The Pulse

ASML - der wichtigste Tech-Konzern auf dem Planeten

Der Halbleiterbranche läuft es erfreulich und die Aussicht auf Subventionen im Westen sorgt bei den Ausrüstern für Fantasie. The Market wirft deshalb einen Blick auf die Erfolgsstory des niederländischen Equipment-Herstellers.

Christoph Gisiger
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Tech-Aktien feiern seit Mitte Mai ein eindrückliches Comeback. Das gilt speziell für Titel aus der Halbleiterindustrie, wo starke Quartalsberichte von Branchenleadern wie Qualcomm, AMD, ON Semiconductor und KLA den Kursen in den letzten Wochen zusätzlich Auftrieb gegeben haben.

Sorgen um eine Sättigung des PC-Markts und demzufolge sinkende Preise für DRAM-Speicherchips haben die Stimmung am Dienstag zwar etwas getrübt. Die Aktien des Memory-Spezialisten Micron gingen am Abend mehr als 5% leichter aus dem Handel.

Das Branchenbarometer PHLX Semiconductor Index (SOX) notiert seit Anfang Jahr aber noch immer rund 20% fester und schlägt damit den Nasdaq 100 wie letztes Jahr erneut:

PHLX Semiconductor Index

Performance seit Anfang Jahr, in %
PHLX Semiconductor Index
Nasdaq 100
Software-ETF (IGV)
S&P 500

Der nächste Fixpunkt für den Sektor ist der Quartalsabschluss von Nvidia am Mittwoch in einer Woche. Der führende Hersteller von Grafikkarten hat zuletzt von der robusten Nachfrage aus den Bereichen Videogames und Kryptowährungen profitiert. Zudem werden seine Chips vermehrt für Anwendungen wie künstliche Intelligenz in Grossrechnern eingesetzt. Nach einem kräftigen Schub kommt der Kurs von Nvidia seit Ende Juni aber nicht mehr wirklich vorwärts.

Fundamental betrachtet, läuft es der Branche insgesamt weiterhin erfreulich. Gemäss dem Grundtenor der Ergebnispräsentationen zum zweiten Quartal dürften die Engpässe in vielen Segmenten des Sektors bis ins nächste Jahr hinein anhalten, womit der Bestellungseingang vorläufig auf hohem Niveau verharrt.

Wie der Branchenverband SIA Anfang August gemeldet hat, sind die weltweiten Halbleiterverkäufe im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um gut 29% auf ein Rekordvolumen von 44,5 Mrd. $ gestiegen. Für das zweite Quartal resultiert ein sequenzieller Zuwachs gegenüber den ersten drei Monaten von mehr als 8%:

Quelle: SIA

Der robuste Trend dürfte sich im Juli fortgesetzt haben. Darauf deuten die monatlichen Absatzzahlen hin, die TSMC und UMC in den vergangenen Tagen aus Taiwan rapportiert haben. Die beiden Chipfabrikanten, die zusammen rund 65% der globalen Auftragsproduktion verarbeiten, haben letzten Monat einen Zuwachs der Einnahmen von jeweils rund 18% verzeichnet:

Umsatzentwicklung der Auftragsproduzenten in Taiwan

Veränderung zum Vorjahresmonat, in %
TSMC
UMC

Wichtige Impulse könnten zudem aus der Politik kommen. In den USA und in Europa dürften sich Pläne zur staatlichen Standortförderung der Halbleiterindustrie in den nächsten Monaten weiter konkretisieren. Wichtig bleibt zudem, wie sich die Situation mit Lieferungen an China entwickelt.

Die Aussicht auf Subventionen im Westen und der pragmatische Ansatz der US-Regierung im Dialog mit Peking sorgt vor allem im Segment der Ausrüster für viel Fantasie. Applied Materials, KLA und Lam Research zählen im bisherigen Jahresverlauf zu den grössten Gewinnern im Nasdaq 100.

