The Pulse

Showdown im Tech-Sektor

Auch für das dritte Quartal erwarten Analysten ein deutliches Wachstum der Unternehmensgewinne. The Pulse beleuchtet die Ausgangslage vor der Berichtssaison in den Bereichen Halbleiter sowie Social Media/Streaming.

Christoph Gisiger
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Der «Turnaround Tuesday» wird seinem Namen gerecht: Nachdem Aktien aus dem Tech-Sektor zu Wochenbeginn einen happigen Rücksetzer erlitten hatten, ist es am Dienstag zur Gegenbewegung gekommen.

Der Nasdaq 100 📈 ging am Abend 1,4% fester aus dem Handel. Auftrieb gaben dem Tech-Barometer vor allem Netflix und Nvidia sowie die Superschwergewichte Microsoft, Google und Facebook. Das, nachdem speziell die Aktien von Facebook zu Wochenbeginn im Zug des grossflächigen Ausfalls und kritischer Aussagen einer Whistleblowerin unter Druck geraten waren.

Trotz des Rebounds bleibt das Umfeld für Tech-Aktien anspruchsvoll. Gemessen am letzten Rekordhoch vom 7. September notiert der Nasdaq 100 noch immer 6,4% im Minus. Das ist der grösste Rückschlag seit dem Doppelschock vom letzten Frühjahr, als steigende Zinsen im Sektor für Turbulenzen sorgten:

Auf den ersten Blick sieht das nicht allzu dramatisch aus. Unter der Oberfläche ist der Schaden aber erheblich grösser. Gemäss dem Datendienst S&P Global Market Intelligence bewegen sich inzwischen drei Viertel der Titel aus dem Nasdaq 100 mehr als 10% unter dem 52-Wochen-Hoch. Zu den raren Ausnahmen zählen Namen wie Microsoft, Google, Netflix, Texas Instruments, Cisco Systems und Electronic Arts.

Wie Liz Ann Sonders, die vielbeachtete Marktstrategin von Charles Schwab, festhält, handeln momentan nur 59% der Werte im Tech-Index über dem gleitenden Durchschnitt der letzten zweihundert Tage. Das ist der geringste Prozentsatz seit Mai 2020:

Wie so oft in den vergangenen Jahren dürften diverse Anleger den Rückschlag vom Montag für Zukäufe genutzt haben. Wer bisher beim breiten US-Leitindex S&P 500 auf eine «Buy the Dip»-Strategie setzte, ist schliesslich stets gut gefahren.

Anders sieht es bei populären Wetten auf Wachstumstitel aus. Beliebte Spekulationsvehikel wie der ARK Innovation ETF, der IPO-ETF von Renaissance Capital oder der Clean Energy ETF von BlackRock haben sich seit dem letzten grossen «Dip» vom Frühjahr wenig berauschend entwickelt und notieren noch immer unter dem Hoch vom Februar.

Eine mögliche Erklärung dafür mag sein, dass sich die Grundvoraussetzungen verändert haben. Die Zinsen tendieren seit Ende August erneut nach oben, was vielen teuren Wachstumswerten ohne sichere Gewinnaussichten nicht behagt. Erneut kommt die kritische Phase von Anfang Sommer 2013 in den Sinn, als die US-Notenbank die Drosselung des Stimulusprogramms QE3 ankündigte und die Renditen am Bondmarkt einen Satz nach oben machten.

Während dem «Taper Tantrum» von damals schnitten Aktien aus den Bereichen «Wachstum» und «Risiko» am schwächsten ab. Besser hielten sich Valoren aus den Kategorien «Value» und «Qualität»:

Quelle: Bank of America

Ein vergleichbares Muster liess sich bereits beim Zinsschock von Anfang Jahr beobachten. Gut denkbar ist daher, dass der Verlauf der Zinsen auch in den nächsten Wochen den Takt an den Börsen vorgibt. Für das weitere Geschehen am Bondmarkt dürften ausser der Geldpolitik ebenso das Poker in Washington um neue Konjunkturmassnahmen sowie die Wirtschaftsentwicklung in China entscheidend sein.

