The Pulse

Nukleartechnologie - Chancen und Risiken für Investoren

Wie ein Bericht der Europäischen Kommission andeutet, könnte Atomkraft bald das Gütesiegel als «grüne Investition» zur Reduktion des CO2-Ausstosses bei der Stromproduktion erhalten. Grund genug, um einen genaueren Blick auf die Nukleartechnologie zu werfen.

Christoph Gisiger
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«Buy the rumor, sell the news»: Etwa so liess sich am Dienstag die Reaktion auf den mit Spannung erwarteten Investorentag von Applied Materials interpretieren.

Die Aktien des weltgrössten Halbleiterzulieferers zählen dieses Jahr zu den grössten Gewinnern. Allein seit Anfang März verzeichnen sie eine Avance von 17%, seit Ende 2020 sind es fast 62%. Kein anderer bedeutender Titel im Chipsektor schneidet besser ab.

Mitverantwortlich für den Optimismus ist das Wettrüsten in der Branche. Mit TSMC, Samsung und Intel haben drei führende Hersteller in den vergangenen Wochen angekündigt, ihre Fertigungskapazitäten deutlich auszubauen. Zudem akzentuieren Lieferengpässe die generell wachsende Relevanz der Branche.

Vor diesem Hintergrund waren die Erwartungen an Applied Materials gestern hoch angesetzt. CEO Gary Dickerson sprach zwar grosse Zuversicht aus. Konkret stellt er in Aussicht, dass der Konzern die Einnahmen bis 2024 von aktuell gut 18 auf annähernd 27 Mrd. $ steigern, die Profitabilität überproportional ausbauen und künftig 80 bis 100% des freien Cashflows ausschütten wird.

Seine Präsentation beeindruckte die Börse jedoch kaum. Die Aktien gingen am Dienstag 2,5% tiefer aus dem Handel. Das Branchenbarometer PHLX Semiconductor Index büsste 1,2% ein. Auch andere Ausrüster wie Lam Research und KLA verzeichneten Abgaben:

Applied Materials

Performance seit Anfang Jahr, in %
Applied Materials
KLA
Lam Research
PHLX Semiconductor Index
Nasdaq 100

Entscheidende Impulse für die weitere Entwicklung im Tech-Sektor wird es in knapp zwei Wochen geben, wenn die ersten Quartalsabschlüsse eintreffen. Den Anfang macht IBM am 19. April, danach folgen Netflix und Intel. Mit Apple und Facebook haben zudem die ersten zwei Superschwergewichte bekanntgegeben, dass sie am 28. April über den Geschäftsgang rapportieren werden.

Ein Thema, das derzeit wie die Chipindustrie für viel Aufmerksamkeit an der Börse sorgt, ist die Kerntechnologie. Aus diesem Grund befasst sich «The Pulse» heute mit der Frage, wie es um die Chancen für eine Renaissance der Nuklearindustrie steht und was das für Investoren bedeuten könnte.

Die Ausgangslage

Die Meldung erhitzt die Gemüter: Wie ein durchgesickerter Bericht der Europäischen Kommission andeutet, könnte Atomkraft bald das Gütesiegel als «grüne Investition» zur Reduktion des CO2-Ausstosses bei der Stromproduktion erhalten.

Ein definitiver Entscheid aus Brüssel wird erst im Juni erwartet. Bereits jetzt protestieren Umweltorganisationen wie Greenpeace aber entschieden gegen ein solches Plazet. Hört man demgegenüber wirtschaftsfreundlichen Interessenverbänden zu, wird Kernkraft als einziger Weg zur Entschärfung des Klimawandels und zu einer nachhaltigen Elektrizitätsversorgung gepriesen.

Die Affiche verdeutlicht, wie kontrovers die Technologie bis heute ist. Und das bald siebzig Jahre nachdem ein experimenteller Reaktor in Arco, Idaho, am 20. Dezember 1951 erstmals Strom mithilfe von Kernspaltung generierte.

