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In die Infrastruktur der Digitalwirtschaft investieren

Die Coronakrise hat den digitalen Wandel beschleunigt. Die beispiellose Verlagerung ins Internet dürfte jedoch erst der Anfang dieser Entwicklung sein.

Erstellt im Auftrag von T. Rowe Price
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Von Alan Tu, Portfoliomanager in der U.S. Equity Division bei T. Rowe Price

Die Pandemie hat einen Strukturwandel in Gang gesetzt und dem digitalen Arbeiten, Lernen und Einkaufen einen nie dagewesenen Auftrieb beschert. Da auch die Unternehmen anderer Branchen, darunter Gesundheits- und Finanzdienstleister, zunehmend auf digitale Angebote setzen, dürfte dies erst der Beginn des technologischen Umbruchs sein.

Vielversprechend erscheinen vor diesem Hintergrund insbesondere Unternehmen, die Infrastruktur und Dienstleistungen für den digitalen Wandel bereitstellen. Das betrifft vor allem Anbieter von wichtigen Software-, Cloud- und Cybersicherheitslösungen, die über mehrere Jahre hinweg solide wachsen könnten, da sie mit diesen Technologien ihre Umsätze steigern, Kosten einsparen und ihre Marktposition festigen.

Der Bereich Unternehmenssoftware steht erst am Anfang einer neuen Ära. Zuletzt hat sich cloud- und abonnementbasierte Software immer stärker durchgesetzt, da sie kostengünstiger ist und einen nahtlosen Zugriff auf neue Updates und Versionen bietet. Der Umzug in die Cloud stellt die Branche schon seit rund zwanzig Jahren auf den Kopf, wodurch einstige Marktführer wie Oracle und SAP, deren Programme vor Ort installiert und gewartet werden mussten, von schnell wachsenden Anbietern wie Workday, ServiceNow und Salesforce.com verdrängt wurden.

Firmensoftware im Umbruch

Das Potenzial für weitere Umwälzungen bergen darüber hinaus neue Plattformen, mit denen Unternehmen ihre eigene, massgeschneiderte Software erstellen können. In dieser neuen Ära sind vor allem Tools für die Softwareentwicklung entscheidend für Innovationen. Zugleich können Anwender ohne jegliche Programmiererfahrung auf Anwendungen zugreifen, mit denen sie selbst passgenaue Lösungen für ihr Unternehmen entwickeln können. Diese Entwicklung steht noch am Anfang und wird von Anlegern im teilweise recht hoch bewerteten Technologiesektor mitunter unterschätzt.

Ein Beispiel dafür ist Shopify aus Kanada. Das Unternehmen hat eine Technologie für kleine und mittelgrosse Händler entwickelt, mit der sie ihr Geschäft selbst digitalisieren können. Shopify zählt heute zu den führenden E-Commerce-Plattformen für unabhängige Händler, mit der diese ihre Angebote online stellen können, ohne professionelle Entwickler bezahlen zu müssen. Über die Shopify-Plattform können sie ihre Website erstellen, neue Produkte einstellen, Werbeaktionen verwalten oder Bestellungen abwickeln. Viele kleinere Gewerbetreibende machen sich damit unabhängig von Amazon.com, eBay & Co.

Neue Märkte entstehen zugleich durch die Komplexität, die mit Big Data oder maschinellem Lernen verbunden ist. Atlassian, das seinen Hauptsitz in Australien hat, reagiert auf die wachsende Bedeutung der Anwendungsentwicklung und die zunehmende Fähigkeit der Endnutzer, eigene Tools zu erwerben. Seine Anwendungsentwicklungssoftware Jira hat sich bereits weltweit zur Standard-Workflow-Plattform für Programmierer entwickelt. Die beschleunigte Verlagerung hin zum Homeoffice hat zudem dem Tool «Confluence» für Remote-Zusammenarbeit enormen Auftrieb verliehen.

Nachfrage nach Rechenleistung steigt exponentiell an

Auch Infrastruktur- und Plattformunternehmen, die für das Funktionieren der Cloud sorgen, dürften noch viele starke Wachstumsjahre vor sich haben. Viele Manager haben erkannt, dass sie agiler sind, wenn sie Rechenkapazitäten und Daten in die Cloud verlagern. Die drei dominierenden Cloud-Plattformen in den USA – Google Cloud (Alphabet), Azure (Microsoft) und Amazon Web Services – sind im vergangenen Jahr weiter gewachsen, und es ist davon auszugehen, dass sie auch in den nächsten Jahren einen bedeutenden Anteil am Geschäft ihrer Muttergesellschaften ausmachen werden.

Während die Basis der ersten und zweiten industriellen Revolution Dampf bzw. Elektrizität waren, gründet die Digitalisierung der Wirtschaft auf Halbleitern. So wächst derzeit die Nachfrage nach Rechenleistung exponentiell an, was die Hersteller von hochmodernen Halbleitern herausfordert, die Nachfrage zu erfüllen. Rund vierzig Jahre lang ist es ihnen gelungen, die Zahl der Transistoren auf einer bestimmten Fläche eines Chips etwa alle zwei Jahre zu verdoppeln – ein Muster, das allgemein als «Mooresches Gesetz» bekannt ist.

Eine kleine Gruppe führender Halbleiterausrüster hat zuletzt dafür gesorgt, dass die Chiphersteller diese Grenzen überwinden können, wenngleich das Tempo der Entwicklung trotzdem nachgelassen hat. Letztlich musste die Halbleiterindustrie innovativer werden, da es immer schwieriger wurde, die Chips zu verkleinern. Eine zunehmende Preismacht ist vor allem den innovationsstärksten Unternehmen in einer weniger standardisierten und zyklischen Branche zuzutrauen.

Potenzial für solide Renditen

Die niederländische ASML Holding ist weltweit der einzige Anbieter von Anlagen für die Extrem-Ultraviolett-Lithografie, die für die Herstellung von Schaltkreisen verwendet wird, dem kritischsten Schritt bei der Produktion der neuesten Chipgeneration (darunter die «Bionic»-Chips von Apple). ASML könnte durch dieses technologische Alleinstellungsmerkmal eine starke Preismacht in einer notorisch zyklischen Branche erlangen.

2020 stand das stark beschleunigte Wachstum der führenden Technologieunternehmen im Fokus der Anleger, was die Bewertungen in einigen Bereichen auf hohe Niveaus getrieben hat. Gewinn- und Umsatzvergleiche mit dem Vorjahr dürften zudem in den kommenden Monaten eine Herausforderung darstellen, da das Wachstumstempo in vielen Fällen kaum zu halten sein dürfte.

In anderen Bereichen sehen wir für 2021 jedoch weiterhin Potenzial für solide Renditen, beispielsweise bei einigen innovativen Softwareanbietern, die im Zuge der pandemiebedingten Wirtschaftsschwäche stark unter Druck geraten sind und daher im Zuge der erhofften Erholung von einer niedrigeren Vorjahresvergleichsbasis profitieren könnten.

Weitere Einschätzungen und Expertenmeinungen von T. Rowe Price finden Sie hier:


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