Mit den Unternehmensabschlüssen zum dritten Quartal kommt in den nächsten Tagen ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu. Aus diesem Grund befasst sich «The Pulse» in der heutigen Ausgabe mit einer Vorschau auf die Berichtssaison im Tech-Sektor.

Das Terrain wird anspruchsvoller

Corporate America hat im ersten Halbjahr einen gewaltigen Wachstumsschub verzeichnet. Zu verdanken war er massgeblich der tiefen Vergleichsbasis aus dem letzten Jahr, als die Pandemie die Weltwirtschaft erschüttert hatte.

Doch nun wird das Terrain anspruchsvoller. Auch für das dritte Quartal erwarten Analysten zwar erneut eine deutliche Zunahme der Unternehmensgewinne. Weil sich die Konjunktur ab dem zweiten Semester 2020 aber sukzessive zu erholen begann, wird die Messlatte künftig immer höher angesetzt. Sprich: Das Gewinnwachstum verlangsamt sich zwangsläufig.

Gemäss dem Researchhaus Refinitiv rechnen Analysten beim S&P 500 für das abgelaufene Quartal mit einem Ergebniszuwachs von etwas mehr als 29%. Für den Tech-Sektor, der für rund ein Fünftel der Unternehmensgewinne im US-Leitindex aufkommt, prognostizieren sie eine Steigerung in etwa gleichem Umfang.

Langfristige Gewinnentwicklung

Ergebnisveränderung zur Vorjahresperiode, in %
S&P 500
IT-Sektor
Prognose (ab Q3 2021)

Wie die obige Grafik veranschaulicht, hat das Gewinnwachstum den Zenit Mitte Jahr überschritten. Investoren werden sich daher weniger auf die Zahlen zum dritten Quartal selbst, sondern primär auf den Ausblick konzentrieren. Aktuell gehen Analysten beim S&P 500 für die laufende Berichtsperiode per Ende Dezember von knapp 6% Gewinnwachstum aus. Für den Tech-Sektor sind es leicht mehr als 5%.

Im «Pulse» von letzter Woche haben wir darauf hingewiesen, dass US-Konzerne die Prognosen in den vergangenen Quartalen wesentlich stärker übertreffen konnten, als sonst üblich. Das könnte dieses Mal schwieriger werden. Ein Hauptgrund dafür ist, dass sich bei vielen Unternehmen Probleme mit Lieferketten in den vergangenen Monaten akzentuiert haben – ein Umstand, auf den auch Fed-Chef Jay Powell letzte Woche bei seinem Auftritt vor dem US-Kongress explizit aufmerksam gemacht hat.

Die untenstehende Grafik von Morgan Stanley zeigt, wie gravierend die Situation ist. Noch nie haben sich so viele US-Konzerne während Ergebnispräsentationen, Investorentreffen oder anderen Anlässen über Schwierigkeiten mit Lieferketten beklagt:

Quelle: Morgan Stanley

Nach Branchen sind speziell Hersteller von Industriemaschinen von den Engpässen betroffen. Aber auch im Tech-Sektor kämpfen Unternehmen aus Segmenten wie Elektronik- und Telecomequipment sowie Halbleiter mit dem gleichen Problem:

Quelle: Morgan Stanley

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Analysten ihre Gewinnschätzungen zum dritten Quartal für den Tech-Sektor praktisch unverändert belassen haben. In den letzten vier Wochen haben sie Ergebnisprognose für den Halbleitersektor sogar um knapp 1% erhöht.

Als nächstes schauen wir uns deshalb die Ausgangslage vor der Berichtssaison in den Bereichen Halbleiter sowie Social Media/Streaming im Detail an. Das, weil dort in den kommenden Tagen am meisten kursbewegende Nachrichten eintreffen könnten.