Als guter Ansatz für allfällige Investmententscheide bietet sich deshalb ein Überblick zur globalen Ausgangslage an.

Atomkraft kommt gegenwärtig für lediglich rund 10% der weltweiten Stromproduktion auf. Der mit Abstand grösste Produzent ist Amerika, wo über neunzig Reaktoren in Betrieb sind. Ihr Durchschnittsalter tendiert gegen vierzig Jahre, die installierte Kapazität beläuft sich auf rund 95’000 Megawatt (MW):

Reaktorflotten nach Land

Kapazität in 1000 MW

Anders sieht es bei Investitionen in die Kerntechnologie aus. Gemäss der World Nuclear Association baut China seine Reaktorflotte mit Abstand am schnellsten aus. Auf neue Werke setzen primär ebenso Südkorea, Indien, die Arabischen Emirate, die Türkei sowie Grossbritannien:

Im Bau befindliche Reaktoren

Kapazität in 1000 MW

Obschon inzwischen zehn Jahre vergangen sind, lastet das Unglück der Kernanlage Fukushima Daiichi noch immer schwer auf der Branche. Japan will seine stillgelegten Reaktoren wieder hochfahren. Der Prozess verläuft jedoch langwierig und Branchenbeobachter erwarten, dass Nippons Nuklearflotte erst gegen 2030 wieder vollumfänglich in Betrieb ist.

Derweil wenden sich in Europa diverse Länder von der Kernkraft ab. Deutschland will bis Ende 2022 den vollständigen Ausstieg vollziehen. Andere Staaten wie Spanien, Belgien und die Schweiz wollen dem Beispiel in den kommenden Jahren folgen. Auch die USA legten 2020 mehrere Reaktoren still, dieses Jahr sind weitere Abstellungen geplant.

Weltweit ist die Produktion von Atomstrom mit rund 2700 Mrd. Kilowattstunden 2019 erstmals leicht über das Niveau von vor der Katastrophe in Fukushima gestiegen. Der Grund dafür ist vorab der Kapazitätsausbau in Asien:

Globale Stromerzeugung durch Kernenergie

in Terawattstunden (TWh)

Etwas Bewegung ist auch in den Uranpreis gekommen, der aktuell auf gut 31 $ pro Pfund notiert. Zum Vergleich: Nach der Überflutung der kanadischen Mine Cigar Lake war er während der letzten Rohstoffhausse im Jahr 2007 auf einen Spitzenwert von 136 $ geklettert. Vor Fukushima belief er sich auf rund 70 $:

Quelle: Bank of America

Die Schlüsselfrage ist jetzt natürlich, wie es mit der Branche in den nächsten Jahren weitergeht. Schauen wir uns deshalb den Bull Case wie auch den Bear Case für Kernenergie genauer an.

Der Bull Case

Für Kernenergie spricht, dass sie praktisch CO2-frei ist. Sie bietet sich damit als Lösung zur Erreichung von Klimazielen wie dem Pariser Abkommen an; speziell, wenn der Stromverbrauch durch den Trend zu Elektroautos und den generellen Verzicht auf fossile Brennstoffe deutlich zunimmt.

Hinzu kommen ökonomische Argumente. Kernkraftwerke produzieren Bandstrom, der rund um die Uhr konstant zur Verfügung steht. Sie sind damit ein optimaler Ersatz von Kohlekraftwerken, die ein ähnliches Produktionsprofil aufweisen. Demgegenüber ist der Output von erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind volatil und nicht immer zuverlässig.

Anders als Gas bei fossilen Kraftwerken macht Uran als Brennstoff bei Kernanlagen ausserdem nur einen geringen Teil der Gestehungskosten aus. Selbst wenn der Uranpreis deutlich steigen sollte, ist der Einfluss der variablen Kosten auf die Profitabilität eines Atomkraftwerks daher relativ gering. Umgekehrt fällt bei den Fixkosten ein hoher Aufwand für den Bau und später für die Instandhaltung sowie für den Rückbau und für die Entsorgung an.

