Mister Market

Valora-Rücksetzer bietet Einstiegsgelegenheit

Seit dem Investorentag haben die Aktien des Detailhändlers verloren. Zu Unrecht.

Andreas Kälin

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Hat der Detailhändler und Laugengebäckhersteller Valora am Investorentag vor exakt einer Woche mehr gute oder mehr schlechte Nachrichten geliefert? Die Meinung der Börsenteilnehmer scheint klar zu sein: Die Aktien sind seither fast 4% gesunken, während der breite Markt mehr als 1% zugelegt hat.

Ein Paradoxon

Meine Meinung ist viel positiver. Es stimmt, das Management hat die Prognose für den Betriebsgewinn 2019 um gut 10% reduziert – aber das ist eine paradoxe Folge davon, dass die SBB-Ausschreibung für Verkaufsflächen an Bahnhöfen für Valora überraschend erfolgreich verlaufen ist.

Das Unternehmen muss nun in die Modernisierung und die Renovation der Verkaufsflächen investieren. Das kostet, und es löst bereits 2019 Wertberichtigungen und Abschreibungen aus. Auch 2020 wird ein Übergangsjahr sein. Ab 2021 erwartet das Management aber eine deutliche Steigerung des Gewinns.

Gute Gründe

Ich halte mich in meiner Argumentation kurz:

Starke Führung: Häufig stehe ich Mittelfristplänen und -zielen skeptisch gegenüber und sehe zu viel Optimismus. Die Gruppenführung mit CEO Michael Mueller und Finanzchef Tobias Knechtle hat sich in den zurückliegenden Jahren indessen viel Vertrauen erworben und ihre Ziele erfüllt. Die Führung ist ein Pluspunkt.

Gute Cashflow-Generierung:  Nächstes Jahr wird der freie Cashflow der Gruppe infolge der höheren Investitionen tiefer ausfallen als die Dividendensumme. Das ist kein Grund zur Beunruhigung. Finanzchef Knechtle hat die Lage im Griff. In den fünf Jahren von 2014 bis 2018 hat Valora im Schnitt rund zwei Drittel des freien Cashflows ausgeschüttet. Künftig wird das Verhältnis wieder ähnlich vernünftig sein.

Nachhaltige Dividende: Die Dividende halte ich für gesichert. Valora hat nun sieben Mal hintereinander 12.50 Fr. je Aktie ausgeschüttet. Das wird auch die nächsten beiden Male so sein. Eine Erhöhung der Dividende wird nach Unternehmensangabe frühestens im Hinblick auf die Generalversammlung 2022 diskutiert, sie gälte dann für das Geschäftsjahr 2021.

Defensiver Charakter: Valora wirbt für ihr Geschäftsmodell auch mit der Aussage, dass es nur in geringem Ausmass den wirtschaftlichen Zyklen ausgesetzt sei und eine hohe Berechenbarkeit biete. Das kann ich gut nachvollziehen, auch wegen der tiefen Beträge, die Valoras Kunden durchschnittlich pro Einkauf ausgeben. Wer verzichtet bei einem Wirtschaftsabschwung schon auf einen Kaffee oder einen Snack?

Hohe Rendite

Derzeit bieten die Valora-Titel eine Dividendenrendite von 4,9% – damit gehören sie im Universum des Swiss Performance Index zu den hervorragenden Dividendenwerten. Vor allem dann, wenn man das Kriterium der Nachhaltigkeit oder Dividendensicherheit berücksichtigt.

Dazu halte ich den Kurs für recht gut nach unten abgesichert, auch wenn vorübergehende Schwankungen immer möglich sind. Zum einen hat die Gruppe, für die der Food-Bereich immer wichtiger wird, ein defensives Profil. Zum anderen gibt es für den Anleger noch eine Art Put-Option.

Die Option

Valora hat im April in der SBB-Ausschreibung sämtliche 262 Kiosk- und Convenience-Flächen gewonnen. Beworben dafür hat sich auch Coop. Immer wieder gibt es Spekulationen, der Gross- und Detailhändler interessiere sich für die Valora-Gruppe. Nach dem Verlauf der SBB-Ausschreibung müsste das Interesse noch gestiegen sein. Es ist alles andere als abwegig, dass Coop einmal ein Übernahmeangebot für Valora unterbreiten wird – oder der andere Schweizer Detailhandelsriese, die Migros, die sich über die Tochter Migrolino ebenfalls an der Ausschreibung beteiligte.

All das sind mehr als genug Gründe für mich, um die Valora-Aktien – in einem zunehmend unsicheren Wirtschafts- und Börsenumfeld – zu empfehlen.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Andreas Kälin