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Global den Ton angeben – Die EU-Klassifizierung für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten

Ein Rahmen, der aufzeigt, welche Geschäftstätigkeiten nachhaltig sind und in die es sich zu investieren lohnt, schafft Klarheit für Industrie, Politik und Investoren. Das EU-Klassifizierungssystems, die sogenannte «Green Taxonomy»*, ist ein Modell für Taxonomien in anderen Ländern.

Erstellt im Auftrag der BNP Paribas Asset Management
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Autorin: Sheila ter Laag, Global Head of ESG Specialists, BNP Paribas Asset Management

Was ist eine Taxonomie?

Eine Taxonomie liefert Investoren, Unternehmen und Politik einen einheitlichen Ansatz, um festzustellen, welche wirtschaftlichen Aktivitäten nachhaltig sind und unter welchen Umständen. Gut konzipierte Taxonomien können politische Entscheidungsträger bei der Erarbeitung von Massnahmen unterstützen, die Finanzmärkte in ihren Entwicklungszielen in Bezug auf Nachhaltigkeit unterstützen.

Neben der EU, befassen sich auch andere Rechtssysteme mit Taxonomien und Definitionen nachhaltiger Finanzen:

  • In den Niederlanden gibt es seit 1995 eine Gesetzgebung für grüne Kredite.
  • Die People's Bank of China hat 2015 einen Katalog publiziert, der die Ausgabe von Green Bonds unterstützt und als chinesische Taxonomie bezeichnet wird.
  • Frankreich schuf 2015 das GreenFin-Label für Investmentfonds für Retailkunden.
  • Das japanische Umweltministerium hat 2017 Leitlinien für grüne Anleihen herausgegeben.

Weitere Länder, die Interesse an Taxonomien für nachhaltige Finanzen bekundet haben, sind Kanada, Chile, Kolumbien, Kasachstan und die ASEAN-Region. Die meisten von ihnen wollen die EU-Taxonomie, die als das fortschrittlichste Klassifizierungssystem gilt, als Basis für die Entwicklung ihrer eigenen Taxonomien nutzen.

Die Ziele der EU-Taxonomie

Die EU-Taxonomie hat zwei Hauptziele:

  1. Sie soll als offizielle Referenz und allgemeines Messinstrument dienen, an dem der Markt grüne Finanzprodukte messen wird. Die EU-Taxonomie gilt für alle Finanzprodukte, die mit einem ökologischen Ziel oder ökologischen Merkmalen vertrieben werden. Dies ermöglicht Investoren, fundierte Entscheidungen zu treffen und hilft Greenwashing zu verhindern, was als eines der Haupthindernisse für die Förderung umweltbezogener Finanzprodukte und Investitionen gilt.
  2. Sie soll dazu beitragen, Investitionen in umweltfreundliche Aktivitäten zu steigern, die zur Finanzierung des Übergangs zu einer klimaneutralen, kreislauforientierten und nachhaltigeren Wirtschaft erforderlich sind.

Die Einzigartigkeit der EU-Taxonomie

Die Taxonomie ist das erste gemeinsame, umfassende und wissenschaftlich fundierte Messinstrument für grüne Investitionen. Indem sie den Umsatz und die Ausgaben im Zusammenhang mit nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten misst, weist sie den Tätigkeiten der Unternehmen einen Nachhaltigkeitsgrad zu, anhand dessen Investoren feststellen können, wie umweltverträglich eine Investition in ein Unternehmen wäre.

Die Klassifizierung basiert dabei auf einem Rahmen doppelter Konditionalität. Das heisst, die wirtschaftlichen Aktivitäten eines Unternehmens müssen einerseits einen wesentlichen Beitrag zu einem der sechs offiziellen Umweltziele der EU leisten (siehe Abbildung 1); andererseits dürfen sie andere ökologische oder soziale Ziele nicht wesentlich beeinträchtigen.