Tendenziell ist die Grundstimmung freundlicher als auch schon. In den USA beispielsweise hat Präsident Biden Anfang April erklärt, dass Kernenergie zu seinem 2 Bio. $ umfassenden Infrastrukturplan zähle. Beabsichtigt ist die Entwicklung kleinerer, modular einsetzbarer Reaktoren, für die sich auch prominente Exponenten aus der Tech-Branche wie Bill Gates stark machen.

«Die grosse Story ist jedoch Asien», sagt Jonathan Hinze von UxC, einer führenden Researchfirma zum globalen Markt für Uran. «50% des weltweiten Wachstums der Branche werden auf China entfallen», fügt Hinze im Gespräch hinzu.

Die Zentralregierung in Peking hat vor wenigen Wochen bei der Verabschiedung des neuen Fünfjahresplans angekündigt, dass China die Kapazität seiner Reaktorflotte bis 2025 um rund 20 auf 70’000 MW ausbauen will. Bis 2030 wird ein Park von Kernanlagen mit insgesamt rund 100'000 MW Leistung angestrebt.

Eine wichtige Rolle dürfte auch Indien spielen, wo die Elektrizitätswirtschaft wie in China gegenwärtig stark auf Kohle ausgerichtet ist. Gemäss Schätzungen von Scotiabank könnte die weltweite Kapazität von Atomanlagen damit bis 2035 auf annähernd 400'000 MW (oder 400 Gigawatt, GW) zunehmen:

Quelle: Scotiabank

Entsprechend bedeutet ein solches Szenario einen wachsenden Bedarf an Uran. Als grobe Faustregel gilt, dass ein typischer Reaktor mit einer Leistung von rund 1000 MW (etwa das KKW Gösgen) pro Jahr rund 320’000 bis 430’000 Pfund Uran verbrennt.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich der Markt in den letzten Jahren besser ausbalanciert hat. Gemäss Schätzungen von Scotiabank dürfte sich die Nachfrage nach Uran dieses Jahr auf knapp 187 Mio. Pfund belaufen. Dem steht ein Angebot (inklusive Sekundärquellen wie Recycling von Nuklearsprengköpfen) von gut 153 Mio. Pfund gegenüber:

Globaler Markt für Uran

In Mio. Pfund
Nachfrage
Angebot
Prognose (ab 2021)

Aus Investorensicht spricht diese Konstellation für Aktienengagements in Förderkonzerne wie Cameco aus Kanada, Kazatomprom aus Kasachstan oder Energy Resources aus Australien. Besonders interessant ist daran, dass diese Unternehmen nach einer langen Baisse tief bewertet sind.

Doch setzen wir uns jetzt auch mit kritischen Aspekten auseinander.

Der Bear Case

Was auf den ersten Blick nach einem strukturellen Angebotsdefizit im Markt für Uran aussieht, stellt sich bei genauerer Betrachtung nur teilweise als richtig heraus. Das liegt daran, dass die Vorräte vieler Reaktorbetreiber in den Jahren nach Fukushima massiv gestiegen sind.

Exakte Zahlen gibt es dazu nicht, denn solche Informationen unterliegen grösstenteils der Geheimhaltung. Auch ist für die Verwendung von Uran als Brennstoff eine ganze Reihe von Aufbereitungsprozessen erforderlich, sodass der Lagerbestand auf jeder Stufe der Produktion variieren kann.

Fest steht aber: Auf dem gegenwärtigen Preisniveau ist der Abbau von Uran wenig profitabel. Mit den Minen McArthur River in Kanada und Langer Heinrich in Namibia sind deshalb zwei bedeutende Standorte seit 2018 bis auf Weiteres stillgelegt.

