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Werden verlässliche Dividendenzahler an der Börse belohnt?

Unternehmen mit einer langen Historie an Dividendenerhöhung haben unter Anlegern einen guten Ruf. Eine Studie untersucht, ob sie auch eine gute Investition sind.

Sandro Rosa

«Do you know the only thing that gives me pleasure? It's to see my dividends coming in», soll John D. Rockefeller, legendärer US-Ölbaron und erster Milliardär der Weltgeschichte, einst gesagt haben. Nicht nur John Rockefeller, auch viele andere Anleger erfreuen sich an regelmässigen Ausschüttungen und investieren bewusst in Unternehmen, die hohe Dividenden zahlen.

Die Zahlen sprechen für sich, denn auf lange Frist ist der Beitrag von Dividenden zum Anlageerfolg beträchtlich. Je nach Markt machen die Ausschüttungen 30 bis 40% des Gesamtertrags aus. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld hat ihre Bedeutung noch einmal zugenommen.

CEO wollen Kürzungen vermeiden

Die Tatsache, dass viele Firmen über Jahre stetig steigende Dividenden ausschütten, lässt vermuten, dass auch die Unternehmensführer den Wert konstanter Ausschüttungen sehen. Gemäss einer akademischen Studie würde die Mehrheit der CEO sich eher weiter verschulden, um neue Projekte zu finanzieren, als deshalb die Dividende zu kürzen.

Doch werden solche Unternehmen auch an der Börse honoriert? Dieser Frage gehen die drei Akademiker David Michayluk, Scott Walker und Karyn Neuhauser in einem Aufsatz mit dem Titel «Dividend Consistency: Rewards, Learning, and Expectations» in der aktuellen Ausgabe des «Journal of Applied Corporate Finance» nach.

Konkret wollen die drei Autoren wissen, ob Unternehmen, die über Jahre hinweg stetig ihre Dividenden erhöhen – im Jargon gerne Dividendenaristokraten genannt –, langfristig eine überdurchschnittliche Kursentwicklung aufweisen.

Wert konstanter Ausschüttungen

Dazu identifizieren sie alle US-Unternehmen von 1971 bis 2011, die in einem Quartal die Dividende erhöht haben, sie dann aufrechterhalten und im Folgejahr wiederum erhöhen – dies bis zu einer maximalen Zeitdauer von zehn Jahren.

Was sind die Resultate?

Für Unternehmen, die erstmals eine Dividende entrichten, resultierte in den folgenden zwölf Monaten eine mittlere Überschussrendite – d.h. eine Rendite, die über derjenigen von vergleichbaren Unternehmen liegt, die keine Dividenden zahlen – von hohen 6,3%. Diejenigen Unternehmen, die ein Jahr später die Dividende erhöhten, schnitten im Durchschnitt 3,5% besser ab. Beim dritten (+2,3%), vierten (+3%) und fünften (+2,6%) Dividendenschritt resultierten ebenfalls überdurchschnittliche Renditen. Die Strategie war also tatsächlich von Erfolg gekrönt.

Zusätzlich haben Michayluk, Neuhauser und Walker herausgefunden:

  • Je kräftiger die Dividende erhöht wurde, desto besser war in der Regel die darauffolgende Performance.
  • Eine Dividendenzahlung wirkte sich bei günstig bewerteten Unternehmen – gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis – besonders positiv aus. Je teurer die Bewertung, desto geringer die Wirkung einer höheren Dividende.
  • Eine stetig wachsende Dividende wird an den Börsen honoriert, allerdings nimmt der positive Effekt mit zunehmender Dauer ab. Typischerweise hat ein Unternehmen nach sechs Dividendensteigerungen in Folge ein hohes Mass an Glaubwürdigkeit erarbeitet, so dass weitere Erhöhungen zu keinen weiteren Überschussrenditen führen.

Je länger, desto vorhersehbarer

Zu Recht, wie die Autoren bemerken, denn die Bereitschaft, die Dividende im kommenden Jahr zu erhöhen, nimmt mit zunehmendem Track Rekord zu. Unter den Firmen, die erstmals eine Ausschüttung vornehmen, erhöhen knapp über 40% die Dividende auch im Folgejahr.

Nach neun Jahren stetiger Erhöhung sind es bereits 80%, die wiederum die Ausschüttung steigern. Wenn Gesellschaften nach zehn Jahren plötzlich ihre Dividendenstrategie ändern, sind normalerweise externe Ereignisse – wie etwa die Übernahme durch einen Konkurrenten – der Auslöser.

Das hat unmittelbare Auswirkungen für Anleger: Denn Unternehmen finden häufig erst dann Aufnahme in einen Dividendenindex – für den S&P 500 Dividend Aristocrats sind es zum Beispiel 25 Jahre –, wenn sie bereits eine überzeugende Ausschüttungshistorie gezeigt haben. Bis dann ist jedoch der positive Effekt verpufft.