Abbildung: Die sechs offiziellen Umweltziele der EU

Abbildung: Die sechs offiziellen Umweltziele der EU

Quelle: https://insight.factset.com/eu-taxonomy-regulation

Die EU-Taxonomie arbeitet mit Schwellenwerten, anhand derer bestimmt wird, ob wirtschaftliche Aktivitäten signifikant zu den Zielen der EU beitragen. Einige Tätigkeiten mögen heute noch nicht vollständig nachhaltig sein, tragen jedoch zum Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft bei.

Bei grünen Fonds und grünen Finanzprodukten – inklusive jenen Produkten, die angeblich ökologische Merkmale aufweisen – wird die «Umweltfreundlichkeit» der Unternehmen, in die investiert wird, bewertet. Die Anbieter dieser Finanzprodukte müssen deren prozentuale Übereinstimmung mit der Taxonomie angeben, um ein einheitliches Reporting und die Möglichkeit für einen Vergleich sicherzustellen.

Eine mit der Taxonomie konforme Berichterstattung ist für Fonds sowie für Finanz- und Nichtfinanzunternehmen obligatorisch, die gemäss europäischer Vorschriften eine nichtfinanzielle Erklärung offenlegen müssen.

Welche Merkmale sollten alle Taxonomien aufweisen?

  1. Eine doppelte Konditionalität soll sicherstellen, dass das Erreichen eines Ziels nicht andere Ziele untergräbt.
  2. Es müssen klare Umweltziele festgelegt und ihre Übereinstimmung mit internationalen Umweltabkommen erklärt werden. So sollten beispielsweise die Bestrebungen zur Eindämmung des Klimawandels mit den Zielen des Übereinkommens von Paris in Einklang stehen.
  3. Ein klares Klassifizierungssystem für Sektoren und Wirtschaftstätigkeiten muss die Grundlage für eine Taxonomie bilden. Zudem sollte eine internationale Übertragbarkeit der verschiedenen Sektor-Klassifizierungen gewährleistet sein, um deren Anwendung für alle Parteien zu erleichtern.
  4. Um zu beurteilen, ob die ökologische Leistung einer wirtschaftlichen Aktivität mit den Umweltzielen übereinstimmt, sind klare und gemeinsame Messgrössen erforderlich. Es ist wichtig, dass diese Messgrössen den ganzen Lebenszyklus der wirtschaftlichen Aktivitäten umfassen.
  5. Während einige Umweltziele ortsspezifisch sind, sind andere, wie der Klimaschutz, nicht an Grenzen gebunden. Um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, sollten die weltweiten Emissionen bis 2030 halbiert und bis 2050 auf Null reduziert werden.
  6. In den Taxonomien muss angegeben werden, ob die Offenlegung zwingend oder freiwillig ist und ob es Regeln dafür gibt, wie genau diese Offenlegung erfolgen sollte.

Was sind die internationalen Auswirkungen?

Angesichts der Tatsache, dass Kapitalmärkte und wirtschaftliche Versorgungsketten weltweit miteinander verflochten sind, haben die Offenlegungspflichten für Emittenten von Finanzprodukten und Unternehmen in der EU auch Auswirkungen auf internationale Akteure. Dies, obwohl die Taxonomie nicht dazu gedacht ist, Drittländer in Bezug auf ihre eigenen Nachhaltigkeitsaktivitäten zu verpflichten.

Um diese internationalen und über die EU hinausgehenden Erwägungen zu berücksichtigen, hat die Technische Expertengruppe für Nachhaltige Finanzen (TEG) der EU-Offenlegungsgrundsätze vorgeschlagen. Diese sollen Unternehmen, die ausserhalb der EU tätig sind – und den Investoren in diese Unternehmen – helfen, mit Datenlücken und unterschiedlichen Erwartungen in Bezug auf Umweltziele und Unternehmensleistung umzugehen.

* Die Taxonomie wurde im April 2021 formell angenommen, die wichtigsten Offenlegungspflichten gelten ab 2022.