Auf dem Radar

Die Bewertung von Aktienindizes, die inverse Zinskurve, Primark und Studentenschulden 

The Market präsentiert eine Auswahl an Texten, die uns in dieser Woche aufgefallen sind - und gefallen haben.

Sandro Rosa

Diese Woche bin ich auf einen interessanten Artikel gestossen, der analysiert, welche Bewertungskriterien bei der Auswahl von ETF auf Aktienindizes den grössten Erfolg versprechen. Interessanterweise schwingt das Bewertungsmass EV zu Ebitda obenaus, das bereits vor einer Woche an dieser Stelle beleuchtet wurde. 

Ein schönes Portrait der irischen Kleiderkette Primark, die Erklärung der Inversion der Zinskurve anhand der Meisterschaft der National Football League und ein Bericht über die amerikanischen Studentenschulden fand ich ebenfalls lesenswert. 

1. Bewertungskriterien für die Auswahl von Länderindizes

Noch nie war es für Anleger einfacher und günstiger, ein breit diversifiziertes Aktienportfolio zusammenstellen – Exchange Traded Funds (ETF) sei Dank. Mit nur einem Klick lassen sich zum Beispiel alle Titel des Swiss Market Index oder des Dax kaufen.

Doch nach welchen Kriterien soll man Länder-ETF auswählen? Bei Einzelaktien haben sich Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn- (KGV) oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) etabliert. Funktionieren solche Kennzahlen auch auf Indexebene? Und falls ja, welches ist das beste Auswahlkriterium?

Diesen Fragen gehen die beiden Akademiker Adam Zaremba and Jan Jakub Szczygielski in ihrem soeben im «Journal of Portfolio Management» erschienen Aufsatz «And the Winner Is… A Comparison of Valuation Measures for Equity Country Allocation» nach.

Sie untersuchen Aktienindizes (vom Datenanbieter MSCI) von insgesamt 73 Ländern in den Jahren 1996 bis 2017 und vergleichen 14 verschiedene Bewertungsmasse, darunter das KGV, das KBV, die Dividendenrendite oder der Unternehmenswert zum Ebitda (EV/Ebitda). Das Ziel: Die Bewertungsgrösse zu finden, mit der sich die höchste künftige Performance erzielen lässt.

Und das Resultat?

Die Autoren kommen zum Schluss, dass sich mit der Auswahl auf Basis EV/Ebitda klar die besten Resultate erzielen liessen. Wer in die nach EV/Ebitda günstigsten Länder investiert und gleichzeitig die Länder mit den höchsten EV/Ebitda verkauft hätte, hätte eine doppelt so hohe Rendite (0,69% pro Monat) erzielt wie mit dem nächstbesten Ansatz. Bei dieser Analyse wurden auch anfallende Transaktionskosten berücksichtigt.

Ihre Plausibilitätschecks trüben jedoch die Freude über das gefundene Resultat etwas: So bemerken Szczygielski und Zaremba, dass die erfreuliche Performance primär dank der ausgewählten Schwellenländer zustande gekommen ist. Wer also ausschliesslich in Industrieländer investiert, etwa weil er Emerging Markets als zu riskant erachtet, hätte keine solch hohen Renditen erreicht.

Der zweite Wermutstropfen: Die bewertungsbasierte Strategie hat vornehmlich in der ersten Hälfte des Untersuchungszeitraums funktioniert – in den vergangenen zehn Jahren hat sie nicht mehr überzeugt. Diese Einschränkungen lassen an der Verlässlichkeit der Strategie zweifeln, wie die Autoren bemerken.

2. Primark, eine irische Erfolgsgeschichte

Der interessierte Zeitungsleser weiss es schon seit geraumer Zeit: der Detailhandel steckt in der Krise. Der ganze Detailhandel? Nein, ein irisches Kleidergeschäft trotzt dem allgemeinen Niedergang und wächst sogar entgegen dem Branchentrend.

Primark, das vor fünfzig Jahren in Dublin unter dem Namen Penneys gegründete Unternehmen, schafft es trotz teuren Standorten in städtischen Zentren und fehlendem Online-Auftritt, konstant zu wachsen, wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt.

Primark gehört zu Associated British Foods (ABF), einem britischen Konglomerat, und ist mit 372 Filialen in zwölf Ländern präsent. In der Schweiz hat Primark (noch) keine Ableger. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte das Unternehmen 7,5 Mrd. £ (8,8 Mrd. Fr.) um – viermal mehr als vor zehn Jahren. Von einem solchen Zuwachs können die meisten Konkurrenten nur träumen. 

Wie schafft es Primark, sich dem Abwärtstrend zu widersetzen? Eine entscheidende Komponente ist der Preis: T-Shirts gibt es ab 2 £, Schuhe ab 6 £ und Jacketts ab 17 £. Zudem legt Primark grossen Wert auf modische Produkte und passt die Kollektion rascher an neue Trends an als die Konkurrenz. Das zieht besonders beim jungen Publikum. 

3. Die inverse Zinskurve einfach erklärt

Diese Woche wurde in den Vereinigten Staaten ein weiteres Rezessionssignal ausgelöst: Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen ist unter die Verzinsung von Bonds mit zweijähriger Laufzeit gefallen. Damit ist die Differenz zwischen den beiden erstmals seit 2007 wieder negativ. Übersteigen die kurzen die langen Zinsen, spricht man von einer inversen Zinskurve.

Was es mit dieser Inversion auf sich hat, ist für regelmässige Leser von The Market vielleicht klar – vielen Laien erschliesst sich die Bedeutung indes nicht unbedingt. Deshalb erklärt die «New York Times» das Phänomen anhand eines Vergleichs mit der National Football League und der Aussichten der verschiedenen Teams auf den Sieg der Meisterschaft. 

4. In der Schuldenfalle

Die Schuldenlast von amerikanischen Universitätsabgängern ist enorm – auf mittlerweile 1,6 Bio. $ belaufen sich die kumulierten Ausstände. Damit starten die jungen Menschen mit einem gewaltigen Handicap ins Berufsleben. Für viele von ihnen verunmöglicht es eine solche Hypothek, eine Familie zu gründen oder ein Haus zu kaufen.

Zudem baut diese Generation von Kreditnehmern ihre Schulden so langsam ab, dass einige von ihnen ihren Zahlungsverpflichtungen erst entkommen werden, wenn sie tot sind, schreibt «Bloomberg Businessweek» etwas dramatisch. Das Magazin zeigt auf, dass die Studienabgänger insgesamt pro Jahr lediglich 1% ihrer Schulden zurückzahlen. Bei diesem Tempo dauert es hundert Jahre – oder eben bis zum Tod –, bis der Schuldenberg abgebaut ist. 

Das Thema steht inzwischen auch bei vielen (linken) Politikern auf der Agenda – einige von ihnen fordern gar, den Studenten die Schulden zu erlassen. 

Das ist es bereits wieder von «Auf dem Radar». Fortsetzung folgt in einer Woche. Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende und verbleibe mit den besten Grüssen,

Sandro Rosa, Stv. Chefredaktor