The Pulse

Spannende Dividenden-Aktien im Tech-Sektor

In der Technologiebranche richtet sich der Fokus zwar primär auf Wachstum. Inzwischen gibt es aber mehr und mehr Unternehmen, die zugleich eine attraktive Ausschüttung offerieren. The Market präsentiert die besten IT-Aktien für renditeorientierte Investoren.

Christoph Gisiger
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Die Nachricht lässt aufhorchen: Nach einem robusten Geschäftsgang im ersten Halbjahr kündigt der amerikanische Speicherchip-Hersteller Micron Technology an, seinen Aktionären per Stichdatum vom 1. Oktober erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Dividende auszuzahlen.

Mit 10 Cents je Titel und Quartal ist die Barausschüttung zwar noch bescheiden. Auf annualisierter Basis ergibt sich zum aktuellen Kurs lediglich eine Rendite von etwas mehr als 0,1%. Wie Micron-Finanzchef David Zinsner während eines Calls mit Analysten aber bekräftigte, will der Konzern die Dividende künftig kontinuierlich ausbauen.

Der Aufnahme einer Dividendenzahlung von jährlich rund 450 Mio. $ kommt damit Signalwirkung zu. Micron hat die Bilanz gestärkt und seit 2018 über Aktienrückkäufe rund 4 Mrd. $ an die Aktionäre ausgezahlt. Mit der künftigen Ausschüttungspolitik, die flexible Rückkäufe mit einer festen Barauszahlung kombiniert, kommuniziert der Speicherchip-Spezialist den Investoren, dass er sich erfolgreich neu ausgerichtet und einen Meilenstein in seiner Expansionsstrategie passiert hat.

Micron ist nicht der einzige Tech-Konzern, der seine Aktionäre mit einer grosszügigeren Ausschüttung angenehm überrascht. Von den taiwanischen Halbleiterproduzenten TSMC und UMC über den amerikanischen Equipment-Hersteller KLA bis hin zum 5G-Spezialisten Skyworks Solutions haben diverse Unternehmen aus dem Chip-Sektor in den letzten Wochen eine Dividendenerhöhung angekündigt, zum Teil zusammen mit weiteren Aktienrückkäufen wie im Fall von KLA und Skyworks.

Auch Titanen der Tech-Branche schütten immer bedeutendere Summen an Investoren aus. Google etwa hat Ende April ein neues Buyback-Programm im Umfang von 50 Mrd. $ gestartet. Apple hat eine weitere Runde Rückkäufe im Umfang von 90 Mrd. $ lanciert. Microsoft blickt bereits auf eine neunzehnjährige Geschichte ununterbrochener Dividendenerhöhungen zurück. Selbst Netflix kauft im Rahmen eines 5 Mrd. $ schweren Programms neuerdings eigene Titel zurück.

An der Schweizer Börse sind diesbezüglich ebenfalls positive Nachrichten von Tech-Unternehmen zu hören. Der Halbleiterzulieferer VAT zum Beispiel hat im März die erste Dividendenerhöhung seit dem Börsengang im Frühling 2016 angekündigt. Auch Branchennachbar Comet schüttet mehr Geld an die Aktionäre aus. Logitech hat 2013 die Zahlung einer Dividende aufgenommen und diese seither Jahr für Jahr erhöht.

Logitech: Dividend History

In $ pro Aktie

In der heutigen Ausgabe nimmt sich «The Pulse» diesem Trend deshalb im Detail an.

Cash is King

Die Pandemie ist zwar noch nicht ausgestanden. Auch bleibt weiterhin offen, ob die Weltwirtschaft nach der Krise vom letzten Jahr nachhaltig an Dynamik gewinnen wird. An den Leitbörsen in den USA sind Ausschüttungen aber bereits wieder «en vogue».

Das zeigt sich an den Ankündigungen von Aktienrückkäufen. Gemäss dem Researchdienst TrimTabs sind in der abgelaufenen Berichtssaison zum zweiten Quartal pro Tag durchschnittlich über sechs Buyback-Programme lanciert worden - mehr als in jeder anderen Abschlusssaison seit dem ersten Quartal 2008.