ASML ist nach einem soliden Ergebnis nun sogar zur besten Tech-Aktie im Index avanciert:

ASML

Performance seit Anfang Jahr, in %
ASML
Applied Materials
KLA
Lam Research
PHLX Semiconductor Index

Aus diesem Grund konzentriert sich «The Pulse» in der heutigen Ausgabe auf die eindrückliche Erfolgsstory des niederländischen Equipment-Herstellers sowie seine zentrale Rolle für die Weltwirtschaft.

Der Markt für Wafer-Fabrikations-Equipment

Die Fabrikation von Halbleitern ist ein äusserst kapitalintensives Geschäft, in das heute weltweit jährlich mehr als 100 Mrd. $ investiert werden. Rund 60% dieser Kapitalinvestitionen entfallen auf Anlagen, Maschinen und Instrumente zur industriellen Fertigung von Chips, in der Branche «Wafer Fabrication Equipment» oder kurz «WFE» genannt.

Mit der wachsenden Bedeutung der Halbleiterindustrie für die Gesamtwirtschaft nehmen Ausgaben für Wafer-Fabrikations-Equipment zu. In den frühen Neunzigerjahren umfasste der Markt ein Volumen von jährlich rund 10 Mrd. $, worauf dieses gegen Ende des Jahrzehnts durch den Internetboom auf 20 bis 30 Mrd. $ sprang. In den Jahren 2004 bis 2016 pendelte sich der globale Umsatz dann in der Grössenordnung von 30 bis 40 Mrd. $ ein.

In den letzten Jahren ist der WFE-Markt abermals deutlich auf ein Niveau von 50 bis 60 Mrd. $ expandiert, wozu ein kräftiger Zyklus im Bereich Speicherchips beigetragen hat. Vor allem in Asien wurde in neue Produktionsanlagen investiert, namentlich in Taiwan, China und Südkorea. Relativ gering waren die Investitionen hingegen in Nordamerika und Europa:

Investitionen in Wafer-Fabrikations-Equipment (WFE)

in Mrd. $
Taiwan
China
Südkorea
Japan
Nordamerika
Europa, Naher Osten und andere Länder
Prognose (ab 2021)

Technologisch wird der Prozess zur Herstellung von Halbleitern immer anspruchsvoller. Grob gesagt geht es typischerweise um drei unterschiedliche Produktionsstufen: Erstens wird Material auf einen Wafer aufgetragen. Zweitens wird dieses Material dann bearbeitet und zum Teil wieder entfernt. Drittens müssen die vorangegangenen zwei Produktionsschritte überwacht und geprüft werden.

Diese drei Abläufe werden stetig wiederholt, wobei zwischendurch Reinigungsprozesse hinzukommen. In ihrem Verlauf entstehen auf einem Chip dadurch mikroskopisch kleine Strukturen, deren Komplexität sich mit der Architektur einer modernen Grossstadt vergleichen lässt.

Mit dem fortschreitenden Trend zur Miniaturisierung wird speziell die Produktion der leistungsfähigsten Halbleiter immer teurer. TSMC zum Beispiel hat für das aktuell modernste Werk am heimischen Standort Tainan rund 17 Mrd. $ veranschlagt. Die nächste Fabrik, die der Konzern derzeit ebenfalls in Tainan errichtet, dürfte sich auf annähernd 20 Mrd. $ belaufen.

Strukturell ist der WFE-Markt stark konzentriert: Insgesamt erwirtschaften lediglich fünf Anbieter etwa 70% der globalen Einnahmen, wobei sich ihr Anteil insgesamt über die letzten fünfzehn Jahre kontinuierlich erhöht hat. Applied Materials und ASML kommen derzeit auf je rund 18 bis 19%, Lam Research und Tokyo Electron auf jeweils etwa 14% und KLA auf rund 7%.

