The Market Risk Barometer

Risk Barometer: Leichte Entspannung

Die Börsen streben weiter nach oben. Die Stimmung am Markt ist insgesamt gut, aber nicht euphorisch. Die Kleinanleger kommen jedoch langsam in Fahrt.

Sandro Rosa
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Auch die vergangene Woche war Balsam für die Aktienanleger. Der Weltaktienindex von MSCI avancierte stolze 2% und ist damit seit Jahresanfang bereits 7,5% vorgeprescht. Nachdem bis Mitte Februar die Schwellenländer für Zug gesorgt hatten, haben nun die Industrieländer die Führung übernommen. Inzwischen beträgt ihr Vorsprung deutliche fünf Prozentpunkte.

Nahezu alle wichtigen Börsenindizes vermochten Kursgewinne zu verbuchen. Die technologielastigen US-Indizes setzten sich nach einiger Absenz wieder einmal an die Spitze der Rangliste. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil der Anstieg der langfristigen Zinsen fürs Erste gestoppt wurde. Einzig die Schwellenländer (–0,6%) und der Nikkei 225 (–0,3%) gaben im Wochenverlauf nach.

Rückenwind erhielten die Börsen von überzeugenden Konjunkturdaten: Der Dienstleistungs-PMI in den USA, der vergangene Woche veröffentlicht wurde, ist um 8,4 auf 63,7 Punkte gestiegen und hat den höchsten Wert seit Lancierung der Umfrage 1997 erklommen. Zuvor ist der US-Industrie-PMI auf eindrückliche 64,7 Punkte geklettert. Man muss bis ins Jahr 1983 zurückblicken, um einen höheren Wert zu finden. Trotz schleppender Impffortschritte und anhaltenden Lockdowns deuten auch die Konjunkturindikatoren auf dem Alten Kontinent auf Wachstum hin.

Gleichzeitig bleiben die Währungshüter standhaft und halten an ihrer überaus expansiven Geldpolitik fest. Die Chancen auf weitere Kursgewinne an den Aktienmärkten sind deshalb intakt.

Risk Barometer fällt geringfügig

Insgesamt hat sich die Risikoneigung unter den Anlegern im Wochenverlauf marginal abgekühlt. Das The Market Risk Barometer ist von 64 auf aktuell 61 Punkte gefallen. Damit liegt es nun in einem mittleren Bereich und signalisiert keinen besonders ausgeprägten Optimismus mehr. (Das aus neun Sentiment-Indikatoren bestehende Barometer ist so konstruiert, dass es zwischen 0 und 100 schwankt und der Mittelwert bei 50 liegt.)

Zum Rückgang haben vier der neun Inputfaktoren beigetragen. Zyklische Aktien und Small Caps haben an Schwung eingebüsst, während Hedge Funds ihre Positionen im S&P 500 weiter abgebaut haben. Auch die steigende Nachfrage nach Absicherung – Put-Optionen waren stärker gesucht als Call-Optionen – führte zu einem leichten Rückgang des Risikoappetits.

Während das Risk Barometer nicht beunruhigend hoch notiert, scheinen jedoch die Privatanleger zunehmend optimistisch zu werden und fleissig in Aktien zu investieren.

Privatanleger werden übermütig

Wie die jüngste Umfrage der American Association of Individual Investors zeigt, erwarten 57% der Befragten in den kommenden sechs Monaten steigende US-Aktienkurse. Nur gerade jeder Fünfte rechnet mit einem Rückschlag an den Börsen. Bloss einmal seit 2015 waren Kleinanleger zuversichtlicher, nämlich zum Jahreswechsel 2017/2018, als die Bullen fast 60% erreichten und die Bären auf eine Quote von 15,5% absackten. Kurz darauf erklomm der Weltaktienindex von MSCI einen vorübergehenden Höchststand, von dem er bis zum Jahresende 2018 fast 20% einbüsste.

Mit Umfragen ist es aber so eine Sache, weil man nie sicher ist, ob die Leute auch das machen, was sie sagen. Gemäss Michael Hartnett, dem Chefstrategen von Bank of America, liessen die Anleger ihrer positiven Markteinschätzung zuletzt aber kräftig Taten folgen: Allein in den letzten fünf Monaten flossen Gelder von insgesamt 576 Mrd. $ in Aktienfonds. Das ist mehr als in den gesamten zwölf Jahren davor (452 Mrd. $).

Das ist zwar ein beunruhigendes Signal. Dass sich aber die Risikoneigung der Marktteilnehmer insgesamt abgeschwächt hat, ist positiv zu werten. Damit sendet das Risk Barometer allerdings kein klares Signal mehr. Bleiben die Konjunkturdaten freundlich und die Notenbanken expansiv, dürften weitere Avancen folgen.