Auch die Zahlen zum Volumen sind beträchtlich. Insgesamt umfassten die angekündigten Rückkäufe im Durchschnitt 4,8 Mrd. $ pro Tag. Spitzenreiter sind Target (15 Mrd. $), Alibaba (8,8 Mrd. $) sowie Comcast (8 Mrd. $).

Im Fall des chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba erscheint mit Blick auf das regulatorische Umfeld in China zwar fraglich, ob er das Programm wie geplant umsetzen kann. Insgesamt umfassen die geplanten Rückkäufe jedoch das dritthöchste Volumen in den letzten drei Jahren. Nur in der Berichtssaison zu den beiden vorangegangenen Quartalen war es höher:

Ankündigungen von Aktienrückkäufen

Täglicher Durchschnitt während der Berichtssaison zum jeweiligen Quartal, in Mrd. $

Unternehmen aus dem Tech-Sektor sind eigentlich weniger für feudale Ausschüttungen bekannt. Das mag unter anderem damit zusammenhängen, dass es in der Branche viele junge Unternehmen gibt, die ihren Cashflow primär in Wachstum investieren und auf diesem Weg versuchen, am meisten Rendite für Investoren erzielen.

Mit dem Platzen der Internetblase mussten IT-Firmen zudem nach der Jahrtausendwende reihenweise Konkurs anmelden. Speziell Software-Unternehmen, die das «Massaker» überlebten, wollten ihren Kunden deshalb fortan mit einer kerngesunden Bilanz demonstrieren, dass sie auch in einigen Jahren noch als verlässlicher Geschäftspartner existieren. Entsprechend übten sie Zurückhaltung bei Ausschüttungen.

Bis heute sind Nettocash-Positionen auf den Bilanzen von IT-Firmen keine Seltenheit. Im Fall von Rekordhalter Google sind es sogar deutlich über 100 Mrd. $:

Tech-Konzerne mit den grössten Cash-Positionen

Nettobarmittel, in Mrd. $

Tendenziell sind Aktienrückkäufe im Tech-Sektor weiter verbreitet als Dividenden. Das mag historisch damit zusammenhängen, dass IT-Unternehmen ihre Mitarbeitenden traditionell zu einem wesentlichen Teil mit Optionen kompensieren und dafür eigene Titel am Markt kaufen. Auch ist das Stigma an der Börse in der Regel weniger schlimm, wenn man ein Buyback-Programm in einer schwierigen Phase stoppt, als wenn die Dividende gekürzt oder sogar ausgesetzt wird.

Im Zug des grossen Tech-Booms ist der Sektor heute sogar zur Nummer eins avanciert, wenn es um Rückkäufe geht. Eine wichtige Rolle spielte zuletzt, dass viele IT-Unternehmen verhältnismässig gut durch die Pandemie kamen und von Trends wie «Work from Home» profitierten. Auch konnten sie sich zumeist gut durch das anspruchsvolle Konjunkturumfeld seit der Finanzkrise navigieren und dank der US-Steuerreform Gewinne aus dem Ausland an ihre Aktionäre zurückführen.

Im Gegensatz zu anderen Branchen blieb die Buyback-Aktivität in der Tech-Industrie daher über die vergangenen Jahre praktisch konstant und nimmt jetzt zu. Wie eine Recherche mit Hilfe des Datendiensts S&P Global Market Intelligence ergibt, haben IT-Konzerne im US-Leitindex S&P 500 in den letzten zwölf Monaten für annähernd 224 Mrd. $ eigene Titel zurückgekauft. Das entspricht einem Anteil von knapp 37% an allen Buyback-Programmen.

Zusammen mit dem Sektor Kommunikationsdienste, zu dem Google, Facebook und Twitter gehören, sind es über 50%:

Aktienrückkäufe nach Sektoren

Über letzte zwölf Monate per Ende Q2, in Mrd. $
IT
Kommunikationsdienste
Übrige Sektoren

Doch wie steht es mit Dividendenzahlungen?

Dividendenzahler mit Tradition

Mit Blick auf Direktausschüttungen sieht die Betrachtung nach Sektoren etwas ausgeglichener aus. Auch bei den Dividenden sind die Auszahlungen an Investoren im Tech-Sektor gemessen an der Gesamtsumme heute jedoch am grössten, gefolgt von den Sektoren Finanzen, Gesundheit und Basiskonsum.