Vor allem ASML und Lam Research konnten Anteile auf Kosten der übrigen, weniger grossen Konkurrenten gewinnen:

Quelle: Bernstein

Jeder dieser «Big Five» verfügt über individuelle Stärken und Kernkompetenzen. Während Applied Materials, Lam Research und Tokyo Electron tendenziell in verschiedenen Segmenten der Chipfabrikation präsent sind, konzentrieren sich ASML auf KLA als Spezialisten darauf, ihr spezifisches Marktsegment zu dominieren. Bei ASML sind das Fotolithografie-Anlagen, bei KLA ist es die Prozesskontrolle.

De facto hat ASML heute eine Monopolstellung. Das Unternehmen beherrscht fast 85% des globalen Markts für Lithografie-Systeme, auf die rund ein Fünftel der globalen Einnahmen für Wafer-Fabrikations-Equipment entfällt. Die drei anderen nennenswerten Anbieter sind Nikon, Canon und NuFlare aus Japan:

Anteile am globalen Markt für Lithographie-Systeme

in %
ASML
Nikon
Canon
NuFlare
Andere Anbieter

Wie also ist es ASML gelungen, diese dominante Stellung zu erobern? Und vor allem: Weshalb sind die Maschinen des Konzerns heute so wichtig, wenn es um die Produktion modernster Halbleiter geht?

Aufstieg an die Weltspitze

Ein Teil der Antwort hat mit den drei Hauptkriterien für die Nachfrage nach einem Computerchip zu tun: Performance, Energieverbrauch und Kosten. Einen entscheidenden Einfluss darauf haben Architektur und Miniaturisierung. Je mehr Transistoren (einzelne Schaltstellen) sich auf einem Halbleiter von konstanter Grösse verdichten lassen, desto besser ist seine Rechenleistung.

Eine Schlüsselrolle kommt bei diesem Trend der Fotolithografie zu. Stark vereinfacht ausgedrückt werden dabei winzig kleine Strukturen auf einem Wafer mit ultravioletten Strahlen über einen komplizierten Belichtungsprozess mit Hilfe von Linsen, Spiegeln, Fotomasken und lichtempfindlichen Lacken geformt.

Bei den modernsten Chips beträgt die kleinste Strukturgrösse derzeit rund 7 Nanometer. Bis gegen Ende dieses Jahrzehnts soll sie weiter auf 2 Nanometer schrumpfen. Zum Vergleich: Der Durchmesser eines menschlichen Haars beträgt etwa 80 bis 100’000 Nanometer.

Ohne die Maschinen von ASML sind weitere Fortschritte in der Miniaturisierung kaum mehr möglich. 1984 als Joint-Venture des Elektronikkonzerns Philips und des Halbleiter-Equipment-Herstellers Advanced Semiconductor Materials International (ASMI) gegründet, deutet zunächst wenig auf die künftige Bedeutung des Unternehmens hin. ASM Lithography genannt, nimmt es in einer Baracke hinter einem Philips-Gebäude in Eindhoven mit 31 Mitarbeitenden den Betrieb auf.

Ein Jahr später bringt ASML mit dem Philips Automatic Stepper (PAS) 2000 die erste Maschine auf den Markt. Die Konkurrenz aus Japan ist aber so stark, dass in den ersten sechs Jahren konstant Verluste resultieren. Anfang der Neunzigerjahre hellen sich die Perspektiven allmählich auf. 1991 gelingt ASML mit dem PAS 5500-System der grosse Durchbruch. Das erste Gerät wird an IBM geliefert, worauf sich der Apparat zur Cash Cow entwickelt.

PAS 2000: das erste Gerät, das ASML Mitte der Achtzigerjahre auf den Markt brachte.

PAS 2000: das erste Gerät, das ASML Mitte der Achtzigerjahre auf den Markt brachte.

In den folgenden Jahren geht ASML auf Expansionskurs und übernimmt einige kleinere Lithographie-Spezialisten in den USA. Zusammen mit Nikon und Canon bildet der Konzern schliesslich ein Oligopol in seinem Kernsegment. 1995 folgt der Börsengang in Amsterdam und New York. Philips verkauft den Rest der Beteiligung in den nächsten Jahren vollständig ans Publikum.

