The Market Risk Barometer

Risk Barometer: Ungemach im Anzug?

Die Stimmung unter den Anlegern kühlt sich etwas ab. Nachrichten über Zwangsliquidationen der Positionen eines New Yorker Hedge Funds sorgen an den Börsen für Nervosität.

Sandro Rosa
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Während sich der breite Weltaktienindex in der vergangenen Woche nur unwesentlich bewegte (+0,3%), fanden auf Länderebene grössere Verschiebungen statt. Der US-Leitindex S&P 500, der MSCI China und der Swiss Market Index preschten vor, der Schwellenländerindex von MSCI (–2,2%) und der Nikkei 225 (–2,1%) blieben merklich zurück.

Bei den Sektoren schnitten für einmal die defensiven Werte aus den Segmenten Immobilien, Versorger und Basiskonsum gut ab. Sie profitierten vom vorerst gestoppten Anstieg der Renditen am langen Ende. Zyklische Valoren wie Grundstoffe und Finanz, die in den vergangenen Wochen sehr gut abgeschnitten hatten, legten eine Verschnaufpause ein.

Erfreuliche Konjunktursignale

Daran vermochten die positiven Signale aus der Konjunktur – sogar in Europa – nichts zu ändern. Der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex (gelb in der Grafik) avancierte von 92,7 auf 96,6 Punkte und erreichte somit den höchsten Wert seit Juni 2019. Gleichzeitig übertraf er die Erwartungen von 93,2. Vor allem die bessere Erwartungskomponente (blaue Kurve), die auf ein 35-Monatshoch stieg, trieb die Erholung an.

Auch die provisorischen Industrie-Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone sind vergangene Woche auf ein Rekordhoch geklettert, derweil sie in den USA ebenfalls auf hohem Niveau verharren. Am Donnerstag werden dann die definitiven Einkaufsmanagerindizes weitere Hinweise zur Verfassung der Konjunktur liefern.

Beunruhigendes Signal aus New York

Diese Meldungen wurden zum Wochenende hin jedoch überschattet: Am Freitag löste Archegos Capital, eine US-Investmentfirma, riesige Aktienverkäufe im Wert von Milliarden von Dollars aus. Laut der Londoner «Financial Times» geriet das Unternehmen unter Druck, nachdem u.a. Aktien des Medienkonzerns ViacomCBS – in den es offenbar gehebelt investiert hatte – kräftig an Wert einbüssten.

Der Kursrückgang führte zu einem so genannten Margin Call (Nachschussforderung) der Broker von Archegos. Da der Hedge Fund die Forderung nach zusätzlicher Liquidität nicht erfüllen konnte, sahen sich die Banken gezwungen, in grossem Stil als Sicherheit gehaltene Aktien zu verkaufen. Gemäss Nachrichtenagentur Bloomberg belaufen sich diese Verkäufe auf rund 20 Mrd. $. Zu den betroffenen Brokern gehören u.a. Nomura und Credit Suisse, die nun mit deutlichen Verlusten rechnen. Die Schweizer Bank liess verlauten, der Schaden könne «highly significant and material to our first quarter results» sein.

Risk Barometer fällt geringfügig

Insgesamt hat sich die Risikoneigung unter den Anlegern im Wochenverlauf etwas abgekühlt. Das The Market Risk Barometer ist von zuvor eher hohen 66 auf 57 Punkte gesunken. Damit liegt es nun im typischen Bereich und signalisiert keinen besonders ausgeprägten Optimismus mehr. (Das aus neun Sentiment-Indikatoren bestehende Barometer ist so konstruiert, dass es zwischen 0 und 100 schwankt und der Mittelwert bei 50 liegt.)

Zu diesem Rückgang hat die Mehrheit der Inputfaktoren beigetragen. Wie bereits in der Woche zuvor drosselten zyklische Aktien und Small Caps ihr Tempo, während Hedge Funds ihre Positionen im S&P 500 spürbar reduziert haben. Auch die steigende Nachfrage nach Absicherung – Put-Optionen waren deutlich stärker gesucht als Call-Optionen – passt ins Bild.

Amerikanische Privatanleger jedoch sind ungewöhnlich zuversichtlich, wie die jüngste Umfrage der American Association of Individual Investors zeigt. 51% der Befragten rechnen in den kommenden sechs Monaten mit steigenden US-Aktienkursen, bloss rund jeder Fünfte erwartet fallende Notierungen. Eine derart einseitige Verteilung war in den vergangenen sechs Jahren nur selten zu beobachten. Da Privatanleger notorische Nachzügler sind und sich oft erst dann an die Börse wagen, nachdem die Kurse stark gestiegen sind, ist das kein ermutigendes Zeichen.

Insgesamt aber hat sich die Risikoneigung der Marktteilnehmer abgeschwächt, was positiv zu werten ist. Damit sendet das Risk Barometer allerdings kein klares Signal mehr. Für den weiteren Verlauf an den Börsen sind neue Impulse gefragt. Es bleibt zu hoffen, dass die positiven Konjunkturdaten dominieren und das Hedge-Fund-Debakel keine weiteren Kreise zieht.