Der Halbleitersektor läuft heiss

Der Chipsektor verzeichnet ein absolutes Rekordjahr. Wie der Branchenverband SIA zu Wochenbeginn meldete, ist der globale Umsatz mit Halbleitern im August gegenüber dem Vorjahresmonat fast 30% gestiegen. Im Vergleich zum Juli resultiert ein sequenzielles Wachstum von gut 3%:

Quelle: SIA

Besonders kräftig hat der Absatz erneut im Memory-Segment mit 47% zugenommen. Der Rest der Branche hat den Umsatz insgesamt 25% gesteigert:

Quelle: Bernstein Research

Weitere Anhaltspunkte zur Absatzentwicklung werden in den kommenden Tagen die September-Zahlen der grossen Auftragsproduzenten TSMC und UMC aus Taiwan geben. Ebenso steht am Freitag der Ergebnisausblick von Samsung Electronics an.

Es würde nicht überraschen, wenn die meisten Halbleiterkonzerne erneut ausgezeichnete Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. Weniger klar ist der Ausblick für das vierte Quartal.

Das hat letzte Woche der Abschluss von Micron Technology gezeigt. Der grösste US-Hersteller von Speicherchips blieb mit der Prognose für das vierte Quartal hinter den Erwartungen zurück, wofür er temporäre Produktionsprobleme bei PC-Herstellern verantwortlich machte, denen es an anderen Komponenten fehle.

Inwiefern die Delle bei Micron nur vorübergehender Natur ist, wird sich zeigen. Aufhorchen lässt aber eine Warnung von Stacy Rasgon, einem der profiliertesten Halbleiter-Analysten auf der Sell Side. Der Branchenspezialist von Bernstein Research weist darauf hin, dass besonders im Autosektor derzeit deutlich mehr Chips ausgeliefert werden, als für die Produktion erforderlich sind.

Seinen Schätzungen nach wächst der Halbleiterabsatz in Relation zur effektiven Autoproduktion dieses Jahr fast 40% schneller als 2018 und 2019. Im Vergleich zu 2020 sind es 30%. Zudem gebe es Belege dafür, dass sich Lager in den Wertschöpfungsketten aufbauen, besonders bei direkten Zulieferern der führenden Fahrzeughersteller.

«Obschon das noch einige Zeit so weiter gehen kann, bereitet uns dieser Trend im Autosektor zusehends Unbehagen», hält Rasgon in einer Studie fest. Zu den Chipherstellern mit einem bedeutenden Exposure zur Autoindustrie zählen unter anderem Infineon, ON Semiconductor, NXP Semiconductors, STMicroelectronics und Texas Instruments. An der Schweizer Börse gilt das Gleiche für AMS.

Ähnliche Bedenken hat der Bernstein-Analyst mit Blick auf die PC-Industrie. Dank «Work from Home»-Arbeitsmodellen dürfte der PC-Absatz dieses Jahr nochmals deutlich über dem Niveau von vor der Pandemie liegen. Doch gemäss Rasgon haben die Auslieferungen von PC-Prozessoren die Verkäufe von Endgeräten in den letzten Quartalen jeweils um rund 30% übertroffen. Exponiert sind hier in erster Linie AMD und Intel.

Die Kontroverse um Facebook eröffnet Chancen

Bei den grossen Internetkonzernen laufen sich zwei massgebende Trends entgegen. Einerseits geben Unternehmen aus der Reise-, Hotel- und Unterhaltungsindustrie inzwischen wieder mehr Geld für digitale Werbung aus als während den schlimmsten Phasen der Pandemie. Andererseits verbringen Konsumenten weniger Zeit online.

Grundsätzlich dürfte das Geschäft von Branchenleadern wie Google und Facebook auch unter diesen Umständen weiterhin robust laufen, zumal sie generell davon profitieren, dass sich Werbegeldern immer mehr hin zu digitalen Anzeigen verlagern. Gerade im Fall von Facebook könnte der Kursrückschlag der letzten Tage damit sogar Chancen für Investoren eröffnen.

Dass der Social-Media-Riese einmal mehr für negative Schlagzeilen und Kontroversen sorgt, löst an der Börse zwar Verunsicherung aus. Wir bleiben für die Valoren aber weiterhin zuversichtlich, denn gerade der Systemausfall vom Montag hat verdeutlicht, wie wichtig die verschiedenen Dienste von Facebook für viele Kleinunternehmen und Privatpersonen sind.