Königsmacher im Chipsektor

Ab den Jahren 2005/06 übernimmt ASML erstmals den Lead. Ausschlaggebend dafür ist das Twinscan-System. Diese neue Generation von Lithografie-Maschinen bearbeitet zwei Wafer parallel, wodurch Halbleiterkonzerne ihre Stückkosten verringern können. Mit der Immersions-Technologie werden die Ultraviolett-Strahlen zudem durch Wasser geschickt. Dadurch vergrössert sich das Auflösungsvermögen, was noch kleinere Strukturgrössen auf einem Chip ermöglicht.

Diese beiden Innovationen bringen die japanischen Konkurrenten ins Hintertreffen, weil sie das Knowhow der Niederländer nicht replizieren können. Canon kämpft mit finanziellen Problemen. Nikon verfolgt zunächst eine Strategie mit veralteten Technologien und scheitert ebenfalls.

Derweil beginnt ASML bereits, mit extrem ultravioletter Strahlung (EUV) an neuen Produktionsmethoden zu experimentieren. Ziel ist es, die Auflösung beim Lithografie-Prozess damit weiter zu vergrössern. In der Halbleiterbranche stösst die Technologie zunächst auf grosse Skepsis. Ein Grund dafür ist, das Chip-Fabrikationswerke dafür neu konzipiert werden müssen, was entsprechend kostspielig ist.

Ironischerweise sieht ausgerechnet Intel im EUV-Prozess früh Potenzial. 2012 schiesst der US-Branchenleader im Zug einer strategischen Partnerschaft bei ASML 4,1 Mrd. $ für die kommerzielle Entwicklung der Technologie ein und erhält dafür eine Beteiligung von 15%. Kurz danach beteiligen sich TSMC und Samsung ebenfalls am niederländischen Konzern.

Was als Nächstes passiert, kommt einem historischen Beben in der Chipbranche gleich. Weil Intel den EUV-Prozess auf kurze bis mittlere Sicht als zu riskant und zu teuer erachtet, setzt der Konzern vorerst weiterhin auf bewährte Technologien. Um die Strukturgrösse auf seinen Chips trotzdem möglichst rasch zu minimieren, legt er dafür eine extrem ambitiöse Road Map aus - und scheitert spektakulär.

Am 7. Oktober 2019 folgt der Paukenschlag: Anders als Intel hat TSMC bedeutende Summen in die kommerzielle Umsetzung der EUV-Technologie investiert und startet als erster Halbleiterproduzent der Welt die Massenproduktion mit dem neuen Fertigungsprozess. Samsung zieht bald darauf nach, während Intel immer tiefer in die Krise schlittert.

EUV-Anlage von ASML: Im Zentrum der Maschine, die rund 180 Tonnen wiegt, ist die Wafer-Bearbeitung durch extrem ultraviolette Strahlung dargestellt.

EUV-Anlage von ASML: Im Zentrum der Maschine, die rund 180 Tonnen wiegt, ist die Wafer-Bearbeitung durch extrem ultraviolette Strahlung dargestellt.

Quelle: ASML

Heute ist unbestritten: Im technologischen Wettlauf um die leistungsfähigsten Computerchips führt kein Weg an den EUV-Maschinen von ASML vorbei. Kein anderes Unternehmen der Welt kann solche Apparaturen herstellen. Auch Intel hat den EUV-Prozess vor wenigen Wochen offiziell zu einem zentralen Teil der Lösung erklärt, um den Rückstand auf TSMC und Samsung aufzuholen.

Mit anderen Worten: Moore’s Law, das bald sechzig Jahre währende Gesetz, gemäss dem sich die Performance der neusten Chips zu gleichbleibenden Kosten alle zwei Jahre verdoppelt, hängt entscheidend von ASML ab. Und ohne leistungsfähigere Computerchips ist der technologische Fortschritt in Schlüsselbereichen wie Cloud-Computing, 5G oder künstliche Intelligenz nicht möglich.

