The Market Risk Barometer

Anlegerstimmung: Entschieden unentschieden

Der Weltaktienindex startet einen neuen Versuch, aus der Seitwärtsbewegung nach oben auszubrechen. Die Anleger bleiben zurückhaltend.

Sandro Rosa
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Schafft er es diesmal, nach oben auszubrechen? Seit Mitte April bewegt sich der Weltaktienindex von MSCI seitwärts und schwankt um die Marke von 700 Punkten. Der letzte Ausbruchsversuch zu Beginn des Monats scheiterte – am Freitag schloss das Barometer nun auf einem neuen Rekordhoch bei 711 Punkten und nimmt einen neuen Anlauf nach oben. Seit Jahresbeginn resultiert damit ein Kurszuwachs von ziemlich genau 10% (in Dollar).

Von den wichtigsten Aktienindizes vermochten im Vergleich zur Vorwoche alle zuzulegen – auch wenn sich im Falle des Londoner FTSE 100 bloss ein moderates Plus ergab (+0,1%). Angeführt wurden die Barometer vom japanischen Nikkei 225, der nach einer vorübergehenden Schwächephase wieder Schub entwickelt.

Schwellenländeraktien (+2,3%) und der technologielastige Nasdaq 100 (+2,1%) preschten ebenfalls vor. Auch der Swiss Market Index schnitt mit einem Zuwachs von 1,8% überdurchschnittlich ab. Diverse Indizes, darunter der SMI, der Dax und der französische Cac 40, haben neue Höchststände erklommen.

IT und zyklischer Konsum ohne Schwung

Bei den globalen Sektoren setzte sich der zyklische Konsum mit einem Gewinn von 2,4% an die Spitze. Aus dem Sektor gehörten in der Schweiz etwa Richemont (+15,5%) und Swatch Group (+9,1%) in der abgelaufenen Woche zu den stärksten Aktien. Die Segmente Kommunikation (+2,2%) und Immobilien (+2%) zeigten ebenfalls eine robuste Entwicklung.

Defensive Branchen bildeten wiederum das Schlusslicht: Versorger (–1,2%), Gesundheit (–0,3%) und Basiskonsum (–0,2%) mussten einen Terrainverlust hinnehmen. Der bislang stärkste Sektor des Jahres, Energie, legte vor dem Opec-Treffen, das am Dienstag stattfindet, eine Verschnaufpause ein (–0,3%).

Inflationsdruck bleibt bestehen

Die US-Inflationszahlen stehen weiterhin im Fokus. Am Freitag ist die Inflation der persönlichen Konsumausgaben (Personal Consumption Expenditures) deutlich gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr schnellte die Teuerung auf 3,6% – das ist der höchste Wert seit 2008. Die Kernrate, also die Inflationsrate unter Ausklammerung der Energie- und Lebensmittelpreise und eines der bevorzugten Masse der US-Notenbank Fed, erreichte 3,1% und damit den höchsten Stand seit 1992.

Noch lautet der Konsens im Markt, dass dieser Preisanstieg wegen der coronabedingt gedrückten Preise im Vorjahr vorübergehender Natur sei. Zum aktuellen Zeitpunkt lässt sich noch kein abschliessendes Urteil fällen, die Unsicherheit darüber, ob strukturell höhere Inflation droht, dürfte deshalb noch einige Monate anhalten. Dennoch: Es besteht die Gefahr, dass das Fed früher als geplant von ihrer extrem lockeren Geldpolitik abkehren muss. Die Börsen dürften eine solche Umkehr kaum goutieren. Die US-Arbeitsmarktdaten, die am Freitag auf dem Programm stehen, sind vor diesem Hintergrund interessant.

Zuvor wird sich das Augenmerk der Anleger allerdings auf die Einkaufsmanagerindizes (Purchasing Managers Indices, PMI) richten, die zu den verlässlichsten Frühindikatoren zählen. Sie werden Hinweise dazu liefern, ob der konjunkturelle Schwung anhält. Morgen Dienstag stehen in diversen Ländern die Industrie-PMI an, am Donnerstag folgen die Dienstleistungs- und die Gesamt-Indizes.

Das Risk Barometer fällt weiter

Der Risikoappetit der Anleger bleibt derweil verhalten. Das The Market Risk Barometer ist von 50 Punkten in der Vorwoche zwar wieder leicht auf 56 Zähler gestiegen, verharrt jedoch unverändert in der neutralen Spanne. (Das aus neun Sentiment-Indikatoren bestehende Barometer ist so konstruiert, dass es zwischen 0 und 100 schwankt und der Mittelwert bei 50 liegt.)

Eine klare Mehrheit der Komponenten des Risk Barometers hat sich im Wochenverlauf verbessert: sieben von neun Indikatoren lassen auf risikofreudigere Anleger schliessen, darunter das Abflauen der erwarteten Volatilität, das starke Abschneiden von zyklischen Valoren sowie die geringere Nachfrage nach Put-Optionen. Einzig die Umfrageergebnisse unter US-Privatanlegern und das unterdurchschnittliche Abschneiden von kleinkapitalisierten Aktien zeigen eine erhöhte Zurückhaltung an.

The Market ist unverändert der Ansicht, dass bereits ein Grossteil der positiven Nachrichten in den Kursen eingepreist ist und die Börsen deshalb anfällig sind für negative Überraschungen. Die schwelende Unsicherheit rund um die Entwicklung der Inflation dürfte die Märkte während der Sommermonate beschäftigen. Angesichts der Unentschlossenheit der Anleger könnten erfreuliche Einkaufsmanagerindizes jedoch durchaus für positive Impulse sorgen und den Aktienmärkten zur nächsten Aufwärtsbewegung verhelfen.