Zur Erinnerung: Während des Cambridge-Analytica-Skandals um die US-Präsidentschaftswahlen sank der Kurs von Facebook bis Ende 2018 auf weniger als 125 $. Heute bewegt er sich auf über 330 $ und der Konzern ist an der Börse rund 1 Bio. $ wert.

Facebook

Performance seit Anfang Jahr, in %
Facebook
Google
Twitter
Nasdaq 100

Der wachsende Druck in der breiten Öffentlichkeit und in der Politik dürfte letztlich dafür sorgen, dass der Konzern endlich mehr Verantwortung gegenüber den fast 2,8 Mrd. Nutzern trägt, die Facebook, Instagram oder WhatsApp täglich verwenden. Aus einer nachhaltigen Perspektive ist das für Investoren begrüssenswert, auch wenn der Kurs wohl noch eine Weile volatil bleiben wird.

Gleichzeitig wird das Unternehmen auf absehbare Zeit kaum von seinem eindrücklichen Expansionskurs abkommen. Mit einer geschätzten Umsatzverbesserung von fast 40% in diesem Jahr (und 20% im nächsten) bleibt es eine hoch profitable Wachstumsmaschine, die im Vergleich zu vielen anderen Tech-Konzernen nicht teuer bewertet ist.

Facebook: operative Entwicklung

In Mrd. $
Umsatz
Gewinn
Prognose (ab 2021)

Im Gegensatz dazu sehen die Perspektiven für Netflix weniger erbaulich aus. Der Streaming-Pionier hat in den letzten Wochen mit dem Zukauf eines Videospielentwicklers, mit der Übernahme der Rechte an den Kindergeschichten des britischen Autors Roald Dahl sowie mit einem Deal für die kultige Comedyserie Seinfeld für Schlagzeilen gesorgt. Ebenso hat er bei den Emmy-Verleihungen brilliert.

Dem Aktienkurs hat das nach einer längerer Seitwärtsbewegung neue Fantasie eingehaucht: Die Titel von Netflix haben am Dienstag mit 634.81 $ auf einer neuen Bestmarke geschlossen.

Umso grösser ist das Risiko, dass es bei der Ergebnispublikation am 19. Oktober zur Enttäuschung kommt. Mit Disney und Comcast haben in den vergangenen Wochen zwei Branchenriesen gewarnt, dass sich die Nachfrage nach Streaming- bzw. Breitbandiensten mit dem Abklingen der Pandemie abgekühlt hat.

Dass sich Netflix diesem Trend entziehen kann, würde überraschen.

Netflix

Performance seit Anfang 2020, in %
Netflix
Disney
Comcast
Nasdaq 100

Deep Diving

An dieser Stelle präsentieren wir wie immer drei Links, die einen vertieften Einblick in ein aktuelles Thema geben:

  • IBM könnte mit Amazon, Microsoft und Google heute zu den führenden Anbietern von Cloud-Rechendiensten zählen. Um in diesem Segment aufzuholen, hat der Konzern im Sommer 2019 mit dem 34 Mrd. $ teuren Kauf von Red Hat die grösste Akquisition der Unternehmensgeschichte vollzogen. Bislang glaubt die Börse aber nicht an eine neue Wachstumsstory. Das Tech-Magazin «Protocol» legt dar, wie «Big Blue» die grosse Chance im Cloud-Geschäft verpasst hat.
  • Apple TV+ hat am Markt für Streaming-Dienste bislang bloss unter der Kategorie «ferner liefen» partizipiert. Vor wenigen Wochen hat der Tech-Riese bei den Emmy Awards jedoch gleich sieben Preise abgeräumt, drei davon für die Comedyserie «Ted Lasso». Diesen Herbst lanciert er in den Streaming-Kriegen nun eine weitere Offensive. Das Kulturbulletin «Observer» erklärt, was der Vorstoss für die Konzernstrategie von Apple bedeutet.
  • Das Wettrüsten im Chipsektor heizt sich weiter auf. Aus dem Riesenboom will die Halbleiterschmiede GlobalFoundries Kapital schlagen. Die frühere Fertigungssparte von AMD, die heute vom Emirat Abu Dhabi kontrolliert wird, hat zu Wochenbeginn bei der US-Börsenaufsicht SEC die Unterlagen für eine Kotierung an der Nasdaq eingereicht. Die Details zum geplanten IPO von «GloFo» fasst die Online-Redaktion von «CNBC» zusammen.