Wegen der Pandemie hatte Cameco letztes Jahr ausserdem den Betrieb von Cigar Lake für mehrere Monate eingestellt. Im Dezember wurde die Förderung erneut sistiert. Im Markt wird erwartet, dass der Abbau im zweiten Quartal wieder beginnt.

Steigt der Uranpreis, wird der Abbau von Uran attraktiver. Ergo: das Angebot steigt wieder. Wenn überhaupt, dürfte der Markt daher frühestens gegen Ende dieses Jahrzehnts wirklich in einen Engpass geraten.

Bis dahin kann – und wird - noch viel passieren. Auch ist erst im nächsten Jahrzehnt mit dem kommerziellen Einsatz neuer Technologien wie modulartig einsetzbaren Reaktoren zu rechnen, und auch in dieser Beziehung ist vieles Ungewiss.

Generell bewegt sich die Branche nur sehr langsam. Als mögliches Vorzeigebeispiel für das Comeback der Kernenergie wurde in Kontinentaleuropa 2005 bzw. 2007 mit dem Bau zweier neuer Reaktoren in Finnland (Olkiluoto) und Frankreich (Flamanville) gestartet. Nach diversen Verzögerungen und massiven Kostenüberschreitungen wird zum aktuellen Stand frühestens 2022 respektive 2023 mit der Inbetriebnahme gerechnet. Ein weiterer Verzug würde nicht überraschen.

In den USA sieht es nicht viel anders aus. Der Bau von zwei Reaktoren in South Carolina (Virgil C. Summer) wurde im Sommer 2017 mit einem desaströsen Verlust von 9 Mrd. $ abgebrochen. Läuft alles nach Plan, dürften Ende 2021 oder Anfang 2022 zwei neue Anlagen in Georgia (Vogtle) ans Netz gehen. Auch dort beläuft sich die Verzögerung inzwischen auf rund fünf Jahre und die Kosten betragen mit 28 Mrd. $ das Doppelte des ursprünglichen Budgets.

Aus wirtschaftlicher Sicht haben Stromkonzerne im Westen in der Praxis daher wenig Anreiz, neue Atomkraftwerke in Angriff zu nehmen. Gerade in den USA sind viele Kernanlagen angesichts der geringen Gestehungskosten von Gaskraftwerken kaum oder nicht rentabel.

«In deregulierten Elektrizitätsmärkten wie Kalifornien oder New England hat der Bau neuer Reaktoren angesichts der tiefen Strompreise so gut wie keine Chance», meint dazu UxC-CEO Hinze. «Auch in anderen Teilen der USA wird kaum ein Versorger ohne erhebliche Subventionen ein solches Riesenprojekt mit erwarteten Baukosten von rund 10 Mrd. $ starten.»

Ausser Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit kommen politische Erschwernisse wie langwierige Bewilligungsprozesse und Abstimmungen hinzu. Das gilt auch für Endlager, wie das schwierige Unterfangen der Nagra in der Schweiz bei der Bestimmung eines Standortes demonstriert. Nicht auszudenken, wenn es trotz aller gegenteiligen Versicherungen irgendwo auf der Welt abermals zu einem gravierenden Störfall kommt.

Probleme dieser Art stellen sich in Ländern wie China zwar weniger. Selbst dort mussten Prognosen zum Kapazitätsausbau in den letzten Jahren aber immer wieder nach unten revidiert werden:

Quelle: Scotiabank

Wie in anderen staatlich kontrollierten Sektoren (z.B. Raumfahrt) ist es für Privatanleger schliesslich nicht einfach, seriös zu investieren.

Was beispielsweise den Bau von Atomkraftwerken betrifft, gehört der russische Staatskonzern Rusatom zu den führenden Wettbewerbern, der Indien, China sowie die Türkei zu seinen Hauptkunden im Ausland zählt und von Moskau geostrategisch eingesetzt wird.

