The Market Risk Barometer

Die Anleger verharren in der Lauerstellung

Der Weltaktienindex registriert das 51. Rekordhoch des Jahres. Dennoch verharrt das Risk Barometer hartnäckig im neutralen Bereich.

Sandro Rosa
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Anlegen ist ja so einfach: man kauft Aktien und schaut zu, wie sie nach oben klettern. Rückschläge – so es denn überhaupt noch welche gibt – sind selbstverständlich Kaufgelegenheiten. Das jedenfalls lässt ein Blick auf den Weltaktienindex von MSCI vermuten.

Seit Jahresanfang strebt der MSCI AC World scheinbar unaufhaltsam nach oben; am Freitag hat er bereits zum 51. Mal in diesem Jahr auf einem Rekordhoch geschlossen. Der Kursgewinn 2021 beträgt bereits 15,5%, inklusive Dividenden ergibt sich eine Rendite von über 17%.

Kein Rückschlag von 5%

Nennenswerte Rückschläge hat der Index in den vergangenen zwölf Monaten keine erlitten. Der grösste Drawdown im Oktober 2020 erreichte nicht einmal 10%. In diesem Jahr gab es keinen Rücksetzer von mehr als 5%.

In der zu Ende gegangenen Woche hat der Index weitere 1,3% zugelegt. Zu den Zugpferden gehörte für einmal der Nikkei 225, der über 5% avancierte. Der unerwartete Rücktritt des Premierministers Yoshihide Suga kurz vor den Parlamentswahlen im Herbst beflügelte die Börse. Da der unbeliebte Politiker nicht mehr kandidiert, sinkt das Risiko für die Regierungspartei LDP, einen allzu grossen Verlust zu erleiden. Die Schwellenländer vermochten den Schwung der Vorwoche mitzunehmen und legten 3,4% zu.

Weniger erfreulich war das Abschneiden des hiesigen Leitbarometers: der Swiss Market Index büsste 0,7% ein und bildete das Schlusslicht unter den wichtigsten Börsenbarometern.

Verschnaufpause oder Abschwung?

Trotz freundlicher Stimmung überzeugten zuletzt vor allem die defensiven Sektoren. Die Immobilienbranche preschte 3% vor und ist nun der stärkste globale Sektor seit Jahresbeginn. Die zyklischeren Segmente Finanz (–1%), Energie (–0,3%) und Grundstoffe blieben zurück.

Angesichts der sich immer deutlicher abzeichnenden nachlassenden Wachstumsdynamik, die vom schwachen US-Arbeitsmarktbericht am Freitag bestätigt wurde, bevorzugen die Anleger defensive Valoren. So fiel der JPMorgan Global Composite PMI, ein wichtiger konjunktureller Frühindikator, der sowohl die Industrie als auch den Dienstleistungssektor umfasst, auf zuletzt noch 52,6 Punkte. Es war der dritte Rückgang in Folge. Noch verharrt er jedoch über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Auch die heute morgen veröffentlichte Sentix-Umfrage bestätigt den Befund: Noch sind die Signale aus der Wirtschaft positiv, aber der Höhepunkt der Konjunkturerholung seit den Lockdowns ist durchschritten. «Für die Weltwirtschaft stehen die Zeichen auf einen sogenannten ‹mid cycle slowdown›, also eine Wachstumsverlangsamung in der Mitte des Zyklus», folgert Manfred Hübner, Geschäftsführer des auf Finanzmarktumfragen spezialisierten Unternehmens Sentix.

Weiterhin eher vorsichtig

Das Risk Barometer von The Market hat sich im Vergleich zur Vorwoche nur unwesentlich bewegt. Es verharrt unverändert auf 47 Punkten und somit im neutralen Bereich. (Das aus neun Sentiment-Indikatoren bestehende Barometer ist so konstruiert, dass es zwischen 0 und 100 schwankt und der Mittelwert bei 50 liegt.)

Von den neun berücksichtigten Inputfaktoren haben sich vier eingetrübt und ebenfalls vier aufgehellt, ein Faktor hat sich nicht verändert. Während zum Beispiel die Small Caps Lebenszeichen von sich gaben, fielen die Zykliker wieder leicht zurück. Die Spekulanten stockten zwar ihre Wetten auf den Nasdaq 100 auf, reduzierten aber gleichzeitig ihre Positionen auf den S&P 500. Derweil verengten sich die Aufschläge auf hochverzinsliche Anleihen wieder, während die Anleger vermehrt Put-Optionen zur Absicherung nachfragten. In der Summe hielten sich die Veränderungen die Waage, der Risikoappetit ist stabil geblieben.

Angesichts der insgesamt eher stolzen Bewertungen vieler Aktienmärkte ist der konjunkturelle Schwungverlust eine ungemütliche Entwicklung, zumal in den USA eine hartnäckige Inflation für zusätzlichen Gegenwind sorgt. Der Börsenherbst könnte durchaus interessant werden.