The Pulse

Apple - Worauf Investoren nach dem Kursschub achten müssen

In weniger als einem Monat sind die Aktien von Apple über 30% nach oben geschossen. Und dies trotz der Klage des Videospielherstellers Epic Games, der die hohen Gebühren im App Store bekämpft. Anlass genug, einen genaueren Blick auf Apple zu werfen.

Christoph Gisiger
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Der Überraschungscoup löst nicht nur im Tech-Sektor Erstaunen aus: Ab Anfang nächster Woche ersetzt Salesforce den Energiekoloss Exxon Mobil im Dow Jones Industrial.

Die grösste Rochade im Blue-Chip-Barometer seit 2013 betrifft ebenso Pfizer sowie die Luftfahrtgruppe Raytheon Technologies. Die beiden Konzerne werden durch Amgen respektive Honeywell abgelöst.

An der Börse sorgt das für Bewegung. Die Aktien von Salesforce 📈 sind am Dienstag 3,6% avanciert und preschten am Abend nach der Publikation der Quartalszahlen weitere 13% vor:

Salesforce: Kursperformance seit Anfang Jahr

Salesforce
Exxon Mobil
Dow Jones

Der Cloud-Pionier machte bereits vor einigen Wochen Schlagzeilen, als sein Börsenwert erstmals den von Oracle übertraf - ein Triumph für Salesforce-Gründer Marc Benioff, der einst in Diensten von Oracle-Chef Larry Ellison stand.

Im Silicon Valley ist Benioff heute so etwas wie eine lebende Legende. Mit dem Salesforce Tower, dem mit 330 Metern höchsten Wolkenkratzer in San Francisco, hat er sich 2017 ein Denkmal geschaffen.

Überragend fallen ebenso die aktuellen Geschäftszahlen aus. In der vergangenen Berichtsperiode hat Salesforce die Einnahmen 29% auf 5,2 Mrd. $ verbessert. Der Gewinn nahm auf 2,6 Mrd. $ zu.

«Dass Salesforce trotz mehrerer Krisensituationen rund um den Globus eines der besten Quartale in der Unternehmensgeschichte ausweist, ist eine Erfahrung, die uns demütig macht», lässt sich Benioff in der Medienmitteilung zitieren.

Seine 1. Mio. Follower auf Twitter lässt er zudem mit Stolz wissen, dass sein Unternehmen den Umsatz seit 2014 auf das Fünffache gesteigert hat:

Auf Wohlwollen trifft vor allem die Prognose zum Gesamtjahr: Neu erwartet Salesforce einen Umsatz von 20,7 bis 20,8 Mrd. $, nachdem der Spezialist für internetbasierte Unternehmenssoftware den Ausblick Ende Mai gedämpft hatte. Der Konsens rechnete bisher mit 20,1 Mrd. $.

Was hinter dem Umbau des Dow Jones steckt ist damit klar: Durch den bevorstehenden Aktiensplit von Apple hätte sich die Gewichtung des Tech-Sektors im Börsenbarometer deutlich verringert. Das, weil der Dow nicht wie die meisten Indizes nach Kapitalisierung, sondern nach Aktienpreisen berechnet wird.

Die Aufnahme von Salesforce erfolgt deshalb am selben Tag wie Apples Split. Das Indexkomitee fürchtet offenbar, dass der Dow wegen des Booms in Tech-Aktien sonst gegenüber anderen prominenten Indizes wie dem S&P 500 oder dem Nasdaq 100 noch weiter ins Hintertreffen geraten könnte:

Dow Jones Industrial

Performance seit Anfang 2019, in %
Dow Jones Industrial
S&P 500
Nasdaq 100
Russell 2000

Ob die Neubesetzung dem bald 125-jährigen Dow tatsächlich zu einem Revival verhilft, wird sich weisen. Obschon Salesforce eine Erfolgsstory an der Börse ist, wächst der Konzern primär durch Akquisitionen. So hat Benioff in den letzten zehn Jahren insgesamt 53 Zukäufe vollzogen, wobei die Übernahmeziele immer grösser geworden sind.