Microsoft und Apple allein haben in den vergangenen zwölf Monaten 16,5 respektive 14,4 Mrd. $ in Form von Dividenden ausgeschüttet. Insgesamt kommt die IT-Industrie derzeit für über 17% der Direktauszahlungen im S&P 500 auf:

Dividendenausschüttung nach Sektoren

Über letzte zwölf Monate per Ende Q2, in Mrd. $
IT
Finanzen
Gesundheit
Basiskonsum
Industrie
Energie
Kommunikationsdienste
Versorger
Zyklischer Konsum
Immobilien
Grundstoffe

Entscheidend ist aus Investorensicht weniger die Gesamtsumme, sondern das Verhältnis der Dividende zum Aktienkurs. Aus dieser Perspektive rangieren Unternehmen aus dem Tech-Sektor zusammen mit Konzernen aus den Bereichen Kommunikationsdienste und zyklischer Konsum noch immer am hinteren Ende der Rangliste.

Die 74 IT-Titel aus dem S&P 500 werfen im gewichteten Durchschnitt eine Dividendenrendite von 0,81% ab, während es für den Gesamtindex 1,34% sind. Die mit Abstand höchsten Renditen werfen derzeit Unternehmen aus der Energiebranche – dazu zählen Namen wie ExxonMobil und Chevron – mit über 4,6% ab.

Betrachtet man die verschiedenen Segmente im Tech-Sektor allerdings etwas genauer, zeigen sich wesentliche Unterschiede. Titel aus den Sparten Telecom-Equipment sowie IT-Beratung rentieren über 2%. Auch bei Unternehmen aus dem Bereich Elektronik-Komponenten ist die Dividendenrendite höher als beim S&P 500.

In Zeiten rekordtiefer und negativer Zinsen (selbst bei zehnjährigen US-Staatsanleihen sind es momentan weniger 1,3%) haben damit auch Werte aus den Segmenten Industrieelektronik und Halbleiter mit einer Rendite von rund 1,2% für einkommensorientierte Anleger einen gewissen Reiz.

Dividendenrendite nach IT-Segmenten

In %

Bricht man den Trend auf Einzeltitel herunter, weist IBM mit 4,7% derzeit klar die höchste Dividendenrendite aus. Der Konzern ist ausserdem der einzige «Dividend Aristocrat» im IT-Sektor. Zu diesem prestigeträchtigen Club gehören Unternehmen aus dem S&P 500, welche ihre Direktausschüttung schon seit 25 Jahren oder mehr Jahr für Jahr erhöht haben.

Immerhin gibt es in der Tech-Industrie mittlerweile auch eine ganze Reihe von «Dividend Achievers». Diese Unternehmen haben die Dividende seit mindestens zehn Jahren unterbruchlos stetig erhöht. Ordensträger sind hier zum Beispiel Microsoft, Qualcomm, Analog Devices, Texas Instruments, Oracle und Cisco Systems:

IT-Konzerne mit der besten Dividend History

Anzahl Jahre, in denen die Dividende unterbruchlos erhöht wurde

Strategien für renditeorientierte Investoren

Für Schweizer Investoren sind amerikanische Dividendentitel aus Steuergründen und mit Blick auf das Wechselkursrisiko zwar nicht ganz so attraktiv wie heimische Perlen. Immerhin lässt sich mit der Steuererklärung aber ein Teil der US-Quellensteuer zurückfordern.

Wer auf kurze Sicht primär an einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite interessiert ist, kann sich im amerikanischen Tech-Sektor an Aktien wie IBM, Hewlett Packard Enterprise, Broadcom oder Seagate Technology halten, die 3% oder mehr zahlen:

Für Investoren, die sich auf mittlere bis lange Sicht in Tech-Aktien engagieren wollen, raten wir jedoch zu einem ganzheitlichen Ansatz, der sich nicht nur auf die Dividendenrendite konzentriert, sondern auch Kriterien wie Wachstum, Marktstellung, Bilanzqualität, freier Cashflow, Bewertung und Rückkäufe umfasst.