Fazit für Investoren

Das Narrativ eines Revivals der Kernenergie regt an der Börse die Fantasie an. Der Global X Uranium ETF, der in knapp vierzig Gesellschaften rund ums Thema Atomkraft investiert, ist seit Anfang Oktober um 90% gestiegen.

Einzeltitel von kleineren Uranfördergesellschaften wie Energy Fuels, Denison Mines oder NexGen Energy sind rund 130 bis 260% vorgeprescht. Cameco und Kazatomprom, die aktuell einzigen zwei Förderkonzerne mit nennenswerten Einnahmen, notieren gut 70% bzw. 85% im Plus:

Aktien von Uranfördergesellschaften

Performance seit Anfang Oktober, in %
Cameco
Kazatomprom
Denison Mines
NexGen Energy
Energy Fuels
Global X Uranium ETF
S&P 500

Das wachsende Interesse an der Branche reflektiert sich auch darin, dass Finanzgesellschaften wie der in London kotierte Investmentfonds Yellow Cake in den letzten Wochen reichlich Geld aufnehmen konnten, um in Antizipation steigender Preise am Spotmarkt Uran zu kaufen. Förderer wie Denison Mines oder Uranium Energy haben sich in den vergangenen Tagen zu demselben Zweck ebenfalls Mittel von Investoren beschafft.

Von grösseren Exzessen kann zwar keine Rede sein. Solche Entwicklungen wecken jedoch ungute Erinnerungen an die wilde Spekulationsblase während der Jahre 2005 bis 2007, als Hedge Funds wie QVT Financial in den Markt für Uran einstiegen, um im grossen Stil auf höhere Preise zu wetten – mit ernüchterndem Resultat.

Wer sich im Sektor engagieren will, hält sich deshalb am besten an einen gestandenen Konzern wie Cameco. Das zu rund 7 Mrd. $ bewertete Unternehmen mit Sitz in der kanadischen Provinz Saskatchewan kontrolliert zusammen mit Kazatomprom de facto das globale Fördergeschäft, weist eine gesunde Bilanz auf und ist optimal positioniert, falls es tatsächlich zur Hausse im Uranmarkt kommen sollte.

Der langfristige Kursverlauf zeigt, dass die in Toronto und New York kotierten Aktien von Cameco historisch nach wie vor zu einem markanten Abschlag handeln. Allerdings haben sich die Titel in den letzten Monaten relativ deutlich vom Uranpreis gelöst:

Cameco vs. Uranpreis

Performance seit Mai 2007, in %
Cameco
Uranpreis

Aus taktischen Gründen könnte es sich deshalb lohnen, für Engagements einen Rücksetzer abzuwarten.

Kennzahlen zu den besprochenen Unternehmen

Börsenwert Umsatz KBV Rendite
CamecoKanada7,114341,80,4
KazatompromKasachstan7136635
Energy ResourcesAustralien0,71954,1-
Denison MinesKanada1114,6-
Ur-EnergyUSA0,286,2-
Energy FuelsUSA0,925,6-
Uranium ParticipationKanada0,611,2-
Global AtomicKanada0,418-

Deep Diving

An dieser Stelle präsentieren wir wie immer drei Links, die einen vertieften Einblick in ein aktuelles Thema geben:

  • Apple ist die grösste Erfolgsstory im Tech-Sektor des letzten Jahrzehnts. Doch wie geht es nun mit dem Branchenleader weiter? Wen diese Frage interessiert, hört sich am besten das Interview mit Apple-Chef Tim Cook im Podcast «Sway» von Kara Swisher an. Cook spricht über Apples forcierte Strategie zum Schutz der Privatsphäre von Nutzern, verteidigt die umstrittene Machtstellung des Konzerns gegenüber App-Entwicklern, und äussert sich zur Fehde mit Facebook und zu künftigen Innovationen wie dem mysteriösen Projekt für einen Apple Car.
  • Amerika macht mit den Impfungen vorwärts. Präsident Biden hat am Dienstag angekündigt, dass ab dem 19. April alle Erwachsenen in den USA für ein Covid-Vakzin berechtigt sind. Mit Kalifornien will der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat ab Mitte Juni fast alle Restriktionen im öffentlichen Leben aufheben. Möglich ist das primär dank dem Forschungsdurchbruch bei mRNA-Impfstoffen. Das Magazin «The Atlantic» zeigt auf, wie die neue Technologie künftig auch die Behandlung anderer Krankheiten revolutionieren könnte.
  • Anne Wojcicki, Gründerin von 23andMe, Ex-Frau von Google-Guru Sergey Brin und Schwester von YouTube-CEO Susan Wojcicki, dürfte bald selbst in den Club der Superreichen aus dem Silicon Valley aufsteigen. Ihr Unternehmen, das auf DNA-Tests zur Familiengeschichte von Privatpersonen spezialisiert ist, soll im zweiten Quartal durch einen SPAC-Deal an die Börse kommen. Bewertung: bis zu 3,6 Mrd. $. Der Anteil von Wojcicki würde sich damit auf über 1 Mrd. $ belaufen. «Business Insider» hat ein facettenreiches Porträt über die Entrepreneurin verfasst.

Und zum Schluss noch dies: Grand Theft Auto

Gelegenheit macht Diebe. Das gilt ebenso für steigende Rohstoffpreise, wie eine Welle von Entwendungsdelikten in ganz Amerika zeigt. Bevorzugtes Objekt der Langfinger sind dabei nicht etwa Bargeld, Schmuck oder Kunst, sondern Autokatalysatoren.

Der Grund dafür ist klar: Um Schadstoffe in Abgasen herauszufiltern, enthalten Katalysatoren Edelmetalle wie Palladium und Rhodium. An der Rohwarenbörse Nymex ist der Preis für Palladium in den letzten drei Jahren fast 200% gestiegen. Die Notierung für Rhodium ist im selben Zeitraum von rund 2000 auf bis zu 30’000 $ pro Unze geklettert.

Das sorgt für geschäftiges Treiben auf dem Schwarzmarkt für Autokatalysatoren. Gewusst wie, können diese in wenigen Minuten vom Unterbauch eines Autos herausgesägt und dann für mehrere hundert Dollar an Schrotthändler verkauft werden. Darauf werden die gestohlenen Exemplare an Recycling-Werke weiterverkauft, um die Edelmetalle zu extrahieren.

Ein aufsehenerregender Coup gelang in diesem Zusammenhang vor wenigen Tagen der Polizei im Grossraum der Autocity Los Angeles. Diebstähle von Katalysatoren haben hier letztes Jahr um 400% zugenommen. Nach einer Razzia an vier verschiedenen Orten stellte der Sheriff des Bezirks Santa Clarita Valley 250 gestohlene Katalysatoren zum Gesamtwert von 750’000 $ sicher.

Im Zug der Polizeiaktion wurden neunzehn Personen verhaftet. Das Problem ist damit aber längst nicht gelöst. So mussten letztes Jahr in ganz Kalifornien rund 90% mehr Katalysatoren ersetzt werden als 2019. Gemäss dem Fachmagazin «Car and Driver» wird von Wichita, Kansas, über Lynchburg, Virginia, und South Bend, Indiana, bis nach Manchester, New Hampshire, überall in den USA eine Zunahme von Diebstählen gemeldet.

Eine simple Lösung, um Gaunern das Handwerk zu legen, wendet eine Autowerkstatt in Milwaukee an: Um präventiv zu verhindern, dass sie unter einen Wagen kriechen und den Katalysator entwenden können, wird während der Wartezeit bis zur Reparatur einfach die Luft aus den Reifen gelassen.


Herzliche Grüsse von der US-Westküste und hoffentlich bis nächste Woche,

Christoph Gisiger