Und zum Schluss noch das: Electric Adventure

Der Hype um Elektrofahrzeuge (EV) hat sich spürbar abgekühlt. Seit die grosse Blase im Februar platzte, ist bei Themen-Fonds wie dem KARS-ETF oder dem IDRV-ETF Sand im Getriebe. Vormals glühend heisse Titel wie Nikola, Lordstown Motors oder Plug Power notieren 65 bis 85% unter dem 52-Wochen-Hoch. Selbst Tesla hat sich von der Korrektur nur partiell erholt.

Umso interessanter wird, was sich beim Börsendebüt von Rivian abspielt. Der 2009 gegründete EV-Hersteller, der ein Werk in Normal, Illinois, betreibt und im südkalifornischen Irvine domiziliert ist, hat Ende letzte Woche Unterlagen für eine Publikumsöffnung offengelegt.

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig. Mit dem R1T hat Rivian Mitte September den ersten strombetriebenen Pickup Truck vom Band gerollt. Bestellungen zum Preis von 67’500 bis 73’000 $ sollen ab Ende Jahr ausgeliefert werden, womit das Unternehmen vor Ford, GM und Tesla einen EV-Geländewagen auf dem amerikanischen Markt hat. Testberichte von Fachzeitschriften wie «Motortrend» fallen ausgesprochen positiv aus.

Klar ist, dass es um viel Geld geht. Das Unternehmen hat inzwischen rund 11 Mrd. $ an Investorengeldern aufgenommen, 10,5 Mrd. $ davon seit 2019. Wie aus den S1-Unterlagen hervorgeht, hat Rivian letztes Jahr etwas mehr als 1 Mrd. $ Verlust geschrieben. Allein im ersten Semester 2021 waren es fast nochmals so viel. Der Cash-Abfluss hat sich in den ersten sechs Monaten sogar auf rund 1,6 Mrd. $ summiert.

Konzernchef Robert Scaringe will bis Ende 2023 annähernd 8 Mrd. $ in den Ausbau der Produktionskapazität und in Infrastruktur wie Ladestationen und Servicestellen investieren. Im Fokus steht zunächst der Markt in den USA und Kanada, worauf bald eine Expansion nach Westeuropa folgen soll.

Um die ambitionierten Wachstumspläne zu finanzieren, öffnet sich Rivian jetzt dem breiten Börsenpublikum. Gemäss Forge, einem Sekundärmarkt für Aktien von Startup-Unternehmen, wurde die Firma bei der letzten Finanzierungsrunde der Serie F im Januar mit über 28 Mrd. $ bewertet. In den Medien wird spekuliert, dass die Firma einen Börsenwert von 70 bis 80 Mrd. $ anstrebe - etwa die Kapitalisierung von GM.

Ob sich Rivian als erfolgreicher Hersteller von Elektrofahrzeugen etablieren kann, hängt primär von Amazon ab. Der Online-Riese gehört zusammen mit Ford zu den grössten Investoren, wobei beide Konzerne einen Anteil von über 5% halten. Mit einer Rekordbestellung von 100’000 EV-Lieferwagen zur Auslieferung von Online-Bestellungen ist Amazon zugleich der mit Abstand wichtigste Kunde.

Da sich Amazon-Gründer Jeff Bezos und Teslas «Technoking» Elon Musk bereits mit ihren Weltraumunternehmen Blue Origin und SpaceX duellieren, zeichnet sich zwischen den beiden reichsten Männern der Welt damit eine weitere Rivalität ab. Tesla hat Rivian denn auch bereits verklagt, Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben.


Herzliche Grüsse von der US-Westküste und hoffentlich bis nächste Woche,

Christoph Gisiger