Gerade im Fall von IBM etwa stellt sich die Frage, wie sicher die Dividende über die Zeit angesichts des schwachen Wachstums (wenn überhaupt) und Kritik an der Rechnungslegung ist. Oracle wiederum leistet sich zwar eines der grössten Rückkaufprogramme, höhlt dafür die Bilanz aber zusehends aus.

Ein gutes Beispiel für ein spannendes Gesamtpaket ist demgegenüber Cisco Systems. Der Netzwerkausrüster agiert in einem global stark konzentrierten Markt, erhöht seine Margen durch den wachsenden Anteil von Software am Umsatz, ist finanziell kerngesund und zahlt respektable 2,5% Rendite.

Dividende und Rückkäufe zusammengerechnet, hat Cisco in den letzten zwölf Monaten rund 9 Mrd. $ ausgeschüttet. Gemessen am durchschnittlichen freien Cashflow über die letzten drei Jahre von 14,4 Mrd. $ hat der Konzern künftig Spielraum für eine stetige Erweiterung der Ausschüttungspolitik bei gleichzeitigen Investitionen in profitables Wachstum.

Ebenfalls lohnenswert erscheint ein Blick auf die Halbleiterkonzerne Texas Instruments und Qualcomm, deren Titel 2,2 bzw. 1,9% rentieren. Beide Konzerne sind in strukturellen Wachstumsmärkten attraktiv positioniert und praktisch schuldenfrei. Die Aktien von Texas Instruments sind zwar nicht gerade günstig. Die Chancen stehen aber gut, dass der Spezialist für Analog-Chips sein Rückkaufprogramm demnächst wieder aufnimmt, was die Börse entsprechend honorieren dürfte.

Unter den Superschwergewichten weist Microsoft die attraktivste Mischung aus Ausschüttungen und Wachstum aus. Auch Google und Facebook sind aus einer gesamtheitlichen Sicht erstklassige Unternehmen. Beide Internetriesen werden sich zwar vorerst weiterhin auf Wachstum konzentrieren und ausschliesslich Aktien zurückkaufen. Die Chance auf die Aufnahme einer Dividendenzahlung dürfte in den kommenden Jahren aber steigen. Mit ihrem Qualitätsattributen sind Microsoft und Google auch Bestandteil des The Market Best Ideas Portfolios.

Kennzahlen

Börsenwert Wachstum Ebit-Marge ROIC Verschuldungsgrad KGV 2022 KGV 2023 Rendite
Apple247326,828,831,7*2625,50,6
Microsoft227417,541,620,6*3632,30,7
Google189132,728,416*28,226,80
Facebook103139,442,520,5*25,923,10
Cisco Systems2501,127,616,2*1816,52,5
Intel218–1,729,311,80.311,312,12,6
Broadcom19811,625,76,12.31715,53
Texas Instruments17322,545,229,8*23,522,92,2
Qualcomm16362,931,729,50.216,715,31,9
IBM125–1,512,46,72.913,111,84,7
HP3577,759,30.78,48,12,7

Deep Diving

An dieser Stelle präsentieren wir wie immer drei Links, die einen vertieften Einblick in ein aktuelles Thema geben:

  • Wie es heisst, soll das Metier als Spion in der Realität viel weniger spektakulär sein als in James-Bond-Filmen. Nicht weniger spannend als die Abenteuer von «007» ist jedoch diese Insider-Reportage des Tech-Magazins «protocol», in der es um die Infiltration von Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley durch den chinesischen Geheimdienst geht.
  • Die rekordschnelle Entwicklung der mRNA-Vakzine von Pfizer/BioNTech und Moderna war ein modernes Wunder der medizinischen Wissenschaft. Eine Schlüsselrolle bei der Erforschung der Technologie spielte der kanadische Biochemiker Ian MacLachlan. Trotzdem kennt ihn bis heute so gut wie niemand. Das Wirtschaftsblatt «Forbes» geht der Geschichte des vergessenen Helden der Pandemie nach.
  • Der Zwist sorgt für Schlagzeilen: Die Schauspielerin Scarlett Johansson geht gegen Disney vor Gericht, weil sie um die lukrativen Kinoeinnahmen an ihrem Superhelden-Streifen «Black Widow» fürchtet, der seit der Premiere auch auf dem Streaming-Dienst Disney+ erhältlich ist. Die Fachpublikation Variety befasst sich mit der Frage, was der Rechtsstreit für die Zukunft Hollywoods bedeutet.

