The Market Risk Barometer

Anlegerstimmung kühlt sich weiter ab

In der vergangenen Woche hat die Erholung an den Börsen einen Dämpfer erlitten. Die Skepsis der Marktteilnehmer nimmt nochmals zu.

Sandro Rosa
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Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten ist in der vergangenen Woche ins Stocken geraten. Der Weltaktienindex von MSCI büsste im Wochenverlauf 1,5% an Wert ein, wobei die Schwellen- etwas schlechter abschnitten als die Industrieländer.

Während das Gros der wichtigen Handelsplätze schwächer tendierte, vermochte der Swiss Market Index (+2,7%) zu punkten: Er profitierte vom hohen Gewicht der defensiven Sektoren Pharma (Novartis legte im Wochenverlauf 7,6% zu, Roche avancierte 7,3%) und Basiskonsum (Nestlé: +3%). Hinter dem SMI folgten der MSCI China (+2,3%) und der britische FTSE 100 (+1,8%).

Swiss Market Index glänzt

Die übrigen Indizes erlitten in der vergangenen Woche allesamt Einbussen. Besonders die zyklischeren Barometer wie der technologielastige Nasdaq 100 (–3,6%), der Nikkei 225 (–2,5%) und die Schwellenländer (–1,6%) mussten Federn lassen.

Bei den Sektoren war, wie bereits vor einer Woche, defensiv Trumpf: Aktien aus dem Gesundheitssektor preschten 3,5% vor, während Versorger (+1,9%) und Basiskonsum (+1,8%) ebenfalls Freude bereiteten. Nach dem Rücksetzer vor einer Woche schnitten nun auch Energieaktien (+2,3%) wieder erfreulich ab.

Die besonders konjunktursensitiven Branchen erlitten indes einen Rückschlag. Die Sektoren Informationstechnologie (–4,4%), zyklischer Konsum (–3,6%) sowie Industrie (–3,4%) gehörten zu den Nachzüglern.

Stimmung erleidet kräftigen Dämpfer

Bei der Anlegerstimmung lässt sich immer noch keine Erholung beobachten. Im Gegenteil, das Risk Barometer von The Market ist im Wochenverlauf noch weiter gefallen. Mittlerweile notiert es auf gerade noch 23 Zählern und damit auf dem niedrigsten Stand seit Mai 2020, als die Märkte den Ausbruch der Covid-Pandemie verarbeiten mussten.

Von den neun Inputvariablen, die ins Barometer fliessen, haben sich nahezu alle abgeschwächt. Einzig das Verhältnis der gekauften Put- relativ zu den Call-Optionen (Letztere profitieren von steigenden Aktienindizes) hat sich geringfügig aufgehellt, da die Marktteilnehmer weniger auf Absicherung bedacht sind.

In der Summe dominierten allerdings die vorsichtigen Signale klar: Die Hedge Funds wetten sowohl beim US-Leitindex S&P 500 als auch beim Nasdaq 100 auf fallende Notierungen, die Volatilitätsindizes auf den S&P 500 und den Vstoxx haben sich im Wochenvergleich wieder erhöht und kleinkapitalisierte Aktien (Small Caps) bleiben weiterhin deutlich hinter den Large Caps zurück.

Auch das schwache Abschneiden von Aktien zyklischer Unternehmen, die besonders vom Auf und Ab der Konjunktur abhängig sind, sendet ein Warnsignal. Seit mehreren Monaten schon laufen defensive Werte wie Gesundheit, Basiskonsum und Versorger den zyklischen Konsumaktien und den Industrietiteln den Rang ab.

Anhaltender Gegenwind

Das Marktumfeld bleibt anspruchsvoll. Die wichtigsten Hürden bleiben Russlands Krieg in der Ukraine, der heftige Covid-Ausbruch in China sowie die Inflation. In den Ländern der OECD beläuft sich die Teuerung inzwischen im Schnitt auf horrende 7,7% – so hoch war sie letztmals 1990. Ein rasches Abklingen der Teuerung ist immer weniger wahrscheinlich, zumal die USA und Europa weitere Sanktionen gegen Russland verhängt haben.

Morgen Dienstag werden in den USA die Inflationszahlen (Consumer Price Index, CPI) für den März veröffentlicht. Die Auguren prognostizieren einen Anstieg auf 8,4%, verglichen mit 7,9% im Februar. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die US-Notenbank die Leitzinsen bis Ende dieses Jahres auf 2,75% anheben dürfte. An der kommenden Sitzung am 4. Mai werden die Zinsen mit grosser Wahrscheinlichkeit um 50 Basispunkte erhöht werden. Gleichzeitig sprachen sich die Mitglieder des Fed-Offenmarktausschusses gemäss dem vergangene Woche publizierten Fed-Protokoll dafür aus, die Notenbankbilanz schon bald um 95 Mrd. $ pro Monat zu reduzieren. Diese Massnahme dürfte an der kommenden Sitzung kommuniziert werden.

Auch die Bilder aus China sorgen für Unbehagen. Angesichts rasant steigender Infektionszahlen wurde unter anderem ein Lockdown über der 25-Millionen-Metropole Schanghai verhängt. Menschen beklagen die unzureichende Versorgung mit Esswaren und Medikamenten. Es wird immer deutlicher, dass die von Präsident Xi Jinping als überlegen gepriesene Zero-Covid-Strategie der Omikron-Variante des Coronavirus nicht gewachsen ist. Laut «Financial Times» schätzt die japanische Grossbank Nomura, dass in China inzwischen 23 Städte und nahezu 200 Mio. Menschen zumindest in einem partiellen Lockdown sind. Die Konsequenzen für die Wirtschaft dürften heftig ausfallen.

Kein Wunder, bleibt die Stimmung unter den Marktteilnehmern gedrückt.