Die Rochade weckt zudem ungute Erinnerungen an die IT-Manie gegen Ende der Neunzigerjahre. Um mit der Hausse mitzuhalten, nahm das Dow-Komitee im Frühjahr 1997 Hewlett-Packard in den Index auf - ein Fehlgriff, wie sich wenige Jahre später beim Dotcom-Crash herausstellte. Im September 2013 wurde HP schliesslich aus dem Dow geworfen und durch Visa ersetzt.

Offensichtlich ist, dass Salesforce turmhoch bewertet ist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt 67, das Umsatz-Multiple beziffert sich auf 10. Auf diesem anspruchsvollen Niveau bleibt wenig Toleranz für Enttäuschungen.

Apple hat die Aufnahme in den Dow bislang nicht geschadet. Im Gegenteil: Seit der iPhone-Hersteller am 19. März 2015 in den exklusiven Club der dreissig Indexmitglieder aufgestiegen ist, hat sein Börsenwert um 190% oder fast 1,4 Bio. $ zugenommen. Als erstes US-Unternehmen weist der Konzern aus Cupertino nun eine Kapitalisierung von mehr als 2 Billionen Dollar aus.

Ein guter Grund für «The Pulse», uns in der heutigen Ausgabe mit dem Phänomen Apple zu befassen.

Angriff auf den «Tart Tycoon»

Investoren in Apple haben dieses Jahr bereits ein ganzes Spektrum an Emotionen durchlebt. Setzte der Produktionsunterbruch in China und der Lockdown in Amerika sowie Europa die Aktien zunächst schwer unter Druck, verspüren sie seit dem Tief vom 23. März umso kräftiger Auftrieb.

Ein neuer Katalysator für den Kurs 📈 war der Quartalsabschluss von Ende Juli. Seither sind die Valoren in weniger als einem Monat über 30% nach oben geschossen. Unter den «Big Five» des Tech-Sektors schlägt sich nur Amazon besser:

Apple: Kursperformance seit Anfang Jahr

in %
Apple
Microsoft
Amazon
Facebook
Google
Nasdaq 100

Der Vormarsch an der Börse steht im Gegensatz zu den Nachrichten, die derzeit für Kontroversen im Tech-Sektor sorgen: Der Videospielhersteller Epic Games fordert Apple mit einer Klage heraus. Streitpunkt ist die 30%-Gebühr auf sämtliche Transaktionen im App Store, die Epic in seinem populären Video Game Fortnite umgehen wollte. Apple hat dieses darauf sofort blockiert.

Epic Gründer Tim Sweeney macht sich im Gegenzug über Apple öffentlich lustig. Unter anderem hat er vergangenes Wochenende ein Videospielturnier mit der Devise «Free Fortnite» veranstaltet, bei dem es diverse «Anti Apple»-Preise zu gewinnen gab.

Dazu zählt beispielsweise das Spieler-Outfit des «Tart Tycoon», der Apple-Chef Tim Cook verdächtig ähnlich sieht:

Aus Sicht von Michael Pachter, Analyst beim Broker Wedbush Securities ist unbestritten, wer in diesem Konflikt auf der richtigen Seite steht: «Das Vorgehen von Apple wird als einer der dümmsten Entscheide in der Geschichte der Tech-Industrie eingehen, genau wie der Boykott der US-Regierung gegen TikTok», urteilt der IT-Spezialist.

Gestern Dienstag ist in der juristischen Auseinandersetzung ein erster wichtiger Beschluss gefallen. Das Gericht des Northern District of California, vor dem die Fehde ausgetragen wird, befindet, dass Apples Gebührenpolitik im App Store wettbewerbsrechtlich «ernsthafte Fragen aufwirft».

Das Gericht hat der Forderung von Epic Games zwar nicht stattgegeben, dass Apple Fortnite wieder im App Store verfügbar machen muss. Apple darf aber nicht mehr länger die Unreal-Engine-Technologie von Epic blockieren, die auch zahlreiche andere Entwickler von Videospielen verwenden.

Eine umfassende Anhörung beider Parteien ist auf den 28. September angesetzt. Der Konflikt ist allerdings nur ein weiterer Streit, den sich Apple mit Entwicklern liefert. Weltweit basieren mehr als 1,5 Mrd. Geräte auf dem iOS-Betriebssystem des IT-Riesen, was ihm enorme Macht verleiht.

Zu Kontroversen kam es bereits im Vorfeld von Apples WWDC-Entwicklerkonferenz von Ende Juni, als der Konzern die Email-App «Hey» aus einem ähnlichen Grund zunächst nicht zulassen wollte. Weitere Irritation hat in den letzten Tagen ausserdem ein Disput mit dem freien Content-Management-System WordPress ausgelöst, wofür sich Apple schliesslich entschuldigte.

In der Schwebe hängt derweil noch immer der Zwist mit Spotify, zu dem die europäischen Wettbewerbsbehörden Mitte Juni eine Untersuchung lanciert haben. Auch hier geht es im Kern um die 30%-Gebühr, die Apple Entwicklern bei allen Transaktionen im App Store verrechnet.

Profitabler Wachstumsmotor für Apple

Für Investoren kommen diese Streitigkeiten zu einem heiklen Zeitpunkt. Das Highlight in Apples letztem Abschluss war ausgerechnet das überraschend robuste Wachstum mit Diensten wie dem App Store, Apple TV+ und Apple Music.

Die Sparte Services ist im vergangenen Quartal fast 15% gewachsen und erwirtschaftet festere Margen als Apples Hardware-Produkte. Mit 13,2 Mrd. $ machte der Bereich inzwischen mehr als ein Fünftel von Apples konzernweiten Einnahmen aus. Ein wichtiger Faktor war zuletzt, dass viele Nutzer wegen des Lockdowns mehr Zeit mit Videospielen und anderen Anwendungen im App Store verbrachten.

Konzernchef Cook hat damit das 2016 gesetzte Ziel vorzeitig erreicht, den annualisierten Umsatz in diesem Bereich auf 50 Mrd. $ zu verdoppeln:

Apple: Umsatz mit Diensten

in Mrd. $

Gemäss Wamsi Mohan, Analyst bei Bank of America, kommen die 100 beliebtesten Apps für etwa 16% des Umsatzes mit dem App Store auf. «Das Risiko, dass Einnahmen plötzlich in grösserem Stil wegfallen, ist deshalb gering», denkt Mohan. «Die Klage von Fortnite stellt jedoch die Grundsatzfrage ins Rampenlicht, ob Apples 30%-Kommission ‹fair› ist», räumt er ein.

Mit der Aufhebung von Lockdown-Massnahmen wird nun ebenfalls wichtig, ob der App Store die Einnahmen im gleichen Tempo weiter steigern kann. Das Research-Team von Bank of America hat dazu die Entwicklung in China als Vorlaufindikator für Europa und Amerika analysiert – und stellt fest, dass sich das Umsatzwachstum deutlich verlangsamt hat:

Quelle: Bank of America

Quelle: Bank of America

«Wir machen uns Sorgen, dass dies ein Vorbote einer ähnlichen Entwicklung in anderen Weltregionen sein könnte», meint IT-Analyst Mohan. «Das Geschäft mit dem App Store hat sich während der Pandemie robust verhalten, könnte mit der Öffnung der Wirtschaft andernorts jetzt aber eine ähnliche Abschwächung erfahren wie in China.»

Ein deutlicher Rückgang lässt sich bereits bei den weltweiten Downloads im App Store beobachten. Nachdem die Rate Anfang April auf über 50% stieg, stagniert sie inzwischen praktisch:

Quelle. Bank of America

Quelle. Bank of America

Der iPhone-Effekt

Für den weiteren Kursverlauf kommt dem nächsten iPhone damit umso grössere Bedeutung zu. Obschon das Geschäft mit Diensten wichtiger geworden ist und der Verkauf von Mac-Computern und iPad-Tablets im vergangenen Quartal deutlich anzogen hat, machen Smartphones noch immer über die Hälfte von Apples Einnahmen aus:

Apple: Umsatz nach Sparten

in Mrd. $
iPhone
Mac
iPad
Accessoires
Dienste

Gerüchte um das erste 5G-fähige Smartphone von Apple haben sich in den vergangenen Tagen intensiviert. Spekulationen zufolge soll der Konzern das neue Gerät am 10. September vorstellen. Das würde auch etwa zum Datum passen, an dem er frühere Modelle präsentiert hat.

Eine andere Frage ist, wann genau der Verkaufsstart beginnt. Apple-Finanzchef Luca Maestri sagte dazu während der Ergebnispräsentation Ende Juli Folgendes: «Letztes Jahr starteten wir mit dem Verkauf neuer iPhone-Modelle gegen Ende September. Dieses Jahr rechnen wir damit, dass das Angebot einige Wochen später erhältlich sein wird.»

An der Börse sind die Erwartungen an das neue Gerät hoch angesetzt. «Historisch betrachtet haben sich die Aktien von Apple im Vorfeld der Lancierung von iPhone-Modellen jeweils erfreulich entwickelt», bemerkt dazu Toni Sacconaghi, Analyst beim Broker Bernstein.

Seit Apple das erste iPhone im Sommer 2007 lanciert hat, haben die Titel in den sechs Monaten vor dem Verkaufsstart im Schnitt jeweils 15,4% in Relation zum S&P 500 gewonnen. Der grösste Anteil der Kursavancen entfiel dabei auf die letzten drei Monate vor der Markteinführung.

Anders sieht es nach der Lancierung aus. In den ersten drei Monaten nach dem Verkaufsstart einer neuer iPhone-Generation sind die Valoren mehr oder weniger an Ort getreten. Sechs Monate später ergab sich im Schnitt immerhin ein Kursanstieg von 4,6%;

Mit Engagements abwarten

Vor diesem Hintergrund erscheint das Risiko erheblich, dass die Aktien nach dem Schub der letzten Wochen bereits viel Positives vorwegnehmen. Das KGV für die nächsten zwölf Monate beträgt satte 34. Über die letzten zehn Jahre belief es sich durchschnittlich auf gut 14.

Auch ist schwer zu sagen, was weitere Impulse für den Kurs nach der Lancierung des neuen iPhone sein könnten. Bedeutende Innovationen zeichnen sich vorerst nicht ab, obschon Apple in den letzten fünf Jahren rund 60 Mrd. $ in Forschung und Entwicklung investiert hat.

Ebenso hat der Konzern operativ an Schwung verloren. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn man das rollierende Umsatzwachstum jeweils über drei Jahre betrachtet. Zur Spitzenzeit im Geschäftsjahr 2012 betrug es mehr als 50%. Derzeit sind es nur noch 7%.

Ähnlich sieht es für das Wachstum des operativen Gewinns auf Stufe Ebit aus:

Apple: Operative Entwicklung

Durchschnittliche Veränderung rollierend über drei Jahre, in %
Umsatz
Ebit

Unter diesen Voraussetzungen drängen sich Engagements in den Aktien von Apple momentan nicht auf. Mit Ausnahme kurzer Korrekturphasen hat es sich bisher aber auch nicht ausgezahlt, gegen die Titel zu wetten. Gerade mit Blick auf das steigende Spekulationsfieber, könnten sie gefragt bleiben.

Den Kurs stützen wird zudem die generöse Ausschüttungspolitik, die Apple dank den massiven Reserven an Barmitteln bis auf Weiteres fortsetzen wird. Gemäss Bernstein-Analyst Sacconaghi hat Apple seit 2012 rund 90% des freien Cashflows in Dividenden (20%) und Aktienrückkäufe (70%) investiert.

Das Volumen an ausstehenden Titeln ist dadurch kontinuierlich von rund 6,6 auf 4,3 Mrd. Stück geschrumpft, womit sich der Gewinn pro Aktie entsprechend verdichtet hat:

Apple: Anzahl ausstehende Aktien

in Mrd. Titel

Deep Diving

An dieser Stelle präsentieren wir wie immer einige Links, die einen vertieften Einblick in ein aktuelles Thema geben:

