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Gold glänzt im Zeichen sinkender Anleihen-Renditen

Die Ausweitung des Handelskrieges zwischen den USA und China verunsichert die Investoren. Ein Nutzniesser der Unsicherheit ist der Goldpreis: Er liegt derzeit auf dem höchsten Niveau seit sechs Jahren.

Im Auftrag von M&G 

Ritu Vohora

Investment Director M&G

Inzwischen werden weltweit Staatsanleihen im Umfang von über 16 Bio. $ mit negativen Renditen gehandelt, wobei auch nahezu 30% der Unternehmensanleihen mit Investment-Grade negative Zinsen abwerfen.

Bemerkenswert ist sicherlich auch der Umstand, dass die Rendite von US-Treasuries mit einer Laufzeit von zehn Jahren erstmals seit einem Jahrzehnt tiefer ausfällt, als für diejenigen mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Die Inversion der Zinskurve, die in der Vergangenheit oftmals ein verlässlicher Indikator war, begünstigt die Angst der Anleger vor einer Rezession.

Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten wurden in den letzten Wochen globale Aktien auf breiter Front verkauft – der MSCI All Countries World Index auf Dollar-Basis fiel in der Folge um über 2%. Während Japan und die USA insgesamt besser abschnitten, entwickelten sich die Schwellenländer deutlich negativer. Die Märkte in China und Hongkong waren geprägt von Handelsproblemen und den Protesten, die unvermindert andauern. Defensive Sektoren – beispielsweise Versorger – erholten sich, während sich die abflachende Zinskurve als Bremsfaktor für Finanztitel erwies. Zyklische Sektoren – Energie und Grundstoffe – wurden ebenfalls durch Handelshemmnisse sowie durch schwächere Makrodaten negativ beeinträchtigt.

Auch die britische Währung geriet unter Druck, nachdem die Regierung von Boris Johnson ankündigte, das Parlament in einen Zwangsurlaub zu schicken, um den EU-Austritt des Königreichs in einem No-Deal-Szenario weiterzutreiben. Der FTSE100, welcher in der Regel von einem schwächeren Pfund unterstützt wird, blieb wegen seines höheren Rohstoff- und Finanz-Exposures hinter seinem inländischen Gegenstück zurück.

Totgeglaubte leben länger

Seit Ende 2018 entwickelt sich der Goldpreis stetig nach oben – er liegt derzeit bei über 1500 $ pro Feinunze, dem höchsten Stand seit 2013, und ist seit Jahresbeginn um 18,5% gestiegen. Das Niedrigzinsumfeld sowie die anhaltenden Handels- und geopolitischen Spannungen sind die treibenden Kräfte hinter dem neu entfachten Interesse der Anleger am Edelmetall. Dabei ist sowohl eine steigende Nachfrage nach physischem Gold als auch nach goldgestützten ETF zu beobachten.

Das wachsende Interesse an physischem Gold ist zum Teil das Ergebnis diplomatischer und handelspolitischer Auseinandersetzungen – wobei die Zentralbanken ihre Goldreserven aufstocken und insbesondere die Schwellenländer ihre Reserven diversifizieren. Die Zentralbanken in Polen, Russland, China, der Türkei und Indien haben beispielsweise ihre Goldreserven seit Jahresbeginn erhöht.

In der Zwischenzeit haben sich die Anleger vermehrt auch in goldgestützte ETF geflüchtet, um sich gegen eine mögliche Abschwächung von US-Aktien sowie gegen sinkende Anleihen-Renditen abzusichern. Gold-besicherte ETF bieten Anlegern zudem eine effizientere Möglichkeit, ihr Engagement auszubauen.

Die jüngsten Zinsentscheide der US-Notenbank, die nach mehreren Zinserhöhungen inzwischen regelmässig Zinssenkungen beschliesst, haben überdies diejenigen Anleger alarmiert, die eine Abschwächung der US-Wirtschaft befürchten. Vor dem Hintergrund sinkender Bondrenditen sowie zunehmender Zweifel am einem langlebigen Bullen-Aktienmarkt ist in der Folge auch die Nachfrage nach Gold deutlich gestiegen.

Sicherheit hat ihren Preis

Anleihen bieten sich traditionell als Absicherung gegen Schwankungen an den Aktienmärkten an. Da sie jedoch inzwischen negative Renditen erwirtschaften, sehen sich die Anleger nun für diese Sicherheitsfunktion mit einem «Preisschild» konfrontiert. Die Höhe der negativ rentierenden Schulden hat sich seit Oktober letzten Jahres mehr als verdoppelt und ist gemäss «Bloomberg Barclays Global Aggregate Negative Yielding Debt Index» von 6,4 Bio. $ auf über 16,8 Bio. $ gestiegen – der aktuelle Goldpreis reflektiert diese Entwicklung eindrücklich.

Da die Renditen tendenziell weiter sinken dürften, versuchen viele Anleger sich zu diversifizieren und investieren in Gold. Normalerweise würden Investoren, die einen Null-Rendite-Vermögenswert wie Gold halten, auf die Zinsen für Anleihen verzichten, aber diese Opportunitätskosten lösen sich angesichts der Leitzinspolitik durch die Zentralbanken in Luft auf. Mit den daraus resultierenden negativen Renditen von Staatsanleihen und den sinkenden Credit Spreads bieten diese vermeintlich sicheren Häfen nicht mehr den Schutz, den Anleger suchen. Zwar bieten US-Treasuries mit einer zehnjährigen Laufzeit immer noch positive Renditen, aber die Reiserichtung verändert sich.

Ein starker US-Dollar wäre hilfreich

Gold tendiert dazu, sich in Zeiten von Unsicherheit und erhöhter Risikoaversion gut zu entwickeln. Laufende Handelskriege und eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Verbindung mit anhaltend niedrigen Renditen erhöhen die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen und als Wertspeicher.

Sollte der Handelskrieg in einem Währungskrieg münden, wird Gold im Gegensatz zu Fiat-Währungen seine Kaufkraft bewahren. Ein starker Dollar könnte den Goldpreis bremsen, aber die tolerantere Haltung der US-Notenbank, die Diversifizierung der Reserveanlagen durch die Zentralbanken der Schwellenländer sowie die eigenen Versuche von Präsident Trump, die heimische Währung zu schwächen, könnten den Aufwärtstrend des Dollars schwächen.

Es ist vor diesem Hintergrund davon auszugehen, dass sich die Risikofaktoren, die das Interesse an Gold im laufenden Jahr erhöht haben, fortsetzen werden. Die weltwirtschaftliche Unsicherheit trägt zur Volatilität der Aktienmärkte bei und schmälert die Anleiherenditen, was Anlegern die Risikodiversifizierung erschwert.

Wie in jedem Markt spielt die Stimmung eine grosse Rolle für den Preis und die Nachfrage nach Gold. Auf der Suche nach Sicherheit scheint Gold – zumindest vordergründig – seinen Glanz wiedererlangt zu haben.