Mister Market

Wie Sunrise den UPC-Deal doch noch zu einem guten Ende bringen kann

Der Plan zur Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC ist nicht tot. Sunrise hat jetzt die Chance, deutlich bessere Bedingungen zu verhandeln.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Es ist eine Niederlage auf der ganzen Linie: Sunrise sagt die für morgen Mittwoch angesetzte ausserordentliche Generalversammlung ab. Die Führung des Telecomkonzerns um Verwaltungsratspräsident Peter Kurer und CEO Olaf Swantee musste einsehen, dass eine Mehrheit der Aktionäre die Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme von UPC Schweiz abgelehnt hätte.

Die a.o. GV wurde im Einvernehmen mit der Verkäuferin von UPC, der amerikanischen Liberty Global, abgesagt. Sunrise weist darauf hin, dass der Kaufvertrag für UPC noch bis zum 27. Februar 2020 in Kraft bleibt, solange keine der Parteien den Vertrag kündigt.

Damit gestehen Kurer und Swantee – reichlich spät – ein, was seit Wochen immer deutlicher wurde: Die Sunrise-Aktionäre sind mit dem vorgeschlagenen Deal nicht einverstanden. Die industrielle Logik war nicht klar, und vor allem: Sunrise hätte mit 6,3 Mrd. Fr. einen viel zu hohen Preis für den Kabelnetzbetreiber UPC bezahlt.

Die Tage von Peter Kurer sind gezählt

Bereits Mitte September berichtete The Market von der Redaktion namentlich bekannten Aktionären, die zusammen 34% der Sunrise-Aktien besitzen und die ihre Opposition gegen die Transaktion angekündigt hatten. Wortführer des Widerstands war Christoph Vilanek, CEO der deutschen Freenet, die 24,5% der Sunrise-Aktien hält. Auch für Vilanek war der vereinbarte, «viel zu hohe» Preis für UPC ein Dorn im Auge.

Das Sunrise-Management beteuerte zwar wiederholt, man erhalte von den Aktionären sehr viel Unterstützung. Bezeichnenderweise ist es Kurer und Swantee aber nicht gelungen, abgesehen vom Canada Pension Plan Investment Board auch nur einen einzigen Aktionär zu präsentieren, der den UPC-Kauf öffentlich unterstützt hätte.

Den letzten Nagel in den Sarg des Deals schlug der Stimmrechtsberater ISS am 9. Oktober mit seiner Empfehlung, gegen die Kapitalerhöhung und damit gegen die Transaktion zu stimmen.

Wie geht es jetzt weiter?

Zunächst kann festgestellt werden, dass das Schlamassel primär von VR-Präsident Peter Kurer – und nicht vom operativen Management unter Olaf Swantee – angerichtet wurde. Kurer trägt die Verantwortung für einen schlecht verhandelten Deal, und er besass die Hybris, die Transaktion gegen den Widerstand des Hauptaktionärs Freenet durchsetzen zu wollen.

Dass Kurer die beiden Freenet-Vertreter im Verwaltungsrat im Sommer kurzerhand kaltstellte, hat ebenfalls viel Vertrauen zerstört.

Die Tage Kurers an der Spitze des Sunrise-Verwaltungsrats sind daher gezählt. Meiner Meinung nach darf er an der nächsten ordentlichen Generalversammlung im Frühjahr 2020 nicht mehr zur Wiederwahl stehen. Damit übernimmt er die Verantwortung und ermöglicht dem Management unter CEO Swantee einen sauberen Neustart.

Neuverhandlung mit Liberty

Heisst das nun, der Kauf von UPC ist definitiv begraben?

Nein.

Kurer hat jetzt nämlich die Gelegenheit, die Sache doch noch zu einem guten Abschluss zu bringen. Liberty Global ist in der Defensive. Der Kabelnetzgigant von John Malone will UPC verkaufen, doch abgesehen von Sunrise ist kein logischer Käufer in Sicht: Swisscom kann nicht, und der Eigentümer von Salt, der Franzose Xavier Niel, ist finanziell viel zu klamm, um eine derartige Transaktion zu stemmen.

Diese Ausgangslage kann Sunrise nutzen, um den Deal grundlegend neu zu verhandeln. Das bedeutet, erstens, ein tieferer Kaufpreis: Statt 6,3 Mrd. sind maximal 4,5 Mrd. Fr. für UPC angebracht. Und zweitens darf die Übernahme nicht wie bisher geplant in bar bezahlt werden, sondern sollte in Form von Aktien vollzogen werden.

Ein «share deal» und ein deutlich geringerer Kaufpreis für UPC: Das ist das Verhandlungsziel, das sich Peter Kurer und sein Team für die Gespräche mit Liberty Global jetzt setzen müssen. Sie haben knapp vier Monate Zeit dafür. Danach kann Kurer einigermassen ehrenhaft abtreten.

Für Investoren hat es sich in den vergangenen Monaten gelohnt, auf ein Scheitern der UPC-Übernahme zu setzen: Seit Anfang Juni hat der Aktienkurs mehr als 12% gewonnen.

Es lohnt sich auch jetzt, dabei zu bleiben. Sollte es der Sunrise-Führung tatsächlich gelingen, für den Kauf von UPC einen «share deal» zu 4 bis 4,5 Mrd. Fr. mit Liberty Global zu verhandeln, dürfte der Sunrise-Aktienkurs auf über 100 Fr. steigen. Und sollte die Verhandlung scheitern, bleibt die «alte» Sunrise mit einer starken Stellung im schweizerischen Mobilfunkmarkt und einer attraktiven Dividendenrendite von mehr als 5%.

Kurzum: Kaufen.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli