Auf dem Radar

Profitable Mega Caps, Amazon, woher die Farbe des Geldes kommt – und wie man es kunstvoll wieder wäscht

The Market präsentiert eine Auswahl an Texten, die uns in dieser Woche aufgefallen sind - und gefallen haben.

Sandro Rosa

Die Schere zwischen Gross und Klein öffnet sich. Während die Small Caps stagnieren, vermochten die Mega Caps in den USA ihre Profitabilität in den vergangenen Jahren eindrücklich zu steigern. Das zeigt eine Analyse des Bostoner Value-Managers GMO.

Derweil warnt das «Wall Street Journal» vor übertriebenen Erwartungen an Amazon, ein Artikel beleuchtet die dunklen Ecken des Kunsthandels und ein weiterer Text stellt das Westschweizer Unternehmen vor, das die Farben für einen grossen Teil der Banknoten weltweit produziert. 

1. Big is beautiful

Bei den amerikanischen Unternehmen gelte «Big is Beautiful», schreibt Ben Inker, Head of Asset Allocation beim Bostoner Vermögensverwalter GMO in seinem neuen Quartalsbrief («Bigger’s Been Better»).

Denn die grössten Firmen haben in den letzten dreissig Jahren ihre Profitabilität markant gesteigert, während die kleineren sich kaum verbessern konnten. Heute sei die Gewinnmarge der 50 grössten Gesellschaften rund 60% höher als noch in den Jahren von 1986 bis 1995, schreibt Inker.

Bei den nächstgrösseren 450 Unternehmen beläuft sich die Zunahme auf nicht ganz 40%, während die folgenden 2500 Gesellschaften mit einem mageren Plus von 5% punkto Rentabilität praktisch keine Fortschritte erzielt haben (vgl. Grafik).

Quelle: GMO

Quelle: GMO

Diese Diskrepanz vermag zum Teil erklären, weshalb Corporate America in den vergangenen Jahren kaum investiert hat: die grossen, rentablen Gesellschaften seien in ihren Bereichen Quasi-Monopolisten und hätten deshalb keinen riesigen Investitionsbedarf. Und der Rest arbeite nicht profitabel genug, als dass sich eine Expansion rechtfertigen liesse.

Doch was steckt hinter dem Auseinanderdriften der Rentabilität zwischen Gross und Klein?

Ben Inker nennt zwei mögliche Gründe: Die zunehmende Marktmacht der Mega Caps sowie ein wirtschaftliches und regulatorisches Umfeld, das ihnen in die Hände spielt.

Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass dieser Trend langsam, aber sicher zu Ende sein dürfte. Diesen Schluss legen zum Beispiel die jüngsten Bestrebungen in der Politik, die Technologie-Giganten in die Schranken zu weisen nahe. Ein weiterer Hinweis ist der zunehmende Druck auf die Pharmakonzerne und ihren hohen Medikamentenpreise. 

Behält Ben Inker recht, wird die künftige Profitabilität der Mega Caps leiden. Das ist mit ein Grund, weshalb die Experten von GMO für die Aktien von Mega Caps in den kommenden Jahre eine enttäuschende Rendite erwarten. Sie bevorzugen stattdessen kleinkapitalisierte amerikanische Value-Aktien, internationalen Value-Titel sowie Aktien aus Schwellenländern.

2. Was gegen Amazon spricht

Es muss sich gut anfühlen, wenn man so beliebt ist: Alle vom Datenanbieter FactSet erfassten 42 Aktienanalysten, die Amazon abdecken, empfehlen die Titel zum Kauf. Kein Wunder, denn der aus einem Online-Bücherladen entstandene «Everything Store» eilt von Erfolg zu Erfolg. Seit dem Börsengang hat der Aktienkurs rund 126'000% zugelegt, wie das «Wall Street Journal» schreibt.

Allerdings wird es immer schwieriger, die hohen Erwartungen der Marktteilnehmer zu erfüllen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne liegt bei fast 60 – für den breiten Leitindex S&P 500 beträgt es 17. Das Unternehmen handelt zudem zum 36-Fachen aller Gewinne, die Amazon in den 22 Jahren seines Bestehens insgesamt erzielt hat.

Um diese Hoffnungen nicht zu enttäuschen, muss vieles richtig laufen. Doch die Wolken verdichten sich: So hat das Umsatzwachstum jüngst nachgelassen und die Übernahmen von Whole Foods und PillPack könnten ein Hinweis dafür sein, dass Amazon externes Wachstum einkaufen muss.

Zudem nimmt der Konkurrenzdruck an allen Fronten zu: totgesagte Detailhändler wie Walmart und Best Buy investieren in ihre Online-Kanäle, während Microsoft und Alphabet (Google) dem Konzern in der Cloud (der grössten Sparte von Amazon) Paroli bieten. Als wäre dies nicht genug, hat der Regulator Amazon ins Visier genommen.

Die Risiken scheinen gegenüber den Chancen zusehends die Oberhand zu gewinnen.

3. Geldwaschen mit Gauguin

Wer sein im Drogen- oder Waffenhandel erwirtschaftetes Geld waschen will, muss kreativ sein. Denn die gängigen Kanäle wie Banken und Versicherungen, aber auch Kasinos und Edelmetallhändler unterstehen mittlerweile strengen Regulierungen, die den Geldwäschern das Leben erschweren. Neue Lösungen sind gefragt.

Zum Glück gibt es den Kunsthandel. Der «legitime» Kunstmarkt wird auf weltweit rund 67,5 Mrd. $ geschätzt, wovon 3 Mrd. $ für Geldwäscherei eingesetzt werden dürften.

Kunst sei prädestiniert, um Geld zu waschen, schreibt Tom Mashberg in der September-Ausgabe des IWF-Magazins «Finance & Development». So können Kunstgegenstände relativ leicht geschmuggelt werden, Transaktionen sind oft privat und die Preise subjektiv – und mitunter sehr hoch.

Für zwielichtige Gestalten ist vor allem auch die Tatsache interessant, dass Kunsthändler im Gegensatz zu anderen Händlern grosse Bargeldtransaktionen nicht den Behörden melden müssen. Sie müssen nicht einmal die Namen der beteiligten Personen kennen – optimale Bedingungen also, um Vermögen aus dubiosen Quellen in den regulären Kreislauf zu schleusen.

Geht es nach den Regulatoren dies- und jenseits des Atlantiks, soll diese regulatorische Lücke bald geschlossen werden. Im US-Kongress wird der «Illicit Art and Antiquities Trafficking Prevention Act» beraten, der für Kunsthändler u.a. eine Meldepflicht für verdächtige Transaktionen und Beträge über 10'000 $ vorsieht.

Kunstaffine Geldwäscher müssen sich also beeilen, bevor ein weiteres Schlupfloch geschlossen wird.

4. Die Farbe des Geldes

Weltweit ist das Bargeld unter Druck; wer hip ist, bezahlt digital. Das lässt die Schweizerische Nationalbank (SNB) allerdings kalt. Diese Woche hat sie unter grossem Getöse die neue Hundert-Franken-Note vorgestellt.

Dass Orell Füssli Sicherheitsdruck die Scheine druckt und die Landqart AG das Papier liefert, ist vielen Schweizerinnen und Schweizern bekannt. Doch wer stellt eigentlich die Farbe für die Banknoten her?

Die «Neue Zürcher Zeitung» machte sich auf den Weg ins waadtländische Chavornay, um dem verantwortlichen Familienunternehmen – Sicpa heisst es und wurde 1927 in Lausanne gegründet – einen Besuch abzustatten.

Dort arbeiten rund 300 von insgesamt 2500 Mitarbeitern, die zweitgrösste Fabrik befindet sich in Madrid. Das Unternehmen liefert nicht nur die Farben für Franken-Banknoten. Dollars, Euro und Pfund sind vom Volumen her weit wichtiger – allerdings ist der Vorteil der «Swissness», der mit dem Auftrag der SNB einhergeht, von grossem Wert.

Weit mehr als die Hälfte aller weltweit gedruckten Banknoten werden mit Sicherheitsfarben von Sicpa bedruckt. Kein Wunder, will sich die Firma nicht mit dem drohenden Ende des Bargelds anfreunden.

Dennoch bereitet sich Sicpa auf die Zukunft ohne Cash vor und entwickelt mittlerweile auch digitale Sicherheitslösungen.

Das ist es bereits wieder von «Auf dem Radar». Fortsetzung folgt künftig nicht mehr jeden Freitag, sondern neu immer dann, wenn ich (oder meine Kollegen) etwas Spannendes gelesen habe.

Nun wünsche ich Ihnen ein angenehmes Wochenende und verbleibe mit den besten Grüssen,

Sandro Rosa, Stv. Chefredaktor