Auf dem Radar

Passive Attack

Robin Wigglesworth beschreibt in seinem Buch den eindrücklichen Aufstieg von Indexfonds und ETF und porträtiert die wichtigsten Köpfe hinter der «passiven Revolution».

Sandro Rosa
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«Trillions: How a Band of Wall Street Renegades Invented the Index Fund and Changed Finance Forever», Robin Wigglesworth | Penguin Books | 2021 | 336 Seiten | ISBN-13: 978-0-241-42205-2

«Trillions: How a Band of Wall Street Renegades Invented the Index Fund and Changed Finance Forever»,
Robin Wigglesworth | Penguin Books | 2021 | 336 Seiten | ISBN-13: 978-0-241-42205-2

Für Privatanleger sind ETF ein Segen. Mit nur einer Transaktion lässt sich heute in alle Titel des S&P 500 oder des Swiss Performance Index investieren, können Marktteilnehmer taktische Wetten auf Rohstoffe eingehen und sogar auf fallende Aktienkurse wetten.

Was für uns heute selbstverständlich ist, brauchte Jahre, bis es möglich wurde. Viele technische und regulatorische Hürden mussten überwunden werden, bis der erste ETF vor rund dreissig Jahren lanciert werden konnte. Robin Wigglesworth, Journalist bei der «Financial Times», zeigt in seinem Buch «Trillions» schön auf, wie beschwerlich der Weg von der Idee bis zur Entstehung von Indexfonds und börsengehandelten Fonds war.

Auch Bogle war skeptisch

Hinzu kamen Widerstand und Zweifel in der Finanzbranche selber: Sogar Jack Bogle, der Pionier des passiven Anlegens und Gründer des Vermögensverwalters Vanguard, war lange skeptisch: «Why would anyone want to buy the S&P 500 at 10 o’clock in the morning and sell it at 2 o’clock in the afternoon?» entgegnete er Nate Most, Leiter der Produkteentwicklung der American Stock Exchange, als dieser gemeinsam mit Vanguard börsengehandelte Indexfonds entwickeln wollte.

Es waren vor allem weniger renommierte Finanzhäuser wie Batterymarch, American National Bank und Wells Fargo, die – zum Teil aus Notwendigkeit, zum Teil aus reinem Zufall – an vorderster Front an der Entwicklung von ETF beteiligt waren, während die ehrwürdigen Wall-Street-Häuser abseitsstanden.

Erster ETF wurde an der Börse Toronto lanciert

Während Bogle seine damalige Ablehnung bereuen sollte, freute sich die Konkurrentin State Street Global Advisors, die mit ihrem Standard & Poor’s Depositary Receipts («Spiders») 1993 den ersten ETF auf den US-Markt brachte. Geschlagen wurden sie allerdings von den Kanadiern, die bereits Anfang 1990 den weltweit ersten ETF an der Börse Toronto lancierten. Dieser beruhte jedoch massgeblich auf der Vorarbeit der Amerikaner und war ein Misserfolg.

«Trillions» – der Titel ist eine Referenz an die Billionen von Dollar, die mittlerweile mit ETF verwaltet werden – ist auch eine Geschichte der vielen Köpfe aus der Finanzbranche und den Universitäten, die hinter der Indexfonds-Revolution stecken. Wigglesworth portraitiert die zahlreichen brillanten und hartnäckigen Charaktere, die an der Entwicklung beteiligt waren. Einige davon, wie Harry Markowitz, Eugene Fama und Larry Fink, kennt der finanzaffine Leser womöglich, andere wie Pattie Dunn, James Lorie oder John McQuown dürften den wenigsten ein Begriff sein. Angesichts der vielen Protagonisten im Buch ist der Leser froh, liefert der Autor ein Personenverzeichnis mit.