 59 Mio. Fr. ausgeweitet haben. Gemäss Rechnungslegungsstandard von IFRS betrug der Gewinnrückgang gar 32%.

Profitabilität enttäuscht erneut

Ausser beim Bruttogewinn, der leicht über den Erwartungen abschnitt, hat das Unternehmen bei allen Profitabilitätszahlen die Konsensschätzungen verfehlt. Das zeigt, wie schlecht offenbar das Management die Analysten auf die vom Unternehmen eingeschlagene Richtung vorbereitet hat.

Angekündigt wird die forcierte Investitionsstrategie in der heutigen Mitteilung von Rodolfo Savitzky, der seit Jahresbeginn neuer Finanzchef von SoftwareOne ist: «Mit Blick auf die Zukunft ist unsere klare Priorität weiterhin in Wachstum zu investieren und diese Investitionen durch die Nutzung von Grössenvorteilen und Produktivität zu finanzieren.» Wobei das eben den bereits erwähnten Nebeneffekt einer tieferen Marge hat: «Für 2022 und mittelfristig verpflichten wir uns zu einer bereinigten Ebitda-Marge über 25%.»

Selbst wer der rasanten Wachstumsstrategie, die überraschend erneut verlängert wurde, etwas Positives abgewinnen will, dürfte ernüchtert sein, wenn er den Blick auf eine weitere Bereinigung der ohnehin bereits bereinigt ausgewiesenen Ebitda-Marge lenkt:

Das Unternehmen erklärt zwar, dass Investitionen und strategische Übernahmen 2021 für das Absinken der Marge verantwortlich seien. Gleichzeitig zeigt sich jedoch: Auch unter Ausklammerung der erneuten Zukäufe wäre die Marge lediglich ein Prozentpunkt höher ausgefallen.

Sie liegt in jedem Fall sowohl deutlich unter Vorjahr als auch unter dem Plan des Managements. Die Probleme scheinen damit tiefer zu liegen. Sie lassen sich nicht nur mit Wachstumsinitiativen begründen, durch die künftig alles besser werden soll.

Vertrauen dahin

Wenig beruhigend wirkt in diesem Zusammenhang, dass kurz vor Jahresende noch ein Programm namens «Transformance» eingeleitet wurde, mit dem die «operative und professionelle Exzellenz» sichergestellt werden soll. Bislang hat das Programm gemäss Unternehmensangaben bei «minimalen positiven Auswirkungen» Kosten von 9,3 Mio. Fr. verursacht.

Angesichts dieser schwer durchschaubaren Ausgangslage und einer Kommunikation des Managements, die die Investoren immer wieder neu auf dem falschen Fuss erwischt, ist nicht zu sehen, wie sie neues Vertrauen in das Unternehmen aufbauen können. Vertrauen darauf, dass das Management sie verlässlich informiert, wohin die Reise geht, und allen Anteilseignern aufzeigt, wie dies künftig ihren Anteil am Gewinn beeinflussen wird.

Solange das Unternehmen das Vertrauensproblem nicht löst, ist nicht zu sehen, wie sich der Aktienkurs nachhaltig erholen soll.

Freundlich grüsst im Namen von Mr Market

Ruedi Keller