Und zum Schluss noch dies: Total Recall

In den USA stehen die nächsten Wahlen eigentlich erst im Herbst 2022 an, wenn es um eine neue Sitzverteilung im Kongress geht. Wer dieser Tage in Kalifornien fernsieht oder Radio hört, wird jedoch bereits mit einer politischen Kampagne nach der anderen zugedröhnt.

Der Grund dafür ist der Recall. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger des Golden State entscheiden am 14. September, ob sie Gavin Newsom weiterhin als Gouverneur ihres Gliedstaats wollen.

Kalifornien zählt zu den zwanzig US-Gliedstaaten, in denen der Regierungschef bereits während der Amtsperiode abgewählt werden kann. Viel braucht es für ein solches Referendum nicht. Um einen Recall zu lancieren, ist lediglich die Unterschrift von 12% der registrierten Wähler erforderlich, die beim letzten Urnengang votiert haben.

Im aktuellen Fall waren dafür mindestens 1’495’709 Signaturen nötig. Die Befürworter hatten insgesamt fast 2,2 Mio. Unterschriften eingereicht. Obschon sich davon mehr als 400’000 als ungültig erwiesen, wurde die Mindestanforderung erreicht.

Der letzte Recall in Kalifornien fand im Herbst 2003 statt. In einem präzedenzlos wilden Wahlzirkus drängte damals Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger mit 48,6% der Stimmen Gray Davis aus dem Amt und regierte darauf als «The Governator» bis 2011 in Sacramento.

Auch dieses Mal ist der Tumult gross. Von den 46 Kandidaten, die als alternative zu Amtsinhaber Newsom antreten, zählt das Gros zum Lager der Republikaner. Unter ihnen rangieren ein vormaliger Bürgermeister von San Diego sowie Caitlyn Jenner, die bei den olympischen Sommerspielen von 1976 Gold im Zehnkampf gewann und später bis zur Geschlechtsumwandlung mit Kris Jenner vom Kardashian-Clan verheiratet war.

Kronfavorit unter den Herausforderern ist Larry Elder, langjähriger Moderator einer ultrakonservativen Talk-Radio-Show und - wie alle anderen republikanischen Gegenkandidaten - ein bekennender Trump-Supporter. In den Medien hat er zuletzt unter anderem mit Falschinformationen über Therapien gegen Covid-19 für Schlagzeilen gesorgt. Er gilt als Mentor von Stephen Miller, dem Architekten von Amerikas finsterer Einwanderungspolitik in den Trump-Jahren.

Kalifornien ist heute zwar fest in demokratischer Hand. Letzten November rühmte sich der Golden Staate als «Zentrum des Widerstands» gegen Trump. Präsident Biden gewann den stimmenmässig grössten Bundesstaat überragend mit 63,5%.

Selten erwähnt wird hingegen, dass in Kalifornien mehr Republikaner leben als sonstwo in den Vereinigten Staaten. Rein von der Anzahl Stimmen her erhielt Trump 2020 in keinem anderen Gliedstaat mehr Voten. Vor Bill Clinton gewann hier bei den Präsidentschaftswahlen von 1952 bis 1998 zudem mit einer Ausnahme stets ein Republikaner.

Auch wenn dem Recall an Wettbörsen wie PredictIt momentan nur eine Erfolgschance von knapp 70% zugemessen wird, ist eine Überraschung daher nicht ausgeschlossen. Das, zumal Newsom nicht sonderlich beliebt ist.

Fest steht bislang nur, dass das ganze Theater ein riesiger Geldverschleiss ist. Gemäss aktuellsten Zahlen werden allein die organisatorischen Kosten für den Bundesstaat und die lokalen Wahlbezirke auf mehr als 275 Mio. $ geschätzt - und in einem Jahr sind ohnehin bereits die nächsten Gouverneurswahlen.

Die nächste Ausgabe von «The Pulse» erscheint am 8. September. Es würde mich freuen, wenn Sie auch dann wieder dabei sind.

Herzliche Grüsse von der US-Westküste,

Christoph Gisiger