The Market Risk Barometer

Bonjour tristesse

Weltweit verzeichnen die Aktienindizes Avancen. Das The Market Risk Barometer entzieht sich jedoch dem Trend und fällt weiter.

Sandro Rosa
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Von wegen Sommerflaute an den Börsen! Auch in der ersten Augustwoche hat der Weltaktienindex von MSCI an Wert zugelegt und notiert mittlerweile 13% höher als noch zu Jahresbeginn.

Diesmal hatten die europäischen Handelsplätze klar die Nase vorn: Der Euro Stoxx 50 avancierte 2,1%, der Dax (+1,4%) und der Londoner FTSE 100 (+1,3%) legten ebenfalls überdurchschnittlich zu. Endlich gab auch der Nikkei 225 wieder Lebenszeichen von sich – mit einem Zuwachs von 2% schaffte er es auf das Podest. Weniger schwungvoll unterwegs war der Swiss Market Index, der lediglich ein Plus von 0,5% erzielte.

Bei den Sektoren gehörten die Finanzwerte (+2,9%) zu den Zugpferden, gefolgt von Versorger- (+1,4%) und Technologieunternehmen (+1,2%). Einzig die beiden Branchen Grundstoffe (–0,4%) und Basiskonsum (–0,5%) mussten im Wochenverlauf Terrainverluste in Kauf nehmen.

Frühindikatoren überzeugen weiterhin

Für anhaltenden Rückenwind an den Aktienmärkten sorgen etwa die Nachrichten aus dem Unternehmenssektor. In den USA, wo sich die Berichtssaison langsam dem Ende neigt, haben gemäss Zürcher Kantonalbank 87% der Gesellschaften die Gewinnerwartungen übertroffen. Auch in Europa sind die Resultate überaus ansprechend.

Der globale Einkaufsmanagerindex, der zu den wichtigsten konjunkturellen Frühindikatoren zählt, verharrt zudem weiterhin auf hohem Niveau. Mit 55,4 Punkten ist er zwar im Vergleich zum Vormonat leicht gefallen, liegt aber immer noch deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Der Höhepunkt des globalen Wachstums scheint zwar überschritten, absolut gesehen bleibt die Konjunktur aber robust.

Eine Gefahr stellt der in vielen Ländern zu beobachtende neuerliche Anstieg an Coronafällen dar. Im Fokus steht aktuell China, wo die Regierung wiederum Millionen von Menschen in den Lockdown schickt, nachdem in diversen Regionen Ansteckungen aufgetreten sind. Menschen werden angehalten, auf Reisen zu verzichten, Verkehrsverbindungen sind eingeschränkt. Wie gross die Auswirkungen auf die Lieferketten und schliesslich auf die globale Konjunktur sein werden, wird sich weisen.

Schliesslich nimmt auch an den Börsen die Dynamik ab. Zwar klettern die breiten Indizes unvermindert nach oben, allerdings wird der Anstieg von einer abnehmenden Anzahl an Titeln getragen. Im MSCI AC World notiert noch etwas weniger als die Hälfte aller Titel über ihrem 50-Tage-Schnitt, rund zwei Drittel handeln über ihrem 200-Tage-Schnitt. Noch ist das kein Grund zur Panik, den nachlassenden Schwung gilt es jedoch im Auge zu behalten, denn mit einer weiteren Verengung steigt das Risiko einer Trendwende.

Trübsal greift um sich

Die Anleger scheinen sich jedenfalls im Moment eher auf die Risiken zu konzentrieren, hat sich die Stimmung in den vergangenen Tagen doch weiter eingetrübt. Das Risk Barometer von The Market fiel im Wochenverlauf von rund 47 auf 43 Punkte und damit den niedrigsten Stand seit Oktober 2020. (Das aus neun Sentiment-Indikatoren bestehende Barometer ist so konstruiert, dass es zwischen 0 und 100 schwankt und der Mittelwert bei 50 liegt.)

Vier der neun berücksichtigten Indikatoren haben sich im Wochenverlauf verschlechtert und signalisieren eine abnehmende Risikoneigung. So ist die Nachfrage nach Put-Optionen kräftig gestiegen, die professionellen Marktteilnehmer haben ihre Positionen im S&P 500 reduziert, während die konjunktursensitiven Zykliker unvermindert hinter den defensiven Valoren zurückbleiben. Zudem signalisieren Umfragen eine abnehmende Risikofreude unter Privatanlegern.

Vier Indikatoren haben sich zwar verbessert (einer ist unverändert), sie vermochten den Rückgang der anderen Inputs jedoch nicht zu kompensieren, weshalb in der Summe ein Rückgang des Risk Barometers resultierte. Das ist ein ermutigendes Signal. Trotz solidem Aufwärtstrend herrscht im Markt eine gesunde Portion Skepsis, was weitere Kursgewinne begünstigt.