  • Der Markt für Publikumsöffnungen boomt. Besonders im Trend sind SPAC: Special Purpose Acquisition Companies, die kein operatives Geschäft haben und mit einem IPO oft Geld für eine Akquisition aufnehmen. Zu den prominentesten dieser Investmentvehikel zählen Nikola, Virgin Galactic und DraftKings. Dieses Jahr haben SPAC-Firmen bereits mehr als 30 Mrd. $ aufgenommen. Venture-Capital-Guru Bill Gurley schreibt in seinem Blog, was er vom regen Treiben hält.
  • Die Börsen erleben den grössten Zustrom von Kleinanlegern seit der Internetblase. Junge Day Trader nutzen vor allem die Handelsplattform Robinhood. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» geht der Story der beiden Robinhood-Gründer Baiju Bhatt und Vladimir Tenev in einer detaillierten Reportage nach und legt dar, wie sie ihre Kunden den Hochfrequenzhändlern an Wallstreet zuführen.
  • Dank der Pandemie floriert der Online-Handel. Davon profitiert speziell Amazon. Der Konzern von Jeff Bezos beschäftigt in den USA inzwischen rund 400’000 Kuriere und hat eben die Marke von zehn Milliarden ausgelieferten Paketen überschritten. Gemäss einem Bericht des Börsensenders «CNBC» liefert der Internetgigant heute fast drei Drittel aller Bestellungen selbst aus. Sein Logistiknetz dürfte damit bald grösser sein, als das US-Geschäft von UPS.

Dry Lightning

Es sind Bilder, so wie man sich die Apokalypse vorstellt. Im Norden Kaliforniens wütet seit Tagen ein Feuersturm, der unsägliche Zerstörung hinterlässt und bereits sieben Menschen das Leben gekostet hat.

Insgesamt kämpft der Golden State gegenwärtig mit 625 Waldbränden. Zwei davon - das LNU Lightning Complex Fire in der Weinregion Napa/Sonoma und das SCU Lightning Complex Fire östlich der Bay Area von San Francisco - sind das dritt- und zweitgrösste Feuer in der Geschichte des Bundesstaats.

Kalifornien verzeichnet dieses Jahr bereits über 7000 Waldbrände. Gemäss der «Los Angeles Times» haben sie insgesamt eine Fläche von fast 5700 km2 in Asche verwandelt. Zum Vergleich: Zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr waren es knapp 4300 Feuer, die rund 230 km2 zerstört hatten.

Der Hauptgrund für das katastrophale Inferno ist Dry Lightning. Übersetzt sind das «trockene Blitze», die während einer spezielle Wettersituation auftreten. Im aktuellen Fall ist sie dadurch entstanden, dass eine feuchte Luftmasse aus dem Süden mit einer Hochdruckformation aus dem Osten kollidiert.

Das Resultat sind Gewitterwolken, die ungewöhnlich viele Blitze abfeuern. In den letzten Tagen waren es mehr als 13’000. Der Niederschlag verdunstet zudem fast vollständig, bevor er den Boden berührt. Wenn so viele Blitze hintereinander einschlagen und fast jeder ein Feuer verursacht, wird es praktisch unmöglich, diese einzeln zu bekämpfen, bevor die Situation zum Flächenbrand ausartet.

Das hat sich etwa bereits bei der «grossen Schlacht» von Ende August 1987 gezeigt, als eine Attacke von «Trockenblitzen» in Nordkalifornien und Oregon Tausende von Bränden entfachte.

1999 wurde das Gebiet von Big Sur an der Meeresküste südlich von Monterey heimgesucht. Bei der «Lightning Siege» von 2008 schlugen innerhalb von 33 Stunden mehr als 5000 Blitze ein, worauf eine Feuerkatastrophe Nordkalifornien, die Sierra Nevada und die Central Coast in Atem hielt.

Die aktuellen Brände decken zusammen etwa die Fläche des Grand Canyon ab. Seit Anfang Woche hat sich die Lage zumindest wettermässig etwas beruhigt. Die Feuersaison hält aber noch rund vier Monate an. Bislang wurde in Kalifornien nur 2018 mehr Land verwüstet. Der traurige Rekord von damals bezieht sich jedoch auf ein ganzes Jahr.

Herzliche Grüsse von der US-Westküste und hoffentlich bis nächste Woche,

Christoph Gisiger