Aus diesem Grund drängen die USA die niederländische Regierung denn auch weiterhin, ASML die Lieferung von EUV-Maschinen an China zu verbieten.

Erbauliche Perspektiven

An der Börse wird das Monopol von ASML in der EUV-Technologie entsprechend honoriert. Investoren erachten den Ausrüster als «Compounder», eines der seltenen Unternehmen, die über einen langen Zeitraum den Wert für ihre Aktionäre stetig steigern.

Der Aktienkurs von ASML ist allein in den letzten fünf Jahren um rund 590% vorgeprescht. Unter den Ausrüstern aus dem Hableitersektor kann nur Lam Research knapp mithalten:

ASML: Kursperformance über fünf Jahre

In %
ASML
Lam Research
Applied Materials
KLA Corporation
PHLX Semiconductor Index

Mit einer Marktkapitalisierung von über 323 Mrd. $ ist ASML nach TSMC und Nvidia inzwischen zum drittgrössten Konzern im PHLX Semiconductor Index aufgestiegen. Der Konzern ist damit höher bewertet als Intel. In Europa bringt kein anderes Tech-Unternehmen mehr Gewicht auf die Waage:

Grösste Halbleiterkonzerne

Marktkapitalisierung, in Mrd. $

Mit Blick auf die operative Entwicklung können sich Anleger von einem Unternehmen auf kurze bis mittlere Sicht kaum mehr wünschen. Wie Konzernchef Peter Wennink beim Abschluss zum zweiten Quartal sagte, hat sich der Auftragseingang zuletzt weiter auf 8,3 Mrd. € erhöht. 4,9 Mrd. € davon sind Bestellungen für EUV-Maschinen, die pro Stück annähernd 150 Mio. € kosten.

Von den knapp 3 Mrd. €, die ASML in der vergangenen Berichtsperiode mit dem Verkauf von Lithografie-Anlagen insgesamt eingenommen hat, entfallen inzwischen 45% auf EUV-Systeme. Neu rechnet das Management damit, dass sich der Umsatz in diesem Segment für das Gesamtjahr um rund 35% verbessert. Ende April hatte es eine Steigerung von 30% in Aussicht gestellt.

Aktuell geben TSMC, Samsung und Intel am meisten Bestellungen auf. Analysten von Bank of America schätzen, dass die drei Konzerne dieses und nächstes Jahr zusammen jeweils rund 30 bis 35 EUV-Apparate kaufen werden, um damit Hochleistungs-Prozessoren zu fertigen. Produkte in diesem Segment werden auch «Logic» Chips genannt und bewältigen die Rechenarbeit in PCs, Servern oder Smartphones.

Samsung hat EUV-Systeme bislang primär zur Auftragsproduktion von Drittanbietern wie Qualcomm, Nvidia und IBM verwendet. Dieses Semesters will der koreanische Branchenriese den Prozess nun erstmals auch für die eigenen DRAM-Speicherchips verwenden. Die Konkurrenten Micron und SK Hynix geben ebenfalls erste Bestellungen zur Fertigung von Memory-Halbleitern auf, liegen aber noch einige Jahre zurück:

Quelle: Bank of America

Das Management von ASML wird am Investorentag vom 29. September im Detail darüber informieren, wie es den EUV-Prozess künftig weiter entwickeln will. Ein wichtiger Schritt dazu ist die sogenannte «high-NA»-Technologie, mit der das Auflösungsvermögen beim Lithografie-Prozess weiter vergrössert werden soll.

Vergleichbar mit Flugzeugbauern wie Boeing und Airbus stellt der Konzern die meisten Komponenten für seine Systeme mittlerweile nicht mehr selber her. Um bei der Adaption neuer Technologien und Materialien möglichst flexibel zu bleiben, vertraut er auf ein breites Netz von 500 bis 600 Zulieferern. Zu den wichtigsten Partnerschaften gehört die strategische Allianz mit dem deutschen Optikkonzern Carl Zeiss.

Die Aussichten stehen damit gut, dass ASML auch in den kommenden Jahren ausgesprochen profitabel wirtschaften und das EUV-Monopol erfolgreich verteidigen kann. Gemäss dem Datendienst S&P Global Market Intelligence erwarten Analysten, dass der Konzern den freien Cashflow dieses Jahr weiter auf über 4 Mrd. € erhöht. 2023 sollen es mehr als 6,4 Mrd. € sein.

ASML: freier Cashflow

in Mio. €
Prognose (ab 2021)

Zusammen mit der schuldenfreien Bilanz lässt das viel Spielraum für die Ausschüttungspolitik offen. Seit dem Geschäftsjahr 2009 hat ASML die Dividende stetig erhöht. Für 2020 wurden 2.75 € pro Titel ausgezahlt. Für das laufende Jahr wird am Markt mit 3.30 € je Aktie gerechnet, woraus sich 0,5% Rendite ergeben. Zudem hat das Unternehmen gegen Ende Juli ein neues Rückkaufprogramm gestartet, das bis zu 9 Mrd. € umfasst und bis Ende 2023 laufen soll.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Aktien von ASML einen stolzen Preis haben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2022 beläuft sich auf 42. Das Umsatz-Multiple beträgt fast 13. Kein anderer Konzern aus dem Segment der Equipment-Hersteller ist höher bewertet.

Da der Aktienkurs damit schon viel Positives vorwegnimmt, drängt sich für preisbewusste Investoren unmittelbar kein Engagement auf. Für den Fall einer grösseren Korrektur an den Börsen wird es sich aber lohnen, die Titel von ASML ganz oben auf die Einkaufsliste zu setzen.

Kennzahlen

Land Börsenwert Umsatz Wachstum Ebit-Marge ROIC Umsatz-Multiple 2022 KGV 2022 Rendite
ASMLNiederlande32419,529,833,320,312,9420,4
Applied MaterialsUSA12619,828,528,6214,918,20,7
Lam ResearchUSA8814,645,630,625,34,817,40,8
Tokyo ElectronJapan6612,724,122,921,63,819,42,3
HitachiJapan538614,13,43,10,9111,8
KLAUSA526,919,235,923,66,2181,2
CanonJapan25314,67,54,70,815,83,4
NikonJapan44,71,22,51,20,417,72,6

Deep Diving

An dieser Stelle präsentieren wir wie immer drei Links, die einen vertieften Einblick in ein aktuelles Thema geben:

  • Es ist bis heute die grösste M&A-Transaktion im Tech-Sektor: Nachdem Michael Dell seinen Computerkonzern 2013 von der Börse genommen hatte, fusionierte er ihn 2015 in einem Rekorddeal für 67 Mrd. $ mit dem Speicher-Spezialisten EMC. Seit Ende 2018 ist Dell Technologies wieder an der Börse kotiert und wird aktuell zu rund 75 Mrd. $ bewertet. In einem facettenreichen Porträt blickt das Wirtschaftsblatt «Forbes» auf Michael Dells Karriere als IT-Entrepreneur zurück und deutet an, was er als Nächstes planen könnte.
  • Das Metaverse gilt als einer der grossen Zukunftstrends in der IT-Industrie. Unter dem unscharf definierten Begriff wird im Wesentlichen die Verschmelzung der realen mit der virtuellen Welt verstanden. Von Facebook über Microsoft und Amazon bis hin zu Nvidia positionieren sich Schwergewichte der Branche mit bedeutenden Investitionen dafür. Doch was ist das Metaverse eigentlich genau? Alle Antworten dazu gibt es in dieser Sonderausgabe des Podcast «Techmeme Ride Home». Zu Gast ist Janine Yorio von der Venture-Capital-Plattform Republic.
  • Mit dem Klimawandel droht die Flutung von Kaliforniens Küstenregionen. Das stellt auch ein Risiko für die Tech-Giganten aus dem Silicon Valley dar. Speziell für das Firmenareal am Hauptsitz von Google und Facebook besteht Überschwemmungsgefahr. Klar ist, dass in den kommenden Jahren für Milliarden von Dollars Schutzvorrichtungen gebaut werden müssen. Doch wer soll das finanzieren? Private Konzerne oder die Steuerzahler? Dieser Frage geht das öffentlich-rechtliche Nachrichtenmagazin «NPR» in einer Reportage mit eindrücklichen Bildanimationen nach.

Und zum Schluss noch dies: The Big Bust

Eigentlich deutet an diesem Sommerabend wenig auf einen der grössten Drogenfunde in der Geschichte Amerikas hin: Am letzten Donnerstag um 17:30 Uhr versucht ein Lastwagen aus Mexiko, den Zoll am kalifornischen Grenzbezirk Otay Mesa im Grossraum San Diego zu passieren. Gemäss den Dokumenten des Fahrers hat der Truck bloss Plastikteile geladen.

Doch dann schlägt ein Computer-basiertes Kontrollsystem Alarm. Als die Behörden die Fracht genauer inspizieren, entdecken sie einige ungewöhnliche Pakete, die in den Plastikteilen versteckt sind. Wie die «San Diego Union-Tribune» berichtet, signalisiert zudem ihr Drogenhund, dass etwas nicht stimmt.

Wie sich später herausstellt, hat der Lastwagen mehr als 5’228 Pfund (rund 2’500 Kilogramm) Methamphetamin geladen, auch bekannt als Crystal Meth. Hinzu kommen rund 50 Kilogramm Fentanyl, ein künstliches Opioid, das rund 70- bis 120-mal so potent sein kann wie Morphin. Gemäss der Drogenbekämpfungsbehörde DEA wurde bei einer Razzia in den USA noch nie eine derart grosse Menge Methamphetamin sichergestellt.

Bereits letzten Oktober wurden am gleichen Zoll rund 3000 Pfund des psychedelischen Rauschmittels beschlagnahmt. Damals sagten die Behörden, dass es sich um den zweitgrössten Fund handle. Den «Allzeitrekord» hielt zu diesem Zeitpunkt eine Konfiszierung vom Dezember 2019 im Umfang von 5000 Pfund in Texas.

Wie der DEA-Jahresbericht für 2020 festhält, wird das meiste Methamphetamin, das in Amerika illegal gehandelt wird, in Mexiko von den Drogenkartellen produziert und dann über die südwestliche Grenze der USA transportiert. Fans des Kult-Serie «Breaking Bad» sind diese Fakten gut bekannt.

Die Zahl tödlicher Vergiftungen mit Crystal Meth hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Das, zumal der Stoff meist einen hohen Grad an Reinheit und Potenz aufweist, relativ günstig erhältlich ist und landesweit immer häufiger konsumiert wird. Gemäss den neuesten Daten erlagen 2018 fast 12’700 Menschen in den USA an einer Überdosis wegen Missbrauchs von Methamphetamin oder anderen Psychedelika. 2008 waren es rund 1300 Tote.

Gleichzeitig haben Unfälle bei der illegalen Produktion von Methamphetamin deutlich abgenommen. Im Jahr 2010 gingen noch fast 15’300 sogenannte «Meth Labs» in die Luft. 2019 sank die Zahl auf 890. Derweil werden an der Grenze zusehends grössere Mengen beschlagnahmt. 2019 stellten die US-Behörden insgesamt rund 68,4 Tonnen Methamphetamin sicher, eine Zunahme von 74% gegenüber dem Vorjahr.

Die Zollfahnder an der Grenzstation Otay Mesa stellten den Rekordfund letzte Woche allerdings nicht unmittelbar sicher. Stattdessen versteckten sie einen GPS-Tracker im Lastwagen und liessen ihn zunächst passieren. Darauf folgten sie dem Truck heimlich, bis ihn der Fahrer auf einem privaten Parkplatzareal abstellte, die Schlüssel unter der Motorhaube deponierte und sich aus dem Staub machen wollte.


Herzliche Grüsse von der US-Westküste und hoffentlich bis nächste Woche